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Forum / Poesie und Lyrik
Wegen einer Flasche Wein

Iluron - 37
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 01:13 Uhr
Zuletzt editiert am: 18.01.2009 um 02:02 Uhr
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Ich trage diesen orangen Overall, weil ich noch eine Flasche Wein kaufen wollte.
Es war vor nun genau fünf Jahren, als ich mit meiner Frau Sherril unseren neunten Hochzeitstag feiern wollte. Ich beendete meine Arbeit schon gegen Mittag, und stand den gesamten Nachmittag in der Küche, um uns ein leckeres Essen zu kochen. Alles war perfekt. Das Fleisch zart, der Salat knackig und frisch.
Ich deckte den Tisch zündete zwei Kerzen an, die ich in silbernen Haltern auf den Tisch stellte.
Gedämmtes Licht und unser Lied, dass wir gehört haben, als wir uns das erste mal geküsst haben, versprach einen romantischen Abend. Doch etwas fehlte. Ich hatte am Vortag vergessen beim Einkaufen eine Flasche Wein zu kaufen.
Ich schaute auf die Uhr.
„Gut sie kommt frühestens in 15 Minuten und der Feinkostladen ist gleich um die Ecke!“
ich spurtete los. Mr. Harrison hatte bestimmt eine gute Flasche parat, um doch noch alles perfekt werden zu lassen. Schließlich hatte er mir schon mehr als einmal aus der Patsche geholfen.
Da war der Laden. Schon seit jeher gab die schweze Holztür ein leises, quietschendes Geräusch von sich, wenn man sie öffnete, das kurz darauf von einer hellen Glocke übertönt wurde, die dem Ladenbesitzer anzeigte, dass ein Besucher eingetreten war.
Der wohlbekannte Geruch von Kork, alten Kisten und dezenten Gewürzen stieg mir unmittelbar in die Nase und ließ mein kochkunstliebendes Herz höher schlagen.
„Mr. Harrison! Mr. Harrison sind sie da?“
Ich sah mich etwas in dem Laden um. Vielleicht war er nur kurz ins Lager gegangen.
Nach wenigen Minuten hatte ich die Flasche, die ich gesucht habe.
Ein Chateau Cantemerle von 1996.
Ich griff mir die Flasche aus dem Regal, drehte sie etwas in der Hand und ging mit zufriedenem Gesicht zur Kasse.
„Falls er nicht gleich kommt, hinterlasse ich ihm eben das Geld und eine Notiz auf dem Tresen. Ich denke das wird er schon akzeptieren. Ich bin ja schließlich Stammkunde und wohne gleich in der Nachbarschaft.“ dachte ich zufrieden bei mir.
Als ich Am Tresen ankam fixierte mein Blick gerade das kleine Weingut, das auf der Flasche abgebildet war, als mein linke Hand mein Portmonee hervor kramte. Als ich schießlich das schwarze kleine Ledermäppchen in Händen hielt sah ich mich erneut nach dem älteren Herren um.
Ich rief noch einige male vergeblich und beschloss nun meinem Plan Folge zu leiste und ihm Geld und Nachricht neben der Kasse zu hinterlassen.
Auf der Suche nach einem Stift durchforstete ich meine Taschen, doch fand ich nichts.
„Bestimmt hat er einen Stift in einer Schublade.“ kam es mir plötzlich.
Ich ging also um den Tresen herum und
blickte auf einen blutüberströmten Mr. Harrison.
Sein Leib war halb gegen ein leeres Weinregal gelehnt und aus einer nicht sichtbaren Wunde hatte sich eine riesige Blutlache über den Holzboden ergossen.
Seine aufgerissenen Augen, wurde durch die Gläser seiner zersprungenen Brille verzerrt und wirkten wie die Punktaugen einer Fliege in ihrer Vielfachheit.
„Mr. ... Mr. Harrison?“ flüsterte ich schockiert. Noch nie zuvor hatte ich einen toten Menschen gesehen.
Obwohl Blut und Augen ein eindeutiges Zeichen für das Ableben des alten Mannes sein mussten, beugte ich mich herunter um zu prüfen, ob man noch einen Puls fühlen konnte.
Sicher kann man mir heute vorwerfen, dass ich dumm gehandelt habe, doch war ich in meiner Fassungslosigkeit der endlosen Arztserien bewusst geworden, die ich meiner Frau zu Liebe mit ihr sehen musste.
Doch bereits mein zweiter Gedanke war es, die Polizei zu rufen.
Ich richtete mich auf, griff in die Tasche meiner Jacketts, um nach meinem Handy zu suchen.
Ein lauter Knall, ließ mich zusammen zucken.
Hinter mir hatte jemand oder etwas die alte Holztür zerlegt.
„NYPD, keine Bewegung! Hände langsam nach oben, wo ich sie sehen kann!“
Starr vor Schreck, tat ich wie mir geheißen, denn war ich mich der Wirkung der Szenerie durchaus bewusst,
„Als die Hände sich hinter meinem Kopf verschrenkten, spürte ich so gleich das Gefühl kalten Stahls auf meinen Handgelenken.
Nun da ich keine Gefahr mehr darstellen konnte und ich somit keine Bedrohung mehr sein konnte, wagte ich zu reden.
Ich wurde wuchtig umgedreht und blickte in die Augen eines jungen Polizisten, der abwechselnd mich und da Opfer betrachtete. Ein zweiter stand etwas hinter ihm und sicherte den Tatort mit einer Waffe in der Hand.
„Hören sie Officers, das ist ein Missverständnis. Ich bin gerade in den Laden gekommen, um eine Falsche Wein zu kaufen, und da hab ich ihn dort liegen sehen. Ich wollte gerade selbst die Polizei rufen.“
Mir wurden meine Rechte vorgelesen und ich wurde in eine Zelle gesperrt.
Während der Verhandlung präsentierte der Staatsanwalt Beweise, die zeigen sollte dass ich der Täter sein.
Es wurden Spuren von mir an den Schubladengriffen gefunden, die wohl dort hingekommen waren , als ich mich zu der Leiche hinunter gebeugt hatte.
Die Weinflasche und den Abend meiner Frau tat er als billigen Versuch ab, ein Alibi zu erschleichen und schließlich habe man mich noch am Tatort erwischt.
Er führte jedes noch so kleine Detail auf, dass mit viel Phantasie darauf benutzt werden könnte, mich als Täter dastehen zu lassen.
Was hatte ich dem entgegenzustellen? Nur die Wahrheit, und die zählte auch an meiner Verhandlung noch nicht viel, wenn man zwölf weißen Vorstädtern gegenüber saß, die über die Schuld eines Afroamerikaners entscheiden sollten.
Ich wurde zum Tod durch Injektion verurteilt.
Das alles war nun fünf Jahre her. Meine Frau hatte vor einem halben Jahr die Scheidung beantragt. Sie hatte mit der Ungewissheit nicht mehr Leben können.
Wieder spüre ich das Gefühl des kalten Stahls auf meiner Haut.
Zwei Wachen, der Gefängnisvorsteher und ein Priester begleiteten mich auf dem Weg durch meine letzte Meile.
Als wir den klinisch sterilen Raum betraten, stieg mir ein korkig-würziger Geruch in die Nase.
„Jonas Parker, sie wurden vom Staate New Hampshire zum Tod durch Injektion verurteilt. Haben sie letzte Worte, die sie sagen möchten, bevor das Urteil vollstreckt wird?“
„Warum, hab ich nicht an den Chateau Pouget im Keller gedacht?“
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MatzeK - 37
Halbprofi
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 01:22 Uhr
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Sehr schön geschrieben.
Aber leider viel zu wahr.
"Sag mal, bist du nervös?" - "Nee, Schlagzeuger"
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_Matzee - 33
Halbprofi
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 01:28 Uhr
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woow...........
ich finds voll schön und
sehr gut gelungen, aber der Wahrheit zu nah...!!!
RESPEKT !!!!
Das ist alles blah blah blah ist das doch; alles blah blah blah ist das !!!
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Iluron - 37
Champion
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 01:29 Uhr
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Zitat von _Matzee: woow........... 
ich finds voll schön und
sehr gut gelungen, aber der Wahrheit zu nah...!!!
RESPEKT !!!! 
Danke, aber wie meinst du das "zu nah"? Das wurde mir nicht ganz klar :)
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Milchi47 - 34
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 01:56 Uhr
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"des is geil"
war grad mein 1. Kommentar als ich fertig war.
Super geschrieben
Das Höchste, was ein Mensch werden kann, ist ein Schalker...
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_-obi-8-_ - 32
Halbprofi
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 02:04 Uhr
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Zitat von Milchi47: "des is geil"
war grad mein 1. Kommentar als ich fertig war.
Super geschrieben
kann mich nur anschließen
wer das liest ist doof :P
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matinator - 38
Halbprofi
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Dabei seit 02.2005
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 02:38 Uhr
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ich finds nicht geil, ich find die vorstellung krass heftig...
cheers
B L U B B
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Iluron - 37
Champion
(offline)
Dabei seit 06.2008
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 02:56 Uhr
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Zitat von matinator: ich finds nicht geil, ich find die vorstellung krass heftig...
cheers
Ich nehms einfach mal trotzdem als Kompliment, danke :)
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Spectator - 37
Experte
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 06:36 Uhr
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Hatt mir sehr gut gefallen bis auf einen Satz
" Nur die Wahrheit, und die zählte auch an meiner Verhandlung noch nicht viel, wenn man zwölf weißen Vorstädtern gegenüber saß, die über die Schuld eines Afroamerikaners entscheiden sollten."
Weil im Grunde ist das rassistisch auf umgekehrte weise. Klar kann das schon sein. Aber ob man wirklich in der Situation so denkt? Es kann ja genau so gut sein das sie ihn für schuldig befunden haben weil sie geglaubt haben das er Schuldig ist. In Amerika werden auch viele unschuldige weise zu tode verurteilt und da sitzen dann ja auch nicht 12 Afroamerikaner in der Jurie.
Das Rechssystem in Amerika ist allgemein ziemlich schlecht. Klar werden schwarze da benachteiligt. Und klar das es falsch ist. Aber 90% von dem was man darüber hört ist nur Propaganda gerede. In den Nachrichten kommt wie Amerikanische Polizisten einen unschuldigen Afroamerikaner zusammenschlagen. Die 7 unschuldigen weißen werden nicht erwähnt weils weniger gut ankommt Schliesslich will der Mensch sich ja wegen etwas aufregen und es beruhigt dann sein gewissen vorm Fernseher zu sagen das die Polizisten schweine sind.
Ansonsten wie gesagt sehr schön geschrieben und glaubwürdig dargestellt.
http://www.youtube.com /user/TheBlindSpectator
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Herr_Bernd - 39
Halbprofi
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Dabei seit 05.2006
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 10:44 Uhr
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Sehr gut, das ist ein Beitrag der es verdient hat in der Kategorie Poesis zu stehen.
Diese Bildhafte Sprache ist wirklich atemberaubend man fühlt sich in der Szenerie zu Hause.
Ich würde sagen da beherrscht einer die Kunst des Schreibens fast gänzlich. Warum nur fast?
Es ist nun ja, der Moment der grauenhaften Entdeckung ist der Wendepunkt der Geschichte, den würde ich versuchen noch ein wenig dramatischer aus zu gestalten. Ich würde versuchen, den Spannungsbogen im Vorfeln noch weiter zu spannen, ja fast zu überdehnen.
Und ich weiß nicht aber ich vermute dass es die Unklarheit ist die mich ein wenig stört. Ist es ein Roman oder aber ein Krimi. "NYPD" und der gleichen. Es sind für mich zwei Erzählungen, ein Tatsachenbericht und aber auf der anderen Seite eine herzzereissende Liebesgeschichte. Es müsste nur deutlicher sein.
Aber wie gesagt die Wortwahl und das Bildhafte schreiben haben mir seh zugesagt. Da ist ein wirkliches Potential. Weiter die Tatsache, dass dies ein Beitrag ist, der es verdient, in diese Kategorie eingeordnet zu sein.
Audiatur er altera Pars
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lalaaaa
Halbprofi
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Dabei seit 11.2007
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 10:49 Uhr
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Gefällt mir sehr gut!
mi amas vin. ♥
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7seals
Champion
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Dabei seit 08.2008
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 11:31 Uhr
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genial
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FaR_CrY
Champion
(offline)
Dabei seit 11.2008
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 11:32 Uhr
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Cooler Text^^
Vor allem der Schluss, warum er nicht an den Wein im Keller gedacht hat Und dann noch die Scheidung, und dabei wollt er seiner Frau nur nen schönen Abend machen xD
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GladiusDei - 45
Champion
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 11:36 Uhr
Zuletzt editiert am: 18.01.2009 um 11:37 Uhr
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Zitat von Spectator: ... Weil im Grunde ist das rassistisch auf umgekehrte weise. ...
Das seh ich zwar auch irgendwie so, aber ich finde, daß es eine sehr geile Geschichte ist!
Der Titel verrät zwar fast wie es ausgeht, aber der ich habe mir bis zum Schluß nicht denken können, warum sie ihm das jetzt anhängen.
Edit: Ebenso hab ich mich am Anfang gefragt: Wieso läßt er das jetzt in Amerika spielen...?
"THERE IS NO JUSTICE- THERE IS ONLY ME!"
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Spartan0410
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 11:38 Uhr
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Der letzte Satz regt doch zum nachdenken an, was eine leichtsinnige Gedankenlosigkeit anrichten könnte.
Was mir jedoch nicht ganz einleuchten will, ist dieser "Gerichtsprozess". Die Beweislast war etwas lasch, wenn man bedenkt dass man bei der Hauptperson keine Tatwaffe auffand, etc.
Aber natürlich beeinflusst das nicht den eigentlichen Text, der gut gelungen ist.
Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen.
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Dangel20 - 40
Halbprofi
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Geschrieben am: 18.01.2009 um 11:53 Uhr
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AAAAH wie böse wie böse .....
super geschrieben, wie immer.. die gefällt mir besonders gut !!!vorallem der letzte Satz !!
Der Mensch wurde nicht dazu gemacht, wahren Schmerz zu empfinden.
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