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Forum / Poesie und Lyrik
Die halbe Gardine

Aguirre - 34
Fortgeschrittener
(offline)
Dabei seit 01.2009
44
Beiträge
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Geschrieben am: 04.09.2009 um 00:40 Uhr
Zuletzt editiert am: 04.09.2009 um 01:12 Uhr
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"Verdammt!" dachte ich mir, als ich an diesem Morgen die Augen öffnete. Eine schmerzhafte, schwere Helligkeit drückte sich durch das Fenster, nicht die Art Helligkeit die man mag, weil sie einem das Leben erleichtert und das Herz erfreut, nein, es war ein bösartiges Licht, brachial und unbarmherzig. Mit Mühe drehte ich den Kopf in Richtung des Fensters und schloß die Augen wieder. Das Licht drang durch die Lider, und das gewohnte schwarze Nichts, das einen bei geschlossenen Augen umgibt, war plötzlich hell erstrahlt und schimmerte in allen Farben. Vergeblich wälzte ich mich im Bett umher, schlaftrunken und müde brachte ich meine ganze Kraft dazu auf, aber es half nichts. Mit leerem Blick starrte ich auf den Fußboden, da ich glaubte, er würde durch seine vielen Brauntöne das Licht am wenigsten reflektieren. Doch auch das freundliche Blumenmuster meißelte mir seine Umrisse in die Pupillen, so dass ich in Tränen ausbrach vor Elend.
Endlich setzte ich mich auf die Bettkante und betrachtete die Wand. Sie war weiß, durch das hasserfüllte Licht noch weißer als sonst, und terrorisierte meinen Körper mit der Abwesenheit jeglicher Farbe.
In einem Anfall von Kraft erhob ich mich schnell, schloß die Augen und rannte in Richtung des Fensters, um es irgendwie abzudecken. Leider erinnerte ich mich nicht mehr daran, dass mein Bett genau auf dieser Strecke platziert war, und so rammte ich in vollem Lauf mein Schienbein an die Kante aus schwerem Holz. Vom Schmerz gequält und aus dem Gleichgewicht gebracht, fiel ich der Länge nach auf die weiße Matratze, und schlug sehr hart mit dem Kinn auf der anderen Seite auf. Ich glaubte, den Geschmack von Blut in meinem Mund zu haben, und stöhnte und seufzte sehr lange, bis ich mich wieder aufrichten konnte. Da fiel mein Blick auf ein schwarzes Bettlaken, das ich auf einem Stuhl abgelegt hatte, um mein Bett damit zu beziehen. Ich nahm es und faltete es auseinander und lief unter furchtbaren Schmerzen und vom Licht geblendet auf das Fenster zu. Mein Plan war es, das Laken an der Gardinenstange zu befestigen, da ich weder Nägel noch Klammern im Haus hatte. Ich streckte mich also so weit ich konnte, warf das Laken über die Stange und erschrak sehr: Die Gardine, die mich eigentlich hätte schützen sollen, war nur noch zur Hälfte da!
Im nächsten Moment rutschte ich auf dem glitschigen Holzboden weg, meine Filzpantoffeln flogen durch die Luft, und ich fiel erneut auf den Boden, dieses Mal mit dem Hinterkopf zuerst. Benommen blickte ich zur Decke, als mir eine wunderbare Idee kam. So wie ich da lag, zog ich das Laken zuerst über mein Gesicht, wickelte schließlich meinen ganzen Kopf darin ein und dachte mir: "Ich habe nur noch eine halbe Gardine"
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sabsee_ftw - 31
Fortgeschrittener
(offline)
Dabei seit 01.2009
88
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Geschrieben am: 04.09.2009 um 00:46 Uhr
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wie geil xD
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Killer-16
Halbprofi
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Dabei seit 11.2007
187
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Geschrieben am: 04.09.2009 um 00:59 Uhr
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aber schon XD
F_I_A_L
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I3I_4CKNINJ4 - 35
Experte
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Dabei seit 06.2005
1618
Beiträge
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Geschrieben am: 04.09.2009 um 19:39 Uhr
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Das erinnert mich ein bisschen an Kafkas kleine Fabel. Nicht vom Stil, sondern von der Stimmung her, wird ebenso eine aussichtslose, fast schon nihilistische Situation beschrieben. Nur die Hauptfigur bleibt komischerweise optimistisch - anders wie beim lang verstorbenen Autor.
Ich habe Angst vor dem Tod, doch wenn ich sterbe, dann freue ich mich darauf
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