B3owu1f - 44
Halbprofi
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Geschrieben am: 27.11.2008 um 21:02 Uhr
Zuletzt editiert am: 12.06.2009 um 15:32 Uhr
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Ich schrecke hoch, schweißgebadet.
Notiz: Bitte, meinen Wecker eine Stunde später stellen und Heizung eine Stufe runterdrehen.
Mein Schädel dröhnt.
Ich schleppe mich in die Küche.
Ah, jetzt ein schönes Müsli mit frischer Mi...
„Schatz! Milch ist alle!“
Keine Antwort.
„Schatz?! Schahaaatz!“
Zurück ins Schlafzimmer. Das Bett ist leer.
Wieder in die Küche.
Notiz: Bitte Milch kaufen!
Na, wenigstens sind noch frische Brötchen... Moment, gestern waren doch noch welche...
Ach, egal.
Also eben Kippe und Kaffe - schwarz.
Notiz: Frische Brötchen?!
„Aaaaahau!“
Mit dem Kaffee gleich eine Kopfschmerztablette.
Duschen.
Dann Klamotten an.
„Schnüff, schnüff.Uuuh!“
Ich sollte wohl besser frische...keine da.
Egal.
Muss!
Für Rasur keine Zeit. Also, ab zur Straßenbahn.
Mist! Zu spät!
Ich schaue auf die Uhr.
„Was? Schon halb zehn?!“
Oh, Mann! Ich komm zu spät, ich komm zu spät!
Kurznachricht: „Schatz bitte stell meinen Wecker eine Stunde vor, wenn Du nachhause kommst. Alles Liebe und Kuss, Dein Bär.“
Dann also doch mit dem Auto.
Zurück zum Parkplatz.
Ich krame den Wagenschlüssel aus der Tasche und will ihn ins Türschloss stecken. In dem Moment fährt ein Streifenwagen vorüber.
„Oh, ein Wink mit dem Zaunpfahl!“
War doch ein Stündchen zu spät, gestern und ein Bierchen zu viel, gestern.
Also doch der Nahverkehr.
Die nächste Bahn kommt bestimmt. Eine Stunde später, endlich meine Haltestelle.
Ich steige aus.
Ein kurzer Blick auf das Handy. Keine verpassten Anrufe. Keine Kurznachricht.
Ich gehe durch die Drehtür dann vorbei am Pförtner.
„Morgeeehen!“ Sage ich, müde lächelnd.
„Mahlzeit!“, grüßt der Pförtner zurück.
Fahrstuhl.
Die Kollegen lächeln freundlich und teilnahmslos, wie immer.
Ich lasse mich in meinen Bürostuhl sinken.
Endlich Ruhe.
Die Tür fliegt auf.
Das hochrote Antlitz meines Vorgesetzten erscheint.
„Wo waren Sie? Das Meeting war um zehn! Wissen Sie, was das die Firma...“
Ach ja, die Präsentation. War das schon heute?
„...kostet? Überhaupt, wie sehen Sie denn aus? Sie wussten, dass das Ihre letzte Chance war!“
„Tut mir leid, Chef. Ich hatte die Tage zu viel um die Ohren. Hatte viel zu tun, bis spät in die Nacht. Ich meine...aber morgen...!“
Ich gehe vorbei am Pförtner dann durch die Drehtür dann raus auf die Straße.
Den Karton auf dem mein Name steht, umklammere ich fester.
Ein Blick auf das Handy. Keine verpassten Anrufe. Keine Kurznachricht.
„Das müssen bestimmt fünfzig Meter nach unten sein.“
Gut!
Ich lasse los.
Ich schrecke hoch, schweißgebadet.
Ein Arm drückt mich sanft zurück in die Kissen.
„Was hast du, mein Bärchen? Schlecht geträumt?“
„Ach nichts, Schatz. Alles in Ordnung.“
Notiz für mich: Milch kaufen!
Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte!
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