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Forum / Poesie und Lyrik

"Simens" Bekenntnis zur Lebenseinstellung

I3I_4CKNINJ4 - 29
Experte (offline)

Dabei seit 06.2005
1619 Beiträge

Geschrieben am: 26.03.2016 um 09:57 Uhr

Da es einige Leute gab, die sich nach dem Durchlesen dieser Worte nicht einmal ansatzweise geneigt fühlten, darauf einzugehen, öffne ich es einfach in einem neuen Thread.

Zitat von Simens:

Das hier hat nicht unbedingt etwas mit Poesie und Lyrik zutun, sondern eher mit Philosophie und Lebenseinstellungen, aber besser hier als im Bereiche "Sonstige"

Ich hab mir in letzter Zeit immer wieder Gedanken über einen "Sinn" oder Leitfaden für mein Leben gemacht und bin zu einem Ergebnis gekommen. Es ist nicht perfekt oder Vollständig, aber die Ansätze klingen gut.

Wer lust hat kann seine Vorstellungen ja auch hier in Textform nieder schreiben


Die Erkenntnis führt zur Selbstschöpfung
Sinn durch Selbstschöpfung
Erkenntnis ist der Sinn


Die Erkenntnis, dass der Mensch, sofern wissend, die Macht hat über sein eigenes Leben zu bestimmen, ist mein Sinn.
Unabhängig der Lage oder Situation, sind wir befähigt immer das entscheiden zu können, was uns als richtig erscheint. Dabei ist es unwichtig ob es eine Entscheidung über Ja/Nein, oder Links/Rechts ist.
Wer über sich selbst entscheidet, kann seine eigene Schöpfung initiieren. Durch die Auswahl die im Leben gegeben ist, kann man sich ganz individuell erschaffen. Man kann das erreichen, sofern die ganze Psyche und eingesetzte Energie in das Ziel fließt, was man für sich als Ziel identifiziert hat.

Wer seinen Sinn in seiner eigenen Selbstschöpfung durch die Erkenntnis der Fähigkeit sich selbst zu erschaffen und auszubauen sieht, der wird niemals in die Lage gebracht im Leben still zu stehen.

Jeder Mensch ist in der Lage sich selbst zu definieren, sobald man sich die Mühe macht über sich nachzudenken und erkennt, dass wir diese Macht als Schlafenden Riesen in uns tragen.


Diese Erkenntnis krankt leider an einer Sache: Sobald du in einem Alter bist, in dem dein eigenes Bewusstsein tatsächlich eigene Entscheidungen fällen kann, bist du bereits durch und durch manipuliert. Jedes Erlebnis, jedes Bild und jedes Wort in den ersten Jahren deines Lebens hat sich in die Fasern deines Selbst gebohrt und dafür gesorgt, dass Du gar nicht wirklich definierbar bist. Und wenn doch, dann nur unter Betrachtung all der Determinanten in deinem Leben, die da wären: Deine Herkunft, deine Eltern, die Filme und Bücher, die sie dir gezeigt haben, deine Erzieher im Kindergarten und so weiter und so fort.
Daraus entstehen dann zwei Möglichkeiten:
- Du akzeptierst, dass du nur ein Produkt aus vielen Beeinflussungen bist und akzeptierst auch gleichzeitig, dass all die Dinge, die noch kommen werden, dich ebenfalls verändern werden. Und mit dieser Akzeptanz entwickelst du ein kleines bisschen Gespür. Du kannst versuchen trotzdem ein paar Entscheidungen zu treffen. Dennoch ist es - objektiv betrachtet - eine Heuchelei, die sich zwar oft anfühlen mag, wie ein eigenes Denken. Und irgendwann wird vieles schwammig, die Übergänge zwischen eigener Entscheidung und determinierter Entscheidung werden schwer erkennbar.
- Ausser du gehst den Weg des Eremiten. Du stirbst, wäschst dich rein, oder sonst was. Schweigst jahrelang und nimmst auch nichts wahr ausser dem Wasser und Brot von dem du lebst. Dann könntest du nach ein paar Jahren näherungsweise den Zustand eigener Entscheidungen hervorrufen.
Dennoch müsstest du in diesem Zustand verbleiben. Denn sobald du dich wieder in die "normale" Welt begibst, ist dein Denken wieder beeinflusst.

Also. Diesen reinen Zustand, wie von dir beschrieben gibt es nicht. Betrachten wir es mal etwas realistischer, in unserem wirklichen Leben. Wie könnte man diese durchaus erstrebenswerte Einstellung umsetzen?
Genießen und Leben. Da sind wir bei dem Punkt angelangt, der von den Querschlägern abgehandelt wurde:
Ist genießen überhaupt leben? Oder anders gefragt: Wenn ich zwar die Entscheidung treffe, etwas zu konsumieren, das jemand anderes geschaffen hat, gebe ich mich damit nicht vollkommen als Spielball dieser Schöpfung hin? Lassen wir mal den Fall weg, dass alles bereits erschaffen wurde von Gottes oder sonstwem seiner Hand. Nehmen wir die Dinge, die wir Menschen erschaffen haben.
Um deine Einstellung also umzusetzen, dürftest du jedes "Gut" nur als Mittel zum Zweck nutzen. Konsumierst du aber beispielsweise einen einfachen Spielfilm, dann nutzt du das Werk eines anderen, um dich in einen gewissen Gefühlszustand zu versetzen, und beeinflusst damit - zu Teilen - auch dein weiteres Leben.

Also ist deine Einstellung im echten Leben nur umsetzbar, wenn du fast alles selbst erschaffst und nur wenig "konsumierst".

Grüße,
Marian



Ich habe Angst vor dem Tod, doch wenn ich sterbe, dann freue ich mich darauf

monarchin
Profi (offline)

Dabei seit 12.2013
492 Beiträge

Geschrieben am: 27.03.2016 um 00:04 Uhr

Inwiefern dient eine derart von Egozentrik geprägte Sinnsetzung einem höheren (oder anderen) Ziel als der totalen Selbstgefälligkeit?

Bildet euch.

Morrigane
Profi (offline)

Dabei seit 07.2006
955 Beiträge

Geschrieben am: 03.04.2016 um 01:58 Uhr
Zuletzt editiert am: 03.04.2016 um 02:03 Uhr

Ich frage mich, was dieses Wunschbild einer einsiedlerischen "Seelenreinheit" bedeuten soll in einer Welt, in der Menschen von anderen Menschen gezeugt, geboren und sozialisiert werden und notwendigerweise auch ihre Denkkonzepte von Autonomie von anderen Menschen beziehen müssen. Das ist ohnehin schon eine paradoxe Situation.

Daher verstehe ich nicht, was daran schlimm sein soll, mit der Welt, in der man nunmal lebt, zu interagieren.

Abgesehen davon fürchte ich, dass geistige Enthaltsamkeit früher oder später zu geistiger Armut führt.

Lecker Senf für alle!

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