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Forum / Poesie und Lyrik
Mit Worten Gefühle neu erfinden

I3I_4CKNINJ4 - 35
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Geschrieben am: 07.10.2009 um 19:33 Uhr
Zuletzt editiert am: 07.10.2009 um 19:38 Uhr
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Liebe
Vorangestellter Text und die Frage wie es zu verstehen sei:
[Zusätzlich will ich lieben, ad absolutum. Ein Feuer, dass mit vulkangeborener Esse in Öl getränktes Brennholz mit sich trägt. Ja, und die Flammen sind aus Eis, sodass sie schwimmen können, bis hinaus in die Ewigkeit.]
Das ist der Versuch in ein aus Gedanken erfundenees Gefühl etwas Poesie zu bringen, weil es zu diesem Zeitpunkt nicht bestand.
Die Aussage sollte etwa dahingehend lauten, dass ich lieben möchte, eine Person, zwei, drei und die ganze Welt. Aber nicht solch ein anfängliches Verliebtsein, auch keine geheimnislose Verbindung aus Gewohnheit, die von Grund auf darum kämpfen muss, nicht zu zerbrechen.
Von den Symbolen her kann man es wie eine Verbindung aus Feuer und Eis, oder den Flammen und Wasser betrachten, eine Innigkeit, eine theoretische Ausarbeitung von Dualität, die eigentlich nur in den kühnsten Träumen oder Märchen der Menschen besteht, aber genau das hier, in deinem Leben, vor deiner Haustür. Mit der Wut und den Kräften inbrünstiger Flammen, einem Tiger oder Drachen gleich, der nicht inne hält, wenn er seine größte Angst vor Augen hat, Nein, dieser kämpft auch weiter, wenn blutunterlaufene Tränen seine Wangen hinablaufen, als er feststellen muss, dass sein Herz durch einen Pfeil entweigeteilt wurde. Dieser Liebende ist ein Schild mit dem Wappen eines Sonnengotts, er steht vor ihr und spielt Herrscher, obwohl er der eigentlich Diener ist, und macht letztendlich alles Nötige, dass sie am Ende sagen kann, dass sie wirklich glücklich ist.
Das Eis ist ein zeitloser Kämpfer, also sind eisige Flammen nicht einmal eingesperrt, sie behalten ihre feurigen Attribute, wobei sie nur noch bis in die Ewigkeit so bleiben werden.
Und Wasser haucht dem ganzen Leben ein, es ist ein Lachs, ein Karpfen oder eine Forelle, ein unumgänglich ruhiger Energieerzeuger. Ja, der Strom fließt ruhig, gibt der Flamme eine tiefe Besonnenheit, nimmt ihr aber nicht die Kraft des kleinen, fröhlichen Makis, der immer gutgläubig, ohne Furcht und ohne Zweifel sein Herz zum Altar trägt. Ein Sockel, ja geradezu ein magischer Fokus, der die Worte nicht nur auf das Herz graviert, sondern auch in die tiefen meiner und deiner Seele schreibt:
Ich liebe dich.
Ich habe Angst vor dem Tod, doch wenn ich sterbe, dann freue ich mich darauf
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I3I_4CKNINJ4 - 35
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Geschrieben am: 07.10.2009 um 19:37 Uhr
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Unzufriedenheit
Was bei mir so los ist? Ich habe gestern abend gemerkt, dass ich unzufrieden bin. Das war völlig ungewohnt, nachdem ich mich mehr als ein Jahr als regelrecht zufrieden ansehen konnte, da ich sehr ausgeglichen gelebt habe. Allerdings haben mich die letzten Wochen stark in ein Warten und vor mich hinleben verfrachtet.
[...]
Unzufriedenheit merke ich für gewöhnlich daran, dass ich abends nicht einschlafen kann und ziellos mich nach dem nächsten Tag sehne, um das besser zu machen, was ich an diesem nicht erledigt habe.
Ich renne gerade zwischen Zukunft und Vergangenheit hin und her, und kann auf der Trennlinie, der eigentlichen Gegenwart, worin ich doch für gewöhnlich leben sollte, nicht stehen bleiben. Sie erscheint mir als langweilig, wie Gut und Böse, Mord, Hass und Liebe und Vertrauen in den Mixer geschmissen und den Knopf gedrückt; am Ende erscheint alles nur noch in der gähnenden Leere einer verbundenen Einheit: das schwammige Etwas eines unendlichen Graus. Tja und gerade das ist es, was ich eigentlich anstrebe, der Zustand der Glückseligkeit.
Ich wünsche mir eine Welt herbei, die nicht ist und auch niemals so sein wird, wenn ich nicht bald aufstehe und meiner dumpfen Konsumsucht Einhalt gebiete.
Um mir etwas Freude vorzugaukeln denke ich an Hesses Siddharta, der ja auch erst als Trunkenbold in den Himmelsbetten einer Hure versank, nur um dann neu erstarkt wieder aufzustehen.
Ich schaue mich im Spiegel an und lege Wert auf mein Äußeres.
Nein, das ist lange nicht, was ich einmal war.
Ich habe Angst vor dem Tod, doch wenn ich sterbe, dann freue ich mich darauf
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I3I_4CKNINJ4 - 35
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Geschrieben am: 07.10.2009 um 19:38 Uhr
Zuletzt editiert am: 07.10.2009 um 19:59 Uhr
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Wohingegen Zufriedenheit (Entstanden zu der Frage "wie man das selbst wird"?)
Die Antwort liegt schlicht und ergreifend nahe. Wenn unser jetziges illusorisches Scheinleben aus dem Treiben und Spielen einer ewig schwankenden Dualität besteht, dann ist unser Selbst, also unser absolut unverhülltes nacktes Ich, der Mittelpunkt aller Dinge, weder Gut noch Böse, ein, tonloses, schwammiges Etwas aus ewigem Grau. Unverständlich scheint es, mit diesen Worten erklärt, dass viele dennoch danach streben und es gleichzeitig sogar als "Glückseligkeit" bezeichnen, wenn man so etwas erreicht hat.
"Ohne das Schlechte erfahren zu haben, weiß man doch gar nicht, was gut ist." - Das ist wahrlich eine plumpe Resignation, ein Beweis der unbarmherzigen Furcht von allen Hedonisten.
Edit: Tut mir Leid, dass ich das gleiche Motiv zweimal verwendet habe.
Ich habe Angst vor dem Tod, doch wenn ich sterbe, dann freue ich mich darauf
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Aguirre - 34
Fortgeschrittener
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Geschrieben am: 07.10.2009 um 19:44 Uhr
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Die Liebe soll hier nun so dualistisch sein?
Das ist sie natürlich, die diesem Thema innewohnende Dialektik ist doch gerade das Element, das diese enorme Spannung erzeugt, ein Gefühl des Berstens, Zerreissens, Zerbrechens, der gewaltigen Explosion in einer Kaskade aus abgestoßenen und abgesonderten, unterbewussten Regungen, mit unglaublicher Geschwindigkeit breiten sie sich immer weiter aus und dringen schließlich an die Oberfläche, ein Vulkanausbruch der Neuronen!
Ich denke jedoch, dass die Liebe nicht zwingend einen dualistischen Charakter aufweisen muss, da man hierdurch genötigt ist sich für die eine oder andere Seite zu entscheiden, für dein "Feuer" oder "Eis", oder habe ich das falsch verstanden?
Ist es nicht die freie Entscheidung eines jeden Menschen, zu lieben oder zu hassen was ihm gefällt?
Auch das nicht, es ist eine unterbewusste Reaktion, auf die man maximal sekundären Einfluss hat, die man nicht steuern kann und die spontan und unvorhergesehen ausbricht......mich führt diese Überlegung eigentlich zu dem Schluss, dass es nicht so etwas wie eine "universale" Liebe geben kann, aus oben genannten Gründen.....der Mensch muss sich selbst zunächst auf eine höhere Stufe bewegen, quasi den evolutionären Arschtritt abwarten, bis ihm die Liebe in allen Facetten und Formen universell zugänglich sein wird.
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I3I_4CKNINJ4 - 35
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Geschrieben am: 07.10.2009 um 19:57 Uhr
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Ja, endlich leben wir, und dankesehr.
Ich habe mir extra mühe gegeben die der Liebe innewohnenden Dualität eine Verbindung zu schenken. Die eigentlich gegenteilig erscheinenden Elemente wirken somit unverständlicherweise für ein miteinander.
Der Text ist allgemein nicht so überaus durchdacht, um es philosophisch oder gar philologische Abhandlung zu betrachten. Viel eher durch die gestellte Frage ist es aus mir heraus geflossen.
Dazu ist es genial wie du es auseinandernimmst. Für mich, der in allen Dingen die Absolutheit, also etwas universelles sucht, drückst du meine Träumerei erst auf den Boden, nur, um ihr dann im nächsten Satz wieder die Möglichkeit zu verleihen.
Du siehst, ich werde an meinem Glauben festhalten. Ich bin der Maki, der mit Zweifeln geborene Halbaffe, und du der Wolf, der erst beim Betrachten eines Schicksalsschlags zur Ernsthaftigkeit getrieben wurde. Und beide sind wir Menschen, die manchmal ihr unbesiegbares Unterbewusstsein zu beherrschen versuchen, um den Kampf gegen ein ganzes Universum anzutreten.
Ich habe Angst vor dem Tod, doch wenn ich sterbe, dann freue ich mich darauf
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Aguirre - 34
Fortgeschrittener
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Geschrieben am: 07.10.2009 um 20:06 Uhr
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Doch nicht zuviel des Lobes, das macht verlegen!^^
Aber ich danke dir wirklich sehr dass du meinen Text auf diese Weise interpretierst, du hast Dinge herausgelesen von denen ich tatsächlich nicht geglaubt hatte jemand würde sie sehen....und der Gedanke an die Einigkeit, die wir tatsächlich haben als Menschen, als versuchte Beherrscher des Unterbewussten, ist mir nicht gekommen!
Danke für diese Idee!
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