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Forum / Poesie und Lyrik
Flugstunden - Teil 3

S-Stardust - 36
Profi
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451
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Geschrieben am: 22.06.2009 um 00:39 Uhr
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![[verlinkte Grafik wurde nicht gefunden]](http://fc06.deviantart.com/fs7/i/2005/224/e/2/Balloons_by_celsojunior.jpg)
Gidigan öffnete ihre Augen, die Sonne hatte sie geweckt.
Draußen vor ihrem Schlafzimmerfenster neigten sich die Kirschbäume sanft mit dem Wind. Es sah aus als ob es schneien würde, als ein kräftiger Windstoß einige Blüten vom Baum wehte.
Sie liebte Schnee.
Gidigan erhob sich aus ihrem Bett, zog sich an und schleifte halb verträumt aber dennoch glücklich nach draußen.
Schnee, und im besonderen Kirschblütenschnee, war herrlich, er gab ihr den Schein, dass alles unter einer sanften Decke verschwand und zur Ruhe kam. Sie liebte die Ruhe. Einen Moment zur Rückbesinnung auf das Wesentliche, auf sich selbst.
Das Prinzesschen spazierte nun zwischen ihren Rosenfeldern, ein Luxus den sich kaum noch einer gönnte.
Wohlriechende Rosen.
Sie schloss für einige Augenblicke ihre Augen und genoss den Geruch. Sie liebte ihn.
Gidigan ging ein Stück.
Was würde sie heute Mittag essen? Kartoffeln und Mais? „Ja“, dachte sie sich, „das würde mir sicherlich schmecken“.
Sie holte sich einen frischen Maiskolben vom Feld und grub eine handvoll Kartoffeln aus. Gidigan ging an der Apfelbaumplantage vorbei zu ihrem kleinen Bach, nahm sich einen Topf aus dem kleinen Verschlag in der sie ihre Wassergefäße aufbewahrte und füllte ihn mit Wasser aus dem klaren Bach.
Ihr Leben war so einfach und unbeschwert.
Mit den Kartoffeln, dem Maiskolben und dem Topf voll Wasser ging sie zu ihrem Haus zurück. Sie musste nun Feuer machen an der kleinen Feuerstelle auf der Rückseite ihres Hauses.
Feuer, der Beginn der Zivilisation, die erste Waffe, die dem Menschen das Leben so ermöglichte, wie sie es heute nichtmehr wollten. Fortschritt wollte eine Zeit lang jeder, doch der Fortschritt der einen, war der Untergang der anderen. Erst als das der letzte eingesehen hatte, änderte sich etwas. Es dauerte viele Jahre, aber es geschah.
Als das Feuer in ihrem Garten endlich zu einer größe herangewachsen war, die zum Kochen reichte, machte sie sich daran, den Topf auf die Gitterkonstruktion zu hiefen, die über der Feuerstelle gebaut war.
Nun musste das Prinzesschen das Essen zubereiten.
„Salz“, dachte sie sich, „zum Glück hat mein Samurai mir etwas dagelassen“. Sie verharrte einen Moment.
„Hoffentlich kommt er bald wieder“, sagte sie leise. Er hatte es ihr versprochen.
Salz hatte wegen seiner Seltenheit einen großen Tauschwert für diejenigen, die nicht in der Nähe eines Gemeinschaftsbergwerkes oder am Meer wohnten.
Sie gab eine sparsame Brise in das noch nicht kochende Wasser.
Salz im Kochtopf, ein bisschen Liebe in ihr, es gibt immer etwas, dass einen ergänzt.
Ihr hatten die Tage bevor er zu einer weiteren Reise aufgebrochen ist so sehr gefallen, und er wollte wiederkommen, hatte er ihr versichert.
Auch ihm gefiel die Nähe zum Prinzesschen.
Gidigan machte sich daran, die Kartoffeln erst zu schälen und dann in kleine Würfel zu schneiden.
Kochen war eine der Sachen, die sie unsagbar gerne tat. Ihr Samurai liebte es ebenso sehr, wie sie.
Er kam jedoch auf seinen Reisen nur sehr selten dazu richtig zu kochen, umso mehr genoss er es mit ihr zusammen zu kochen.
Mit den klein geschnittenen Kartoffeln in einer Schüssel ging sie zum Feuer und gab sie zusammen mit dem Maiskolben ins Wasser. Sie legte 2 Holzscheite nach, damit das Feuer stark genug blieb.
Nun musste sie noch ein paar Kräuter aus ihrem kleinen Gewächshaus holen, es muss ja nicht gerade fad schmecken.
Sie kam mit ein wenig Petersilie, Lauch und Basilikum zurück, die sie frisch geschnitten hatte. Drei kleine Pfefferkörner aus ihrer Trockengewürzschachtel hatte sie auch dabei.
Gidigan gab alle Zutaten in ihren Mörser und fing an ihre Würze zu zerstoßen.
Die Arbeit mit dem Mörser forderte sie, nicht jeden Tag musste sie ihre Muskelkraft so unter Beweis stellen.
Sie verweilte einen Moment.
Hoffentlich geht es ihm gut.
Natürlich geht es ihm gut!
Das Prinzesschen mörserte weiter.
Als sie fertig war, gab sie die Maische ähnliche Masse in den Topf und rührte kurz um.
Sie hatte noch ein wenig Zeit, bis das Essen fertig war, die sie damit verbrachte, den Tisch herzurichten. Das Auge isst ja schließlich mit.
Wann würde er wiederkommen? Sie konnte es garnicht erwarten.
Dem Prinzesschen fehlte ganz offenbar ein wichtiger Teil von ihr.
Gidigan ging zum Feuer, holte mit einem langen Schöpflöffel ein paar Kartoffelstückchen aus dem Topf und probierte sie.
Es war soweit, die Kartoffeln sind durch.
Sie nahm den Topf vom Feuer und stellte ihn unweit von ihrem Teller auf den Tisch. Gerade als sie sich schöpfen wollte sah sie es. Sie konnte ihren Augen kaum trauen, dass war doch unmöglich. War das...? Ihr Herz begann zu flattern.
Er war es.
Sie vergaß das Essen völlig und rannte auf ihn zu.
„Er sieht soooo gut aus“, dachte sie, während sie sich in seinen Armen vergrub.
Er grinste sie an, küsste sie auf die Stirn und fragte: „Na, wie geht’s dir?“
„Als könnte ich fliegen“, sagte sie und schwebte innerlich davon.
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I3I_4CKNINJ4 - 35
Experte
(offline)
Dabei seit 06.2005
1618
Beiträge
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Geschrieben am: 23.06.2009 um 13:58 Uhr
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Minimalismus war schon immer der Untergang von Kulturen. Schade, dass heute Jedermann die Schreibfeder in die Hand gedrückt wird. Gleichzeitig kann man aber auch darüber trauern, dass nur so wenige ihre Worte festhalten, oder sich bemühen, es überhaupt zu versuchen.
Ich sehe, dass du vom Leser erwartest, dass er auch zwischen den Zeilen lesen soll, und die nun eingetretene utopische Gesellschaftsstruktur erkennen soll.
Dennoch gefällt mir dieser bezeichnende, kategorische Minimalstil nicht. Ein Wortschatz sollte etwas sein, dass man nicht Händen und Füßen vor dem Leser bewahren will.
Dennoch solltest du auf jeden Fall versuchen, deine bisher kurz gehaltene Geschichte weiterzuführen.
Ich habe Angst vor dem Tod, doch wenn ich sterbe, dann freue ich mich darauf
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