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Forum / Poesie und Lyrik

Wir gegen den Rest der Welt

B3owu1f - 44
Halbprofi (offline)

Dabei seit 03.2006
274 Beiträge

Geschrieben am: 16.10.2008 um 22:28 Uhr
Zuletzt editiert am: 16.10.2008 um 22:30 Uhr

Es war einmal…

Heute geht es um meine Zukunft. Das ist die letzte Chance meines Lebens und die nutze ich auch aus und kein Mensch der Welt wird die mir nehmen.

Seit Tagen lagen sie nun schon, in sich zusammengekauert in dem Erdloch. Sie warteten. Sie warteten auf irgend ein Lebenszeichen von der Vorhut. Tags über war die Luft heiß und stickig, die Nächte klirrend kalt.
Der Kommandant hatte befohlen, die Stellung in jedem Fall zu halten.
Deshalb wagte es keiner, sich von der Stelle zu rühren.

Wenn ich jetzt zurückgehen müsste, hätte ich schon Bedenken, dass ich Ziel von vielen Assis werde, die denken, ich bin jetzt reich!

Was Ungehorsam zu Folge hatte, wussten Joseph und seine Kameraden nur zu gut.
Deshalb wagte es keiner die Stellung zu verlassen, um sich irgendwo in den umliegenden Dörfern mit Vorräten zu versorgen.

Ich würde mich eher umbringen. Ich würde sogar lieber mit meinen Katzen im Wald im Zelt schlafen.

Der Hunger quälte die Soldaten. Keiner glaubte noch an eine Rückkehr der Kameraden. Wahrscheinlich waren sie schon vom Feind abgeschlachtet worden. Und die, die das überlebt hatten…

Ich hätte Angst, dass mir nachts auf der Straße einer was tut.

Joseph wusste, was mit ihnen passieren würde. Unzählige Male hatte er schon selbst mit angesehen, was mit Gefangenen nach einem Gefecht passiert.
Hände wurden mit abgehackt, Köpfe abgeschlagen. Manchen trennte man die Arme ab um sie dann, kopfüber an einem Baum aufgehängt, langsam ausbluten zu lassen, wie Schlachtvieh.

Bei uns muss man sogar Angst haben, dass nachts mal jemand bei Dir einbricht und deine Bude durchwühlt.




Die Zeit schien nicht zu vergehen. Müdigkeit und Hunger machten den Soldaten zu schaffen. Die tagelange Anspannung zermürbte sie.
Im Dickicht knackte plötzlich ein Ast.
Die Soldaten griffen schnell und routiniert nach ihren Waffen und sprangen aus dem Erdloch, die Gewehre im Anschlag.

Ich habe jetzt eine einmalige Chance. Da muss ich über Leichen gehen. Egal, welches Herz ich breche.

Es war aber nur Miguel, ein Soldat der Vorhut, der auf sie zu wankte. Er war blutverschmiert, in seiner Schulter klaffte eine heftig blutende Wunde. Er konnte sich kaum noch aufrecht halten.
Sie brachten ihn zum Kommandanten. Er erzählte, wie die Vorhut in einen Hinterhalt geraten war. Hoffnungslos unterlegen war die ganze Einheit abgeschlachtet worden. Einige paar wenige wurden gefangen genommen. Miguel und zwei weitere konnten schwer verletzt entkommen. Die anderen waren noch auf dem Weg zurück gestorben.

Auch wenn man es nicht glaubt, ich bin eine zarte Seele.

Der Kommandant hatte Miguels Schilderungen mit vollkommen ausdrucksloser Miene angehört.
Ohne dem Verwundeten weitere Aufmerksamkeit zu schenken, wendete er sich jetzt an Joseph und einige Kameraden. Er befahl ihnen die vom Feind erbeuteten Waffen und die Gefangenen zurück zubringen.
Kurze Zeit später schlichen sie im dichten Unterholz vor dem feindlichen Lager durch die Dunkelheit. Sie hatten die Schreie der gefolterten Gefangenen und das jubelnde Gelächter der Feinde schon von weitem gehört. Jetzt hatten sie einige Gefangene erspäht, die gefesselt an einem Baum saßen, mit teils von Prügel aufgeplatzten Gesichtern und gebrochenen Gliedmaßen.

Beziehungen haben mich bisher nur verletzt. Ich bin sowieso kein Typ für eine Beziehung.

Joseph befahl seinen Kameraden sich zu verteilen. Sie würden von drei Seiten aus gleichzeitig angreifen.
Der erste Schuss fiel. Ein Blutbad brach los. Der Feind begann wahllos in den Wald zu schießen.
Joseph sprang aus dem Gebüsch und schlug einem Soldaten mit solcher Wucht den Gewehrkolben ins Gesicht, dass dieser mit aufgeplatztem Schädel zu Boden sank. Dem nächsten wurde von einer Gewehrkugel das Gesicht weg gerissen.

Ich habe keine Zeit für Beziehungen. Dafür liebe ich meinen Job zu sehr.

Sie metzelten den Feind ohne Gnade nieder. Sie selbst sanken getroffen zu Boden.
Der Soldat, der eben noch neben Joseph stand, versuchte seinen abgerissenen Arm aufzuheben, bevor er von einem weiteren Treffer nieder gestreckt wurde. Dann sah Joseph nichts mehr.

Ich bin das Alleinsein gewöhnt.

Neben dem Feind waren auch alle anderen seiner Einheit auf dem Schlachtfeld geblieben. Joseph konnte zwei der Gefangenen retten . Ein Dritter hatte es nicht geschafft.
Daran dachte Joseph jedoch nicht, als er vom Kommandanten für seinen Mut und die Handvoll Waffen gelobt wurde, die er zurück erbeuten konnte. Als er als Held gefeiert wurde.

Ich wüsste nicht, warum ich abheben sollte.

Schließlich war dies der Krieg. Joseph erlebt so etwas jeden Tag.
Jetzt fragen Sie sich vielleicht, warum ich Ihnen das alles erzähle.

Ich drehe jetzt mein eigenes Video.

Warum ich Ihnen von abgetrennten Gliedmaßen und zerfetzten Körpern erzähle. Von eingeschlagenen Schädeln und verstümmelten Opfern.

Bisher haben die Leute mich nur gehört, jetzt sehen sie mich auch, wie ich ehrlich bin.

Warum ich Ihnen das zeige.

Dann kann ich mit meinem Herzen aus mir raus kommen.

Diese Grausamkeiten, die Joseph jeden Tag erlebt.

Das ist schon Gewinn genug.

Nun, um das zu erklären, möchte ich Ihnen jemanden vorstellen:
Das ist Joseph. Joseph ist 8 Jahre alt.

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Außerdem muss man in sein Herz gucken und das umsetzen, was einem Mama und Papa beigebracht haben.
Der Glaube an mich selbst ist das Ziel.
Dann sehe ich mich endlich selbst im Fernsehen.
Ich hab Euch Arschgeigen lieb.

Mark Medlock:

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Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte!

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