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Theater Ulm: Die Durstigen


In einer Welt, in der man alle Freiheiten und Möglichkeiten hat, selbst zu entscheiden, was man in seinem Leben tun möchte, verharren wir doch immer wieder im Alltagstrott. Wajdi Mouawad hinterfragt in seinem Theaterstück "Die Durstigen", warum das so ist, wann diese Starre beginnt und ob es so bleiben muss. Team-Ulm.de-Autorin Melissa Gößling hat die Inszenierung am Theater Ulm gesehen und verrät, ob es sich lohnt.


Das Podium im Theater Ulm ist komplett schwarz angemalt. In dem trapezförmigen Raum stehen am Rand auf zwei kleinen Emporen die Stühle für das Publikum. Der Blick der Zuschauer fällt auf eine übergroße Leinwand, die die Längsachse des Raumes fast vollständig einnimmt. Darauf: so etwas wie eine Strandlandschaft, in grau-weiß gemalt, irgendwie diffus. In der Mitte der Leinwand ist eine menschengroße Trommel aufgemalt, ihr Fell ist ein Spiegel. Vor der Leinwand liegen links und rechts pinkfarbene Fellteppiche, auf ihnen abstrakte pinke Palmen. Auf der rechten Seite steht auch ein Aquarium, gefüllt mit Wasser und einem Totenschädel.

Die Bühne ist dunkel, als die Türen geschlossen werden und Rockmusik einsetzt. Dann beginnen jugendliche Stimmen aus dem Off zu sprechen. Währenddessen wird der Spiegel transparent und ein Mädchen zieht sich mit dem Rücken zum Publikum an. Sie schreit. Zwei Kinder kommen auf die Bühne erzählen, wie aus einem Buch vorgelesen, wer das Mädchen ist, dass sie nicht mehr aus dem Zimmer herauskommt und sie, die Eltern, nichts tun können, um das zu ändern. Bis das Mädchen einen Namen nennt und ein Mann erscheint.

Es ist Boons, gespielt von Matthias Happach, und er ist Anthropologe. Er führt durch den ganzen Abend. Er erzählt, er habe die Person, die das Mädchen genannt hatte, nur erfunden. Das Publikum ist entsprechend verwirrt. Dann muss er eine Leiche, die aus einem See gefischt wurde, identifizieren. Das gelingt ihm schnell. Es ist Murdoch, ein Schulfreund von Boons, der vor 15 Jahren plötzlich verschwand. llgemeine Verwirrung, was ist geschehen?

Der Autor lässt die Geschichte nun auf verschiedenen Ebenen spielen, mischt dabei Fantasie und Realität, Gegenwart und Vergangenheit. Erst nach und nach werden die Ebenen ersichtlich und damit auch verständlich. Wie ein Puzzle setzt sich das ganze Drama in den Köpfen der Zuschauer zusammen. Auch Murdoch tritt auf, gespielt von Christian Streit. Er ist die stärkste Figur in dem ganzen Stück. Mit jugendlichem Slang, authentisch und kraftvoll spricht und spielt er mit dem Publikum. Er hält fesselnde Monologe und stellt unbequeme Fragen wie "Wer bestimmt mein Leben?" und stellt fest: "Wir alle lieben das Leben und wollen das Schöne. Wenn wir es nicht füttern, frisst das Hässliche uns von innen auf."
Schnell wird klar: In diesem Stück geht es um Existenzielles. Die Figuren haben Durst nach Leben, Liebe, nach dem Sinn des Lebens. Dabei schrecken die Schauspieler, allen voran Christian Streit, nicht davor zurück, immer wieder das Publikum miteinzubeziehen. Unangenehm? Ja, aber so macht sich mehr und mehr das Gefühl im Raum breit: Das, was da auf der Bühne passiert, betrifft auch mich.

Durch die Miteinbeziehung des Publikums ist das Stück viel mehr, als das Stück für Jugendliche, als das es angekündigt wird. Zwar spielen Kinder und junge Erwachsene mit, aber eigentlich spricht es jeden an. Denn nicht nur der Satz "Je älter ich werde, desto weniger habe ich das Gefühl, lebendig zu sein" wird dem einen oder anderen bekannt vorkommen, auch die Gefühle, die Murdoch, Boons und Norwegen zeigen, sind ein Spiegel aller Menschen. Es gibt viel zu lachen, zu staunen und zum Nachdenken.

Nach knapp 90 Minuten ist der Zauber vorbei und Applaus erklingt. Dabei war zu spüren, und anhand der betreten lächelnden Gesichter auch zu sehen, dass das Publikum eigentlich was anderes erwartet hatte. Aber es wurde überrascht - positiv.

Team-Ulm-Reporterin Melissa Gößling empfiehlt: Kauft euch statt einer Kinokarte eine Karte für dieses Stück und lasst euch mitreißen - es lohnt sich!

Fotos: Martin Kaufhold

Veröffentlicht in den Kategorien:Kultur und Stadtgeschehen
Tags: Drama, Jugendstück, Kultur, Schauspiel, Theater, Theater Ulm

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