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Forum / Poesie und Lyrik
Bildende Kunst

nitrolingual - 40
Fortgeschrittener
(offline)
Dabei seit 12.2008
40
Beiträge
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Geschrieben am: 20.10.2009 um 11:13 Uhr
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Sergio Simon war ein wirklich cleverer Mensch. Schon als kleines Kind
hatte er sofort durchschaut, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt,
und dass auch die anderen Figuren - wie er sie nannte - nicht wirklich
existierten. Was auch immer die anderen Kinder für Geschichten
erzählten - er erkannte sie sofort als eine Täuschung, eine Lüge,
einen Irrtum. Sergio war nie sonderlich beliebt, aber dafür verdammt
clever. So wurde er also Betrüger.
Sergio Simon probierte es mal als Politiker, aber er musste dabei
zuviel arbeiten, und das hasste er. Also versuchte er es als
Sektenchef, aber er hatte auch ein Gewissen, und das drückte dann
doch zu sehr. Er überlegte also hin und her, wen er denn nun
betrügen sollte, aber es sollten eben keine leidenden Menschen sein,
sondern welche die sowieso von allem zuviel hatten. So wurde er
also Künstler.
Sergio Simon stellte also Bilder her. Grosse Bilder, schwarze Bilder,
schwarze Quadrate in schwarzem Rahmen. Einsame gelbe Punkte in einer
weißen Landschaft. Eine blaue Linie, die einen endlichen Horizont
bildete. Weiße Bilder, Kommentare zur Informationsüberflutung.
Er war sehr zufrieden mit seinen Werken. Sie enthielten alles, was er
für eine Täuschung notwendig hielt. Nun hoffte er auf die Dummen,
und sie enttäuschten ihn nicht. Sie kamen, und sie kamen in Scharen.
Sergio Simon verkaufte alle seine Bilder, und er wurde reich, sehr
reich. Seine reichen Kunden wurden etwas ärmer, und das gefiel
ihm gleich noch viel besser. So saß er meistens in seinem Atelier
und lachte sich krumm und schief, ob dieses gelungenen Betrugs. Dabei
fertigte er immer mehr Bilder an, denn er fühlte sich gut dabei, es
sprudelte nur so aus ihm raus. Weiße Punkte auf weißem Hintergrund,
ein Bild ohne Rahmen und Leinwand, keine Leinwand dafür nur ein
Rahmen. Er füllte sich voll von allem, besonders von Schaffenskraft.
Eines Tages kam eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter in eine
Ausstellung von Simon's Werken. Sie spazierten durch all die
Räumlichkeiten, und betrachten jedes einzelne Bild. Simon war gerade
im Gespräch mit einem potentiellen Sponsor seiner geplanten Tour
durch Europa. Die Mutter war ganz angetan von den Bildern, und gab
immer wieder kleine Geräusche der Zustimmung von sich. Ihre kleine
Tochter befreite sich aus dem Griff ihrer Mutter, und ging ein wenig
auf Entdeckungsreise, die sie einige Schritte von Simon entfernt
zu einem Bild hinführte. Simon fiel das Mädchen auf, und so beugte
er sich zu ihr runter, und fragte sie ganz nett, wie ihr denn seine
Bilder gefallen, und was sie in ihnen wohl sehen würde.
"Nichts. Nur große Einsamkeit."
Sergio Simon war ein cleverer Mensch. Er war ein genialer Betrüger,
der jedem was vormachen konnte. Als er mit achtzig Jahren an einer
Gehirnblutung starb, war er einsam und allein. Nur seine Spätwerke
waren an seiner Seite: Kleine Blumen inmitten einer grünen Wiese.
Nitro
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cfl - 31
Champion
(offline)
Dabei seit 02.2007
6160
Beiträge
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Geschrieben am: 20.10.2009 um 15:28 Uhr
Zuletzt editiert am: 20.10.2009 um 15:29 Uhr
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An den meisten Stellen gefällt es mir recht gut , finde es nur ein wenig einfach gehalten , was dem ganzen einen Hauch von Langeweile überwirft.
Nichtsdestotrotz , besser als das meiste was hier sonst veröffentlicht wird , auch weils schön geschrieben ist ;)
Sie dürfen jetzt lachen.
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Morrigane
Profi
(offline)
Dabei seit 07.2006
955
Beiträge
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Geschrieben am: 21.10.2009 um 10:20 Uhr
Zuletzt editiert am: 21.10.2009 um 10:20 Uhr
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Wow! Eigentlich war ich gerade gar nicht in Leselaune, aber der Text hat mich einfach angezogen und mitgenommen. Sergio Simon, der über die ganze Geschichte Sympathieträger bleibt, erinnert ein wenig an den Kaiser auf "Des Kaisers neue Kleider", der erst durch kindliche Naivität darauf gebracht wird, dass ihm etwas fehlt. Nur dass es scheint, als würde er es nie finden, erst recht nicht in dieser Welt, deren Bild er so hartnäckig aufrecht erhält, indem er es selbst immer wieder malt und verkauft.
Ist er selbst schuld an seiner Einsamkeit, dadurch, dass er sich selbst aus der Gesellschaft zurückzieht, indem er ihr gegenüber eine kritische Meinung einnimmt oder ist diese Einsamkeit für ihn unvermeidbar vorherbestimmt, da es nicht in seinem Wesen liegt, viel Kontakt zu Menschen zu haben, die ihm als Betrüger ohnehin nur "in die Karten schauen" könnten?
Lecker Senf für alle!
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B3owu1f - 44
Halbprofi
(offline)
Dabei seit 03.2006
274
Beiträge
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Geschrieben am: 22.10.2009 um 18:48 Uhr
Zuletzt editiert am: 22.10.2009 um 18:50 Uhr
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Hm. Es ist ... unfertig. Die Idee ist gut, die Geschichte auch. Aber die Form passt, finde ich noch nicht ganz. Es müsste entweder noch etwas ausladender in den Beschreibungen oder noch reduziert werden.
Außerdem müsste die Aussage noch klarer herausgearbeitet werden.
Für mich sind es noch 2.
1. Künstler sind Betrüger (kann man in gewissem Maß stehe lassen )
2. Reichtum ist nicht alles, oder ähnlich.
Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte!
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