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Forum / Poesie und Lyrik
Arghhh - Geschichten eines Cholerikers

SkaChris - 37
Halbprofi
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Dabei seit 10.2008
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Geschrieben am: 12.08.2009 um 12:10 Uhr
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Regen. Wessen beschissene Erfindung war das eigentlich? Gottes? "Regentropfen sind die Tränen der Engel" erinnerte er sich an die Worte seiner Großmutter zurück. Pah...dachte er...Engel sind Heulsusen. Seit einer Woche schon regnete es. Die Wolken hingen als träge Masse über matschigen Wegen und nassem Gras. Wo war die Sonne? Ihre wärmenden Strahlen...ihre alles in Bewegungsdrang versetzende Energie...ihre Frauen-in-Bikinis anziehende Wirkung. Nein, er schweifte schon wieder ab. Seit Tagen saß er nach der Arbeit vor dem Rechner. Im Zimmer stapelten sich Zigarettenstummel, Kaffeetassen und Zettel mit Koordinaten. Er sollte diesem Chaos mal ein Ende bereiten. Doch wie immer saß er lethargisch auf seinem Stuhl. Er blickte sich um - zuckte mit den Schultern und zündete sich eine Zigarette an. Die zweite Schachtel heute, dachte er sich nachdem ihn ein Hustenanfall geschüttelt hatte. Aber verdammt, wenn er schon keine Freundin hatte durfte er doch wenigstens rauchen oder? Irgendeine Freude musste er ja im Leben haben...
Oder stehen Frauen auf Raucher? Mhh...er schüttelte den Kopf...nein wohl eher nicht. Zumindest kannte er keine. Als er gerade über Frauen-in-seiner-Umgebung nachdachte meldete ein unheilverkündendes AHHH-OHHH eine Nachricht im ICQ. Erschrocken warf er seine Kaffeetasse um, die ihren Inhalt natürlich promt auf seine Tastatur entlud. Alles verfluchend warf er die Kaffeetasse an die Wand und drückte seine Zigarette im provisorischen Aschenbecher aus (an dieser Stelle muss wohl gesagt werden dass es sich um einen Blumentopf handelte...aber keine Sorge, der Inhalt darin war schon lange tot). Grummelnd leerte er den Rest Cappuchino, der noch in der Tastatur hing, ins Waschbecken und legte die Tastatur zum Trocknen auf die Heizung. Er stapfte zum PC zurück, schloss schimpfend das ICQ, verfluchte seinen Kumpel und dachte sich was es denn soll ihn am frühmorgendlichen Spätnachmittag anzuschreiben. Er fuhr den PC herunter und ließ sich genervt auf sein Bett fallen. Verdammt, dachte er sich, das ist wieder einer von diesen Tagen. Seufzend stand er auf, trat auf den Balkon und zündete sich eine Zigarette an. Gerade rechtzeitig als es zu Regnen begann...
Sich den Finger in die Nase stecken heisst noch lange nicht, in sich zu gehen.
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-billyboy- - 33
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Geschrieben am: 12.08.2009 um 12:14 Uhr
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Eine Frage: Darf ich den Satz "Engel sind Heulsuse" benutzen? Der gefällt mir wirklich. Auch ansonsten ganz gut, für meinen Geschmack aber nicht speziell genug, weshalb es eben nur "ganz gut", und nicht "sehr gut" ist.
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MatzeK - 37
Halbprofi
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Geschrieben am: 12.08.2009 um 12:17 Uhr
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Ist ganz nett geschrieben. Ein paar Formulierungen haben mir echt gefallen, wie zB der "frühmorgendliche Spätnachmittag" und auch das mit den Heulsusen-Engeln.
Aber was du da beschreibst ist nicht wirklich ein Choleriker...
"Sag mal, bist du nervös?" - "Nee, Schlagzeuger"
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Punkerkind
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Geschrieben am: 12.08.2009 um 12:26 Uhr
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ich finds eigentlich ganz gut geschrieben, es bräuchte nur ne andere überschrift... ich denk, man kann es auch gut nachvollziehen, da man ja selbst oft in so einer zumindest ähnlichen situation steckt^^
ich würde mich freuen, wenn die geschichte noch weiter geht :)
Mein Widerstand heißt Lebendigkeit!
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Platzregen - 32
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Dabei seit 06.2009
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Geschrieben am: 12.08.2009 um 12:32 Uhr
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Echt gut geschrieben, Gefällt mir! 
Und wie gehts weiter?
Hey Hey los gehts Kenkasu ♫
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Barbarossa80 - 45
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Dabei seit 03.2009
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Geschrieben am: 12.08.2009 um 12:33 Uhr
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Kompliment, ich glaube du weißt, wovon du schreibst. Die Überschrift passt sehr gut.
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SkaChris - 37
Halbprofi
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Geschrieben am: 12.08.2009 um 12:36 Uhr
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Zitat von -billyboy-: Eine Frage: Darf ich den Satz "Engel sind Heulsusen" benutzen? Der gefällt mir wirklich. Auch ansonsten ganz gut, für meinen Geschmack aber nicht speziell genug, weshalb es eben nur "ganz gut", und nicht "sehr gut" ist.
Selbstverständlich. ;)
Nun ja, mal sehn was sich am titel noch machen lässt. Rein theoretisch ist aber auch nicht jeder Choleriker permanent cholerisch und wutentbrannt, genausowenig wie ein Melancholiker nicht die ganze zeit tieftraurig vor sich hinvegitiert. Aber ich werd mal drüber meditieren ;)
Ansonsten lasse ich natürlich gerne eine Fortsetzung folgen :)
Sich den Finger in die Nase stecken heisst noch lange nicht, in sich zu gehen.
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SkaChris - 37
Halbprofi
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Dabei seit 10.2008
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Geschrieben am: 12.08.2009 um 12:57 Uhr
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Soooo, erst einmal danke für das Lob und die vielen Kommentare. Hier folgt auch schon Teil 2. Viel Spaß. Kommentare jeder Art, sind natürlich erwünscht, ersehnt und ungemein motivierend ;)
Heute war ein guter Tag. Sonne. Wie lange hatte er gewartet. Plötzlich schien jeder erleichtert zu sein - von einer unsichtbaren Last befreit. Die Gesichter waren entspannt, erleichtert, man möchte fast sagen glücklich. Jaa, glücklich war das richtige Wort. Der Mensch kann einfach nicht ohne Sonne dachte er bei sich, während er gerade sein Auto saugte. Auto putzen war quasi seine Meditationstherapie. Da konnte man mal so richtig über alles Nachdenken. Die Gedanken schweifen lassen, frei - schwerelos, nur vom rhythmischen Brummen des Staubsaugers begleitet. Es war perfekt. Fast schon Idylle. Der Moment absoluten Friedens, der nur ab und zu von einem eingesaugten Kaugummipapier unterbrochen wurde. Fump - Friede - Fuuuump - Glück - Fuuuump - Freiheit. Unglaublich entspannend. Und das schönste am Autoputzen - meist ohne böse Überraschungen. Sofern man angeschimmelten Schokoriegel, eingetretenen Kaugummi oder ein Stück vergammelter Salami nicht als schlimme Überraschung sieht. Seltsam, dass in diesem Auto alles schimmelt dachte er sich stirnrunzelnd. Scheinen andere biologische Gesetzte zu gelten. Quasi mobiler Komposthaufen. Hehe, dachte er sich grinsend. Hab ich also doch n Öko Auto.
Erheitert parkte er also seinen Biotop-Opel in die Garage. Naja, Garage war übertrieben. Ein überdachter Behelfsunterstand ums mal blumig auszudrücken. Der Fachmann würde wohl sagen Low Budget Carport. Wenigstens schützte es halbwegs vor Regen.
Aber den Feind konnte es sowieso nicht aufhalten. Bei dem Gedanken daran, verzog sich sein Gesicht zu einer Grimasse. Wie er sie hasste. Diese kleinen mistigen Plagen die die Welt nicht braucht. Wieder so ne überflüssige Gotteserfindung. Marder! Allein schon der Name. Klingt doch schon nach Mistvieh (Um die Wut zu erklären: Marder hatten Tage zuvor seine Bremsleitung angefressen, was ihn in einen prekären Auffahrunfall mit seinem Vorgesetzten verwickelt hatte). Was für ein Schöpfer erfindet so etwas? Gott ist...Gott ist...Gott...er…er hat einfach kein Auto verdammt. Aber er hätte es wissen müssen, er hätte es wissen müssen als er die Welt erschuf. Grummelnd packte er seinen Staubsauger ein. Was solls. Konnte man was machen? Nein. Sein genialer Plan die Viecher mit einem ausgetüftelten System aus Hochspannungsdrähten zu brutzeln war durch seine Nachbarin vereitelt worden. Genauso wie sein Zyankali-Rattengift-Gemisch. Die alte Schrulle. Mit erhobenem Finger hatte sie ihn getadelt: „Hier spielen doch Kinder!“ Als er ihr dann mit einem Grinsen im Gesicht erklärt hatte, dass er das wisse, war sie mit einem Aufschrei in ihre Wohnung gelaufen, aber nicht ohne ihren Sohn Torben-Hendrik mit sich zu zerren und die Wohnungstür zu verrammeln. Seltsame Familie. Hatten wohl was gegen ihn. Ob es wohl daran lag dass er den Jungen im letzten Winter fast überfahren hatte? Gut, war schon ein bisschen radikal von ihm gewesen. Aber wer ab halb sieben morgens schreien kann wird ja wohl auch einem Auto ausweichen können oder? Verdammter Rotzbengel.
Erheitert von den Erinnerungen, packte er seine Putzutensilien ein und machte sich auf den Weg zum Kühlschrank. Erst mal gemütlich ein Bierchen in der Hitze. Erst jetzt bemerkte er dass er total verschwitzt war. Das T-shirt klebte am Bauch. Die Hose klebte am…naja…tiefer eben. Wie frisch gebadet. Nur dass er nicht so roch. Mhhhh. Lecker dachte er sich. Ich bin ein koffeinsüchtiger, biertrinkender Kettenraucher. Und zu allem Übel stink und schwitz ich wie ein Schwein…
„Alles Mist - das Leben stink - Gott hasst mich“, maulte er vor sich hin.
Mit diesen Worten schlurfte er schimpfend die Treppen nach oben. Oben angekommen, noch immer triefnass, steckte er sich erst mal eine Zigarette an und stellte sich auf den Balkon. Da stand er nun. Der Kopf schmerzte. Die Vögel sangen im Stakkato ihre Suizidmelodie. Der Nachbar von nebenan hatte seinen Holzkohlegrill ausgepackt und schickte schwarze Rauchwolken in die Sommerluft. Und die Sonne brannte noch immer unbarmherzig vom Himmel. Stach in den Augen. Brannte auf der Haut und ließ den Schweiss noch mehr aus seinem Körper triefen. Verdammt dachte er sich und schnippte seine Zigarette in den Vorgarten. Wann regnets endlich wieder?
Sich den Finger in die Nase stecken heisst noch lange nicht, in sich zu gehen.
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LYON13 - 33
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Geschrieben am: 12.08.2009 um 13:02 Uhr
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Mir gefällt die art wie du schreibst =) auch wenn die überschrift noch nciht passend ist...
weiter so
ändert extra für dönerman seine fusszeile :/
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BonQuiQui - 37
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Geschrieben am: 12.08.2009 um 13:52 Uhr
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die texte sind supercool, mir gefällts. vor allem weil der eine den anderen so wunderbar ergänzt. einer alleine ist irgendwie unvollendet, aber so im doppelpack - genial!
ich liebe es <3 (xD, eine Eistüte haha)
jaaajaaa
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M_-Styler-_M
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Geschrieben am: 12.08.2009 um 14:49 Uhr
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serh gut gelungen nur die überschrift dann wärs perfekt
Ne mutlu Türküm diyene
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SkaChris - 37
Halbprofi
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Geschrieben am: 13.08.2009 um 15:30 Uhr
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So, hier der nächste Teil. Und damit verabschiede ich mich in den Urlaub. Arrivederci und noch nen schönen Sommer. Kritik ist wie immer erwünscht. 
Seit Jahrtausenden ein ungelöstes Rätsel. Ursprung des Lebens. Gefäß der Sinnlichkeit und Lust. Betörend der Geruch, Geschmack und das Gefühl das sie verursachen. Frauen. Allein der Name verspricht mehr. Erotik. Sie sind alles und sie sind nichts. Hast du eine - willst du noch eine, und noch eine und noch eine... Man(n) nennt sie nicht umsonst die härteste Droge der Welt. Und keiner warnt einen. Man sollte ihnen Aufkleber verpassen "Frauen gefährden ihre Gesundheit, fangen sie gar nicht erst mit ihnen an!" oder „Vorsicht! Bewusstseinsverändernde Wirkung. Kann zu andauerndem Realitätsverlust führen!“ Tja, aber wären Frauen so einfach wie Zigaretten rauchen, wär er sowieso der größte Giggolo weit und breit gewesen. Und so waren und sind Frauen immer der Quell unendlicher Frustration für ihn gewesen. Der Suizidgrund Nummer 1.
Mit diesen Gedanken schlurfte er gerade in Richtung Eingang des Freibads. der Tempel der Verführung. Quasi Pforte zum Himmel. Er hatte bezahlt und ging durch das quietschende Drehkreuz.
Und da lagen sie - braungebrannt zu seinen Füßen. Die Bestien. Der Teufel höchstpersönlich musste den Bikini erfunden haben. Verdammt. Überall warn sie. Kleine, Große, Kleine mit Großen, Große mit Kleinen, Kleine mit Kleinen...und so ging es immer weiter. Artenvielfalt. Tausende Variationen. Im Prinzip - für jeden was dabei.
Als er zu wiederholtem Male von hinten angestossen wurde, drehte er sich genervt um und blickte in die verärgerten Gesichter der anderen Badegäste. War er mal wieder einfach stehen geblieben. Aber gaffen und laufen ging einfach nicht simultan. Das musst er schon zugeben. Multitasking technisch war er schon bissl zurückgeblieben. Also machte er grummelnd Platz und ließ das "Fußvolk" durch, die sich sofort panisch auf die Suche nach freien Liegestühlen machten. Typisch deutsch eben.
Langsam trottete er durchs Paradies, grüßte hin und wieder einen Bekannten und bahnte sich langsam seinen Weg durch den Handtuch-Fleckenteppich der nahezu das gesamte Gras bedeckte.
Grummelnd stapfte er immer weiter. Kein Platz weit und breit. Er kam immer weiter in Richtung Klein-Istanbul des Freibads. Die Haarfarbe wurde zusehends dunkler. Die Haut ebenso. Quasi Kulturwechsel innerhalb von 10 Metern. Auf einem kleinen Streifen zwischen den Kulturen spielten ein paar deutsche Kinder Fußball. Dieser Streifen musste in der Regel immer handtuchfrei bleiben. Neutrale Zone. Man nannte ihn liebevoll auch den kleinen Ghaza-Streifen. Nur halt ohne Waffen. Aber Stimmung genauso schlecht an den Rändern.
War ein seltsames Gefühl durch das Neutralfeld und anschließend durch Feindgebiet zu laufen. Man stelle sich vor. Eine Weisswurst zwischen lauter Döner. Fällt schon leicht auf. Weisses Schaf unter Schwarzen. Man konnte die Klappmesser schon klicken hören. Zehn, fünzig...hundert. Hunderte Blicke waren auf ihn gerichtet als er sich mit seinen H&M-Flip-Flops (war übrigens ein Geschenk gewesen und das einzige offene Paar Schuhe das er besaß) und seiner dunklen Sonnenbrille um die Handtücher schlängelte. Auf einmal - totale Stille. Keine Unterhaltung. Kein lauter Atemzug war mehr zu hören. Man konnte die Flip Flops floppen hören. Das Gras das raschelnd unter den Füßen nachgab. Flop, Flop, Flop. Floooop? Jetzt ein Fehler und er war tot. Das wusste er. Es waren noch 5 Meter gewesen, als er mit den verdammten Flip-Flops (er verfluchte seine Schwester heute noch für das Geschenk) über einen Grashügel stolperte und sich, man muss es ganz banal sagen, knallhart auf die Fresse legte. Jetzt war das Eis natürlich gebrochen. Man stelle sich vor: hundersechsunfünzig Türken und Türkinnen, denn so viele waren an diesem Tag Zeuge, kreischten aus vollem Halse, mit Tränen in den Augen als es den deutschen Vollidioten mit der Schwarzen Pornobrille in ihrem Revier bäuchlings in den Matsch gehaut hatte. Nun war natürlich dumme Situation. Er ganz klar stinksauer. Mehr auf sich selbst als auf die Bosporus-Gebürtigen. Trotzdem, jetzt musste man sich gelassen aus der Affäre ziehen. So stand er also mit seinem charmantesten Lächeln auf und versuchte sich den rotbraunen Schlamm aus dem Gesicht zu wischen. Die Sonnenbrille war im Matschloch verschwunden. Aber dieses Opfer war er bereit einzugehen und so machte er sich so entspannt und gelassen wie möglich in Richtung Schwimmbecken auf. Sah bestimmt gut aus dachte er sich, hinten Weiss und vorne rot vom Schlamm. Quasi Weisswurst mit Ketchup. Von außen jetzt natürlich absolut cool und gelassen. Aber innerlich natürlich am brodeln. Kopf war nämlich nicht nur vom Schlamm so rot. Auf 280 war er mindestens. So stinksauer war er schon lang nicht mehr gewesen. Die Fäuste geballt stellte er sich erst mal unter die Dusche und wusch die ganze Soße ins Vorbecken.
Verdammt. Irgendwer musste jetzt dafür leiden. Kind ertränken? Nein, zu viele Beobachter. Türken erwürgen? Neiin nicht nach der Aktion. Nein, irgendetwas teuflisch böses musste er jetzt tun. Aber was?
Er setzte sich an den Beckenrand und starrte gedankenverloren aufs Wasser. In seinem Inneren arbeitete es. Rachepläne wurden geschmiedet. Einer teuflischer als der Andere. Er saß dort knapp zehn Minuten. Die Beine ins Wasser gestreckt. Die Sonne prallte gnadenlos auf seinen Hinterkopf. Und plötzlich, von einem gleißenden Licht geblendet, sah er sie. Das wohl schönste Geschöpf das er jemals auf Erden wandeln sah. Die Farben schienen plötzlich viel satter und kräftiger. Die Welt um ihn herum verschwamm, alle anderen waren nur noch dunkle Schemen. Man kennt es aus diesen billigen Hollywood Produktion. Die Welt in Slow-Motion. Ihre bestimmt zwei Meter langen Beine bewegen sich grazil. Ihre perfekten Brüste hüpfen synchron zum Laufrhythmus. Ein kleiner dicker Junge rennt im Hintergrund. Auch seine Brüste hüpfen. Das Fett tanzt regelrecht um seinen untersetzten Körper. Doch selbst dieser Akt der visuellen Vergewaltigung kann ihre Anmut nicht trüben.
Jaaaa, dort lief sie. Die einzige. Die Ultimative. Die Traumfrau. Langsam beobachtete er sie, wie sie am Beckenrand entlangschwebte und seitlich am ihm vorüberzog. Doch im Vorbeilaufen sah er es. Ein kleines flüchtiges Lächeln in seine Richtung. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht dass ihm genau diese Millisekunde, dieser unendlich kurze Moment, noch zahlreiche schlaflose Nächte bereiten sollte. Doch eines wusste er sicher, dass er jetzt aufstehen und ihr folgen sollte. Aber etwas ließ ihn weiter stoisch am Beckenrand sitzen. Auch wenn die innere Stimme rief: „Feigling, schnapp sie dir. Jetzt oder nie!“ Er konnte es nicht. Wollte jetzt lieber wieder in seinem anatolischen Matschloch versinken als hinter ihr her, um vielleicht seine Traumfrau zu erobern. Hatte er sich das Lächeln nur eingebildet? Er wusste es nicht. Er wusste gar nichts mehr. Alles war sinnlos. Ach verdammt grummelte er. Ging zu seinem Platz (den er übrigens doch noch auf deutschem Hoheitsgebiet gefunden hatte) steckte sich eine Zigarette an und stapfte mürrisch aus dem Freibad. Beim Hinauslaufen hatte er nur noch einen Gedanken: Scheiss Frauen!
Sich den Finger in die Nase stecken heisst noch lange nicht, in sich zu gehen.
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