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Forum / Poesie und Lyrik
Kaltes Land

bredator - 41
Champion
(offline)
Dabei seit 03.2008
5319
Beiträge
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Geschrieben am: 12.12.2008 um 11:00 Uhr
Zuletzt editiert am: 14.12.2008 um 17:47 Uhr
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Die Landung lief überraschend gut. Besser als in den ganzen Simulationen, die sie bei sich zu Hause immer und immer wieder eingeübt hatten. Der Computer berechnete, dass dies wohl an anderen Atmosphärenverhältnissen liegen musste. Dennoch sollte diese Welt seiner eigenen in ihrer Beschaffenheit nahezu identisch sein. Dies hatten ihre besten Wissenschaftler schon vor vielen Jahren herausgefunden. Seltsam, aber man muss mit den Dingen klarkommen, wie sie sind und nicht wie sie sein sollten. Daher schob er seine Gedanken zur Landung rasch beiseite und konzentrierte sich auf den bevorstehenden Ausstieg und das Zusammentreffen mit den Vertretern seiner Bruderrasse. Wieder lies er den Computer Berechnungen um die weitere Beschaffenheit der Planetenoberfläche machen. Während dieser damit beschäftigt war, sprach er seine ersten Tagebucheinträge seit er aus dem Kälteschlaf wieder erwacht war. Er erwähnte nur kurz die unerwarteten Messwerte zur Atmosphäre, kam aber schnell zu dem Teil, in dem er seine Vorbereitungen zum Ausstieg näher erläuterte.
Der Computer war indessen mit seinen Berechnungen zum Ende gekommen. Was dieser jedoch anzeigte, konnte nicht stimmen. Die Oberfläche, die sich gerade unter seinem Shuttle befand, war strahlte, als würde hier pures Plutonium offen gelagert. Er überprüfte die Messinstrumente mit Hilfe von Referenzmaterialien, doch die Werte stimmten. Es half also alles nichts. Er musste wohl auf einem ungewöhnlich stark strahlenden Grund gelandet sein und kam nun nicht umhin, seinen Strahlenschutzanzug anzulegen. Vielleicht hatte er Glück und es handelte sich lediglich um eine lokale Anomalie, aus der er relativ schnell heraus konnte.
Durch den Anzug in seiner Beweglichkeit stark eingeschränkt, trat er vor die Schleuse und machte einen letzten Ausrüstungscheck. Mobile Messgeräte? Waren sorgfältig in seinem Koffer verstaut und am Mann. Die massive goldene Schallplatte? War in einem zweiten Koffer zusammen mit einem Geschenk untergebracht und ebenfalls am Mann. Der Kommunikator für das Shuttle war ebenfalls da, es konnte also losgehen. Nun würde er also einen ersten Blick auf diese Zwillingswelt werfen. Hier, wo der wandernde Prophet Josua einst hergekommen war, sollte er nun der Erste sein, der mit der Bruderrasse Kontakt aufnahm.
Josua war ein Mann, der bei ihnen zu Hause viel umher reiste und von Gott, seinem Vater erzählte. Auch erwähnte er seine früheren Leben, die er auf fremden Welten zubrachte und auf denen er ebenfalls schon umherreiste. Das war vor 1000 Jahren in der Zeitrechnung gewesen, die Josua ihnen ebenfalls gezeigt hatte. Bevor Josua zur nächsten Welt gereist war, erwähnte er eine bestimmte Welt und deren genaue Position. Da damals die Raumfahrt noch in den Kinderschuhen steckte, konnte man zu dieser Zeit nur davon träumen, diese Welt auch irgendwann einmal zu besuchen.
Die Schleuse glitt zur Seite und sein Blick streifte die Welt, die noch nie einer der Seinen erblickt hatte. Doch er sah nicht das, was er erwartet hatte. Nicht das, was Josua erzählt hatte. Die Landschaft war karg... grau... leer. Ein Schleier aus Nebel und herumfliegender Asche lag in der Luft. Verbrannte Erde knirschte unter seinen Stiefeln, als er die Rampe verlassen hatte. War er auf dem richtigen Planeten gelandet? Wüstengleich und voller Trümmer lag alles vor ihm. Er musste sich vertan haben. Ein kurzer Blick auf seinen Kommunikator allerdings lies alle Zweifel am Ziel verfliegen. Er war auf dem dritten Planeten dieses Systems gelandet. Also war er hier richtig. Dennoch stimmte das Landschaftsbild mit nichts überein, was er oder sein Volk erwartet hatten. Er ging zunächst weiter auf einem Pfad aus Sand, Asche und größeren Steinen, die künstlich geschaffen wirkten.
Ein Gegenstand, der ein paar Meter entfernt lag, erweckte sein Interesse. Schnell war er bei diesem und hob ihn hoch. Wenngleich man deutliche Brandspuren daran sah, konnte man doch gut darauf schließen, wie dieser Gegenstand einst ausgesehen haben mochte. Es war ein quadratisches Brett mit jeweils gleicher Kantenlänge. Etwa so lang wie sein Unterarm. Seine Fläche war mit einem Muster beschaffen. Acht auf acht Quadrate, die abwechselnd schwarz und weiss gefärbt waren, waren zum großen Teil auf einer Seite des Bretts sichtbar. Er konnte sich keinen Reim auf den Sinn und Zweck dieses Gegenstandes machen, dennoch war damit klar, dass dieser nicht natürlichen Ursprungs war.
Er ging weiter, hinweg über ein Meer aus Asche und einem seltsamen anderen Material. Doch er hatte derzeit nur Augen für einen weiteren Gegenstand, den er ausgemacht hatte. Auf halbem Weg zu diesem sah er, wie ein Wind die Asche auf dem Boden streifte und beliebige Muster in diesen zeichnete. Gleichzeitig lüftete sich der Nebel und gab den Blick auf das frei, was seit dem Ausstieg im Verborgenen lag. Trümmer. Gebäude, die zerfallen und zerschlagen waren. Strukturen einer Zivilisation, die schon lange nicht mehr existieren konnte. Was war hier geschehen? Wie konnte das hier sein? Er konnte sich alles nicht erklären. Sicher wusste der Computer mehr. Immerhin musste er sämtliche Signale aufgezeichnet haben, die empfangen wurden, als er selbst im Kälteschlaf war. Er beschloss, sich den Gegenstand, den er vorhin ausgemacht hatte, noch näher anzusehen und dann zum Schiff zurückzukehren. Von weitem konnte er eine kugelähnliche Form ausmachen, die halb in der Asche versunken war. Mit schnellen Schritten hielt er darauf zu. Als er direkt davor stand, ließ er sich auf die Knie nieder und streifte die Asche von dem Gegenstand ab. Eine gute Hand voll schob er zur Seite und machte vor blankem Entsetzen einen Satz zurück. Aus der Asche starrte ihn ein Schädel mit einem grotesken Grinsen an. So sitzend schaute er sich sein direktes Umfeld näher an. Der Boden bestand aus Asche und das seltsame Material war nichts weiter als Knochen. Weit und breit nichts als Knochen. Bei genauem hinsehen konnte er auch hier überall Schädel und weitere Skelettteile ausmachen. Sprachlos angesichts dieses grausigen Anblicks krabbelte er schnell zu seinem Shuttle zurück. Er musste unbedingt nachsehen, was hier passiert war.
Wieder in seinem sicheren Raumschiff ließ er den Computer sämtlichen relevanten Daten laden, während er selbst aus dem Anzug schlüpfte. Nach der chemischen Dusche war der Computer mit dem Abrufen der Datenbestände fertig. Sämtliche Signale, die von dieser Welt ausgestrahlt wurden waren nun direkt abrufbar. Er wählte eine Videodatei, die laut Datenbank inzwischen etwa 200 Jahre alt sein musste. Er verstand die Sprache nicht, die darin gesprochen wurde, aber die Bilder sprachen eine eigene Sprache. Massenpanik, Tote und letzlich offene thermonukleare Reaktionen. Ein schrecklicher und blutiger Krieg hatte hier gewütet, so viel konnte er aus diesen Aufzeichnungen entnehmen. Wie konnte das nur geschehen sein? Es war nun schon ein paar hundert Jahre her, als sie ein Objekt in ihrem Sonnensystem ausgemacht hatten, das ausserirdischen Ursprungs sein musste. Als sie das Objekt damals geborgen hatten, offenbarte sich ihnen ein Machwerk einer fremden Zivilisation. Eine fremde Technologie. Und obendrein war auch ein Geschenk mit dabei. Eine runde Platte aus purem Gold mit Schriftzeichen darauf. Nach langen Untersuchungen waren den Forschern Datenbestände aufgefallen, die auf dieser Scheibe untergebracht waren. Zudem war in Bildern eine Anleitung zum Lesen dieser Daten auf der Scheibe. In einer fremden Sprache wurden Worte gesprochen, die sie nicht verstehen konnten. Doch es war auch anderes darauf gespeichert. Melodien, die harmonischer nicht sein konnten. Es musste ein harmonisches und friedliches Volk sein, das ihnen dieses Geschenk geschickt hatte. So entstand die Idee, diesem Volk diese Gaben zurückzubringen und um ein Geschenk ihrerseits zu ergänzen. Josua hatte Recht gehabt, als er sagte, dass sie nicht allein im Universum seien.
Und nun dieses böse Ende. Wie konnte es sein, dass ein Volk, das solch wunderbare Melodien und Dinge erschaffen konnte, in einem derartigen Inferno unterging? Wie konnte es sein, dass es sich gegenseitig vernichtete, wo sie doch Brüder und Schwestern waren? Wie konnten sie so ihren eigenen Untergang bereiten und dabei nur zusehen? Die Tränen standen ihm in den Augen. So weit war er gereist, so sehr hatte er sich auf die Begegnung mit seinen ausserirdischen Brüdern und Schwestern gefreut und nun waren sie allesamt tot. Ausgelöscht durch ihre eigenen Hände. So sprach er den Tagebucheintrag in seiner Sprache zu Ende, bevor er sich auf die lange Rückreise machen würde. Damit alles zu Hause ausgewertet werden konnte, falls er die Reise nicht überleben sollte, war diese Maßnahme dringend notwendig: "Planet Erde, von dem Josua sprach. Keine Lebensform mehr überlebensfähig. Dritter Planet des Systems. Lethale Strahlung überall vorhanden. Zivilisation und Leben war mit hoher Sicherheit vorhanden, ist aber nicht mehr existent. Josua hatte auch mit dem Selbstzerstörungsdrang, den er schilderte, Recht behalten. Unsere Brüder und Schwestern existieren nicht mehr. Sie sind alle tot."
So wurde ein Zusammentreffen der Erdenbewohner und der extraterrestrischen Besucher noch rechtzeitig verhindert...
Lache nicht über jemanden, der einen Schritt zurück macht. Er könnte Anlauf nehmen.
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--I-c-E-- - 32
Profi
(offline)
Dabei seit 10.2008
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Geschrieben am: 12.12.2008 um 14:29 Uhr
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da hat aba jemand viel geschreiben
**respekt**
► Lebe : und du wirst verletzt und gehasst... Stirb : und du wirst geliebt und vermisst... ◄
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gza3000 - 44
Halbprofi
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Geschrieben am: 12.12.2008 um 14:45 Uhr
Zuletzt editiert am: 12.12.2008 um 14:45 Uhr
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Ich liebe postnukleare Szenarien...
Geniale Geschichte, aber lies sie noch einmal Korrektur 
reboot
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ParraPinto - 33
Profi
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Geschrieben am: 12.12.2008 um 21:40 Uhr
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Gut geschrieben.
Die Geschichte zeigt nur zu gut auf, dass der Mensch nicht fehlerlos ist...
Freiheit
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Amixor33 - 35
Champion
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Geschrieben am: 14.12.2008 um 16:26 Uhr
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Den Anfang würde ich noch etwas überarbeiten... irgendwie bin ich da noch ein wenig drüber gestolpert... aber dann war es packend und sehr bildlich...
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bredator - 41
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Geschrieben am: 17.12.2008 um 09:49 Uhr
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Hab hier und da noch ein paar Kleinigkeiten geändert, aber bin angenehm überrascht, dass es doch ein paar gibt, denen es gefällt ^^
Lache nicht über jemanden, der einen Schritt zurück macht. Er könnte Anlauf nehmen.
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