|
Community
Szene & News
Locations
Impressum
|
Forum / Poesie und Lyrik
Die betrogenen Hunde

Aguirre - 34
Fortgeschrittener
(offline)
Dabei seit 01.2009
44
Beiträge
|
Geschrieben am: 07.10.2009 um 21:24 Uhr
Zuletzt editiert am: 07.10.2009 um 21:40 Uhr
|
|
"Eine seltsame Geschichte habt ihr da!" rief der kleine Welpe den alten Hunden zu, als sie im Kreise um den Felsen kauerten und auf die Dämmerung warteten. "Sie ist ja noch nicht einmal wahr!" rief der Welpe laut erneut in ihre Richtung, so befand er sich doch in einiger Entfernung am Fuße des Hügels. Der Wind trug sein Rufen in eine andere Richtung, und die Alten starrten weiterhin gebannt hinauf in den Himmel. Ein leichter Regen setzte ein, und bald bogen sich die langen Grashalme unter dem Gewicht des Wassers bis fast zur Erde hinunter. "Was ihr redet! Von den Menschen habt ihrs genommen, es ist nicht eures, so seht es doch!"
Ein gemeinschaftliches Jaulen erschallte vom Hügel ins Tal hinunter, und der kleine Welpe machte sich in Richtung des Waldes davon, still und heimlich. Da begann es.
So wie sich der schwarze Schleier über die Landschaft gesenkt hatte, erstrahlte das kalte Feuer mit der riesigen Scheibe zusammen am Horizont. Ein lautes Jaulen kündete von der Unruhe der alten Hunde, sie sprangen auf und reckten die Schwänze steil nach oben, jeder Muskel ihres Körpers angespannt. Langsam folgten sie der Wanderung der hellen Scheibe, sie bellten und jaulten ihre Freude in den Nachthimmel hinaus, die Sterne über ihnen als ihr eigenes Publikum.
In der Mitte des Himmels erstarrte die Scheibe plötzlich, ein langes Jaulen folgte, und plötzlich erfüllte Stille die Umgebung. Verwundert fragte einer der Hunde "Was ist? ER macht nie Pausen?!", ein anderer war entsetzt und starrte gebannt auf die anderen. Nach langem Zögern eröffnete er der erstaunden Meute: "Meine Herren, ich fürchte ER ist tot!"
Ein leises Zischeln und Zähneklappern erfasste die Hunde, es konnte nicht wahr sein dass ER tot war.
Stille, erneut.
Die Hunde begannen sich flach auf den Boden zu legen und angstvoll in den schwarzen Himmel zu blicken.
"Was ist jetzt? Was sollen wir tun?"
Die Scheibe bewegte sich nicht.
Mit einem lauten Knall erlosch das kalte Licht in der kreisrunden Erscheinung in der Mitte des Himmels und die Hunde sprangen panisch in den Wald davon. Wie vom Teufel besessen rannten sie die ganze Nacht lang, schließlich war ihr Gott gestorben.
"NEUER HEISSLUFTBALLON GETESTET: KATASTROPHE BEI NACHT
Zwei junge Männer kamen gestern bei dem Versuch ums Leben, einen neuartig konstruierten Heissluftfesselballon in den Himmel steigen zu lassen. Bisher gibt es keine Hinweise auf ihren Verbleib."
17. Juni 1797
|
|
I3I_4CKNINJ4 - 35
Experte
(offline)
Dabei seit 06.2005
1618
Beiträge
|
|
Geschrieben am: 07.10.2009 um 21:34 Uhr
|
|
Hast du das gerade geschrieben?
Wieder mal genial - die ausgeklügelte Poesie trifft einen anfangs hart, dann landet sie kurz in einem tief, um das Denken nicht mit beschönigten Worten aufzusaugen.
Eine gute Idee, um zu zeigen, wie man durch Halbwahrheiten oder Unwahrheiten leicht vom Glauben abgebracht werden kann, und auch Verzweiflung leicht gesäht werden kann.
Auch ein Lichtfunke, ein Wissender ist eingebaut, der dafür sorgt, dass der Leser selbst nicht ebenso verzweifelt.
Ich habe Angst vor dem Tod, doch wenn ich sterbe, dann freue ich mich darauf
|
|
Forum / Poesie und Lyrik
|