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Forum / Poesie und Lyrik

Absinth und Erinnerung

Morrigane
Profi (offline)

Dabei seit 07.2006
955 Beiträge

Geschrieben am: 11.09.2009 um 16:07 Uhr
Zuletzt editiert am: 14.01.2013 um 22:10 Uhr

Vorhang auf für meine aktuelle Lieblingsszene! Ich liebe sie, weil sie die perfekte Balance hält zwischen Kitsch, Liebeskummer, Melancholie und Zynismus. Und weil sie eine der wenigen Gelegenheiten war, D. und V. zur selben Zeit zu sehen. Ich werde sie vermissen.

D., V. und ich sitzen im Cafe. D. sitzt wie das böse Engelchen zu meiner linken, V. zur rechten, wie das gute Engelchen.

"Wie ging es dann zu Ende.", fragt D.: "War es ein gutes Ende?"
"Ja," sage ich: "Es war ein Ende, für das ich im Kino Geld gezahlt hätte. Ein gutes Ende, aber kein Glückliches."
"Was wäre denn ein glückliches Ende?", fragt D..
"Ein glückliches Ende wäre Kitsch.", sage ich: "Das würde bedeuten, dass die Situation, in der wir uns nun befinden nur ein Wendepunkt ist. Und ab diesem Wendepunkt wird die Geschichte gespiegelt. Sie geht in die andere Richtung weiter und wir werden mit jedem Tag immer glücklicher. Bis es wieder ist wie am Anfang und man beruhigt ausblenden kann. Aber das ist verlogen und kitschig. Es gab nie ein glückliches Ende und es wird auch keines geben. Es sieht nur so schön aus, wenn man in der Spiegel blickt."
D. lächelt ein bisschen diabolisch.

"Ich glaube,", sagt V. brüderlich: "Dass der Schmerz dazugehört. Love hurts, but sometimes it's a good hurt and it feels like I'm alive. - Schmerz ist Lebensenergie in verdichteter Form. Du lebst zu keiner Zeit intensiver. Und irgendwann bist du so weit, dann stellst du fest, dass es gut war."
"Nein.", sagt D.: "Es ist nicht gut, es ist tödlich. Ich bin beinahe froh, dass sie mich in Singapur zwangseingeliefert haben, als Yasmin Schluss gemacht hat und ich suizidgefährdet war."
"Wie geht es dir?", fragt V.
"Ich habe keinen Selbstschutzmechanismus.", sage ich: "Entsprechend geht es mir."
"Das ist naiv.", sagt D.: "Ich war auch naiv. Dann wurde ich zynisch."
"Nein, unschuldig ist sie.", sagt V.
"Was ist der Unterschied?", fragt D. verächtlich.
"Naivität kennt die Konsequenzen nicht, oder will sie nicht wahrhaben. Unschuld fürchtet sie nicht. Unsre Kleine braucht keinen Zynismus".
"Was wirst du tun?", fragt D.
"Nichts.", sage ich: "So tun, als hätte ich es bereits vergessen."
"Dann bist du noch nicht reif genug.", sagt V.
"Genießen?", frage ich ihn: "Alles genießen?"
Er nickt.
"Ich habe viel zu viel investiert um alles zu vergessen.", sage ich, nachdem ich nachgedacht habe.
"Ist es dann nur so viel wert, wie du investiert hast?", fragt D.
"Nein", sage ich: "Nur was man liebt, kann man verlieren. Der Preis ist egal, der Wert zählt."
"Das ist wahr. Das ist verdammt wahr.", sagt D.. Er, der doch glaubt, dass Liebe nur etwas für Mütter und Poeten ist.

Nach dem dritten Glas Absinth fällt der Vorhang und mir ein weiteres Happy End ein. Ich will morgens in der Vergangenheit aufwachen. Neben dir. Ich will das silbrige Geräusch meiner Finger auf deiner Haut hören können. Und am Abend werde ich einschlafen und wissen, dass es am nächsten Morgen genau der selbe Tag sein wird. Nur, dass ich jeden dieser Tage über Nacht wieder vergesse. Es wird nie zu Ende sein und immer neu. Und dieses Happy End ist so verbittert und unrealistisch, dass es sogar D. zum Schmunzeln bringt.


"Laylia"
September 2009
by Morrigane

Lecker Senf für alle!

cfl - 31
Champion (offline)

Dabei seit 02.2007
6160 Beiträge

Geschrieben am: 11.09.2009 um 16:18 Uhr

Boah ich hab das ganz gelesen :D

Mir gefällts , obwohl ich nicht beschreiben kann warum ..

Sie dürfen jetzt lachen.

ParraPinto - 33
Profi (offline)

Dabei seit 01.2006
997 Beiträge

Geschrieben am: 12.09.2009 um 02:03 Uhr

Es gefällt mir. Es bringt mich zum lachen und es gibt doch einen Ton, der den ganzen Akkord als Gesamtheit in einer Dissonanz erscheinen lässt. Doch das macht es nur noch attraktiver. Mit Pauken und Trompeten in einem deutlichen Fortissimo endet bestürzt diese Szene mit einem Beigeschmack von Selbstironie.
Nein, ich vermag es trotzdem nicht ganz zu treffen, aber es gefällt mir sehr. :daumenhoch:

Freiheit

I3I_4CKNINJ4 - 35
Experte (offline)

Dabei seit 06.2005
1618 Beiträge

Geschrieben am: 13.09.2009 um 23:07 Uhr

Eine Frage nach der Form: Passt die Überschrift besser vor oder nach den ersten Absatz? Diese kleine Info fehlt mir für das Verständnis dieses Textes, doch, obwohl es eigentlich offensichtlich ist, will ichs wissen.

Ich habe Angst vor dem Tod, doch wenn ich sterbe, dann freue ich mich darauf

Morrigane
Profi (offline)

Dabei seit 07.2006
955 Beiträge

Geschrieben am: 14.09.2009 um 09:47 Uhr

Zitat von I3I_4CKNINJ4:

Eine Frage nach der Form: Passt die Überschrift besser vor oder nach den ersten Absatz? Diese kleine Info fehlt mir für das Verständnis dieses Textes, doch, obwohl es eigentlich offensichtlich ist, will ichs wissen.


Die Überschrift passt eigentlich nirgendwo so richtig hin, was daran liegt, dass dieser Text im Original eigentlich keine Überschrift hat und auch keiner bedarf. Da dies aber von TU so gefordert wird, habe ich mich der Forderung natürlich angepasst. In Wirklichkeit müsste die eigentliche Überschrift "Laylia" sein, da es eine Szene aus einer Sammlung namens "Laylia" ist. Bei mir ist es so, dass ich Gedichte oder Texte oft zu Sammlungen ordne, wenn sie ein ähnliches Gefühl vermitteln oder eine Geschichte erzählen. Selbst dann, wenn die Geschichte dahinter fragmentarisch ist.

Lecker Senf für alle!

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