Ich sehe in den Spiegel. Der den ich erblicke ist mir fremd. Was ist aus meinem Leben geworden? Ich möchte da hin zurück wo alles einen Sinn hat. Wo sich das Leben noch lohnt. Wo ich keine Angst haben muss und glücklich sein kann. Aber das kann ich noch nicht. Jetzt noch nicht. Ist das Glas halbvoll oder halbleer. Halb voll war es früher. Heute ist das Wasser verschüttet und das Glas zu Boden gefallen und in tausend Splitter zerborsten. Ich versuche diese Splitter wieder zusammenzufügen. Zu etwas ganzem. Es gelingt mir nicht. Die Splitter schneiden in mein Fleisch, in meine Seele. Zerreißen beides. Fleisch heilt. Die Seele bleibt zerrissen. Für immer. Sicher wird es eines Tages vielleicht besser sein. Vielleicht. Aber Narben bleiben immer. Narben auf der Seele. Noch schlimmer als Narben auf der Haut. Ich wende meinen Blick ab von der Person im Spiegel. Kann den fragenden Blick nicht mehr ertragen. Den Blick der fragt wann es angefangen hat. Wann hat es begonnen. Wann ist das Leben aus der Bahn gelaufen? Ich versuche zurück zu denken an bessere Zeiten. An Zeiten in denen ich glücklich war, lebensfroh. An Zeiten in denen ich gern und viel gelacht habe. Ich kann mich nicht erinnern. Ich versuche es angestrengter. Die Erinnerungen an diese Zeit sind vernebelt. Ich kann sie kaum noch sehen. Das macht mir Angst. Mehr als alles andere. Wenn ich vergessen habe wie man lacht oder glücklich ist, ist es zu Ende. Das was mich früher ausgemacht hat ist verschwunden. Einfach so. Vielleicht für immer. Ich hoffe es das es nicht so ist. Ich weiß das ich ohne das was mich früher ausgemacht hat, was ich früher war, nicht existieren kann. Die Angst wächst ins unermessliche. Ich will nicht aufhören zu existieren. Ich kämpfe gegen meine inneren Dämonen. Sie verhöhnen mich. Versuchen mich mitzureißen. Ich versuche etwas zu finden. Etwas zu finden für das es sich zu Leben lohnt. Liebe? Sicher nicht. Zumindest gerade. Deswegen bin ich ja in dieses Loch gefallen. Familie? Vielleicht. Meine Eltern werden immer zu mir halten das weiß ich. Die Dämonen lassen ein wenig von mir ab. Ihr Zerren lässt merklich nach. Ich muss weiter machen. Vielleicht kann ich sie besiegen. Ich denke an meine Freunde. Es sind nicht viele aber die besten, da bin ich ziemlich sicher. Ich bin frei. Die Dämonen sind weg. Zumindest für den Augenblick. Ich weiß das sie immer noch da sind. Ganz nah. Lauernd. Darauf lauernd mich auf die andere Seite zu ziehen. Dort wo es nur Schmerz gibt und keine Hoffnung auf Heilung. Dort will ich nicht hin. Ich werde immer kämpfen. Es zumindest versuchen. Lieber will ich beim Versuch scheitern als es einfach so geschehen zu lassen. Vielleicht kann ich irgendwann wieder so sein wie früher. Ich sehe wieder in den Spiegel und sage zu mir selbst: Aber jetzt noch nicht. Noch nicht.