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Forum / Poesie und Lyrik

Kindersoldat - Und keiner weiss es besser

bredator - 41
Champion (offline)

Dabei seit 03.2008
5319 Beiträge

Geschrieben am: 07.10.2008 um 19:30 Uhr
Zuletzt editiert am: 25.10.2008 um 00:40 Uhr

Es war einst ein schrecklicher Tag für den heute 10-jährigen Maarifa. Jener Tag an dem er seine Familie verlor. Miliztruppen des Nachbarbezirks marschierten heute vor 2 Jahren in sein Heimatdorf ein. All diejenigen, die Widerstand leisteten, erschossen sie sofort. Das Dorf wird gestürmt, Frauen und Kinder vergewaltigt und teilweise erschossen. Maarifa ist gerade hinter dem Haus, als er die Schüsse von drinnen hört. Er schleicht vorsichtig zur Hintertür und sieht dort, zu seinem Entsetzen, seine ältere Schwester in einer Pfütze aus Blut liegen. Sie atmet nicht mehr und ihr Blick ist starr auf die Decke gerichtet. Maarifa fängt an zu weinen und läuft zur Vordertüre. Auf halbem Wege stolpert er über etwas, das er vor Tränen nicht gesehen hatte. Er wischt sich die Augen und sieht seine Eltern im Gang liegen. Auch sie bewegen sich nicht mehr und aus ihren schmerzverzerrten Gesichtern spricht die pure Angst und Panik. Maarifa hatte von seinem Vater Geschichten gehört, von plündernden und mordenden Truppen, doch die Erzählungen schienen immer so weit weg und nicht wirklich. Nun war er selbst Teil einer solchen Geschichte. In seiner unendlichen Trauer kann er keinen klaren Gedanken fassen. Was soll er nun machen? Wohin soll er gehen? Wie soll er ohne seine Familie nur leben?

Die Tür fliegt auf, so dass sie fast aus den Angeln gehoben wird. Zwei schwer bewaffnete Männer von geschätzten 20 Jahren stehen im Portal und sehen Maarifa an. Einer recht ihm die Hand: "Du musst keine Angst mehr haben. Wir wissen nicht, wer deine Familie ermordet hat. Aber wir werden uns um dich an ihrer statt kümmern. Komm mit uns, mach genau das, was wir dir sagen und dann wird dir nichts geschehen." Maarifa, noch immer von Angst und Schrecken erfüllt, nickt und geht mit den Männern mit. Trotz all der Trauer, die er gerade fühlt, ist er doch erleichtert, dass er nicht ganz alleine ist. Er folgt den Männern zu einer größeren Ansammlung von Kindern und Männern, die auf dem Dorfplatz stehen...

Der Hauptmann kam ins Zelt und schreit, dass sich alle erheben sollen. Maarifa blinzelt und ist geblendet vom Tageslicht. Er hat in letzter Zeit immer wieder den gleichen Traum aus seiner Vergangenheit. Dem Tag als seine mitfühlende, menschliche Seite mit seiner Familie gestorben ist. Heute hat er nur noch vage Erinnerungen an seine Familie und es kümmert ihn nicht weiter. Heute ist sein großer Tag. Heute soll er einen Trupp seiner Kameraden von Osten in ein Dorf führen. Dort müssen sie Verpflegung organisieren und einen neuen Stützpunkt errichten. Maarifa ist freudig erregt ob dieser Verantwortung, die heute auf ihm lastet. Zwar hat er keine Sorgen oder gar Angst, dass die Operation fehlschlägt, immerhin ist es ja nicht das erste Mal, dass er bei so etwas dabei ist, aber trotzdem ist er innerlich etwas aufgewühlter als sonst.

Das Antreten beginnt. Maarifa steht neben seinen gleichaltrigen Kameraden und hört dem Hauptmann zu, was er zu sagen hat. Die Einzelheiten der Operation werden noch einmal erläutert und die Wichtigkeit unterstrichen. Gleich nachdem der Hauptmann gegangen ist, ruft Maarifa seinen Trupp zu sich. Waffen und Munition werden überprüft und aufgestockt. Über Funk berät sich Maarifa mit den anderen Truppenführern und koordiniert so mit ihnen die Truppenbewegung und den Angriffszeitpunkt. Endlich ist es soweit. Der Hauptmann gibt über Funk den Angriff frei.

Maarifa und seine Kameraden stürmen in das Dorf und erschießen jeden, der Widerstand leistet, sofort. Maarifa schickt einen seiner Leute zu einem Haus, das dieser auch sofort stürmt. Maarifa hört Schüsse, ein sicheres Zeichen dafür, dass weitere Widersacher aus dem Weg geräumt wurden. Er sieht seinen Kameraden mit einem Grinsen auf dem Gesicht aus dem Haus kommen und die Straße entlang gehen. Maarifa nimmt sich einen seiner Leute zur Seite und schickt die restlichen ebenfalls die Straße entlang. Zu zweit betreten sie das Haus, welches gerade erst gestürmt wurde, um eventuelle Wertgegenstände und Verpflegung an sich zu nehmen. Kaum durch die Tür getreten, sehen sie einen Jungen in einer Ecke kauernd. In der Mitte des Raumes liegen vier Leichen, teilweise mit mehreren Schüssen hingerichtet, in einer größer werdenden Lache aus Blut liegen.

Es war eins ein schrecklicher Tag für den 8-jährigen Kimotho. Jener Tag an dem er seine Familie verlor. Miliztruppen marschierten heute vor einer Woche in sein Heimatdorf ein. Doch Maarifa und sein Kamerad entdeckten ihn im Haus seiner Eltern: "Du musst keine Angst mehr haben. Wir wissen nicht, wer deine Familie ermordet hat. Aber wir werden uns um dich an ihrer statt kümmern."

Lache nicht über jemanden, der einen Schritt zurück macht. Er könnte Anlauf nehmen.

Nik007 - 30
Champion (offline)

Dabei seit 04.2007
2135 Beiträge

Geschrieben am: 07.10.2008 um 19:40 Uhr

Zitat von bredator:

Es war einst ein schrecklicher Tag für den heute 10-jährigen Maarifa. Jener Tag an dem er seine Familie verlor. Miliztruppen des Nachbarbezirks marschierten heute vor 2 Jahren in sein Heimatdorf ein. All diejenigen, die Widerstand leisteten, erschossen sie sofort. Das Dorf wird gestürmt, Frauen und Kinder vergewaltigt und teilweise erschossen. Maarifa ist gerade hinter dem Haus, als er die Schüsse von drinnen hört. Er schleicht vorsichtig zur Hintertür und sieht dort, zu seinem Entsetzen, seine ältere Schwester in einer Pfütze aus Blut liegen. Sie atmet nicht mehr und ihr Blick ist starr auf die Decke gerichtet. Maarifa fängt an zu weinen und läuft zur Vordertüre. Auf halbem Wege stolpert er über etwas, das er vor Tränen nicht gesehen hatte. Er wischt sich die Augen und sieht seine Eltern im Gang liegen. Auch sie bewegen sich nicht mehr und aus ihren schmerzverzerrten Gesichtern spricht die pure Angst und Panik. Maarifa hatte von seinem Vater Geschichten gehört, von plündernden und mordenden Truppen, doch die Erzählungen schienen immer so weit weg und nicht wirklich. Nun war er selbst Teil einer solchen Geschichte. In seiner unendlichen Trauer kann er keinen klaren Gedanken fassen. Was soll er nun machen? Wohin soll er gehen? Wie soll er ohne seine Familie nur leben?

Die Tür fliegt auf, so dass sie fast aus den Angeln gehoben wird. Zwei schwer bewaffnete Männer von geschätzten 20 Jahren stehen im Portal und sehen Maarifa an. Einer recht ihm die Hand: "Du musst keine Angst mehr haben. Wir wissen nicht, wer deine Familie ermordet hat. Aber wir werden uns um dich an ihrer statt kümmern. Komm mit uns, mach genau das, was wir dir sagen und dann wird dir nichts geschehen." Maarifa, noch immer von Angst und Schrecken erfüllt, nickt und geht mit den Männern mit. Trotz all der Trauer, die er gerade fühlt, ist er doch erleichtert, dass er nicht ganz alleine ist. Er folgt den Männern zu einer größeren Ansammlung von Kindern und Männern, die auf dem Dorfplatz stehen...

Der Hauptmann kam ins Zelt und schreit, dass sich alle erheben sollen. Maarifa blinzelt und ist geblendet vom Tageslicht. Er hat in letzter Zeit immer wieder den gleichen Traum aus seiner Vergangenheit. Dem Tag als seine mitfühlende, menschliche Seite mit seiner Familie gestorben ist. Heute hat er nur noch vage Erinnerungen an seine Familie und es kümmert ihn nicht weiter. Heute ist sein großer Tag. Heute soll er einen Trupp seiner Kameraden von Osten in ein Dorf führen. Dort müssen sie Verpflegung organisieren und einen neuen Stützpunkt errichten. Maarifa ist freudig erregt ob dieser Verantwortung, die heute auf ihm lastet. Zwar hat er keine Sorgen oder gar Angst, dass die Operation fehlschlägt, immerhin ist es ja nicht das erste Mal, dass er bei so etwas dabei ist, aber trotzdem ist er innerlich etwas aufgewühlter als sonst.

Das Antreten beginnt. Maarifa steht neben seinen gleichaltrigen Kameraden und hört dem Hauptmann zu, was er zu sagen hat. Die Einzelheiten der Operation werden noch einmal erläutert und die Wichtigkeit unterstrichen. Gleich nachdem der Hauptmann gegangen ist, ruft Maarifa seinen Trupp zu sich. Waffen und Munition werden überprüft und aufgestockt. Über Funk berät sich Maarifa mit den anderen Truppenführern und koordiniert so mit ihnen die Truppenbewegung und den Angriffszeitpunkt. Endlich ist es soweit. Der Hauptmann gibt über Funk den Angriff frei.

Maarifa und seine Kameraden stürmen in das Dorf und erschießen jeden, der Widerstand leistet, sofort. Maarifa schickt einen seiner Leute zu einem Haus, das dieser auch sofort stürmt. Maarifa hört Schüsse, ein sicheres Zeichen dafür, dass weitere Widersacher aus dem Weg geräumt wurden. Er sieht seinen Kameraden mit einem Grinsen auf dem Gesicht aus dem Haus kommen und die Straße entlang gehen. Maarifa nimmt sich einen seiner Leute zur Seite und schickt die restlichen ebenfalls die Straße entlang. Zu zweit betreten sie das Haus, welches gerade erst gestürmt wurde, um eventuelle Wertgegenstände und Verpflegung an sich zu nehmen. Kaum durch die Tür getreten, sehen sie einen Jungen in einer Ecke kauernd. In der Mitte des Raumes liegen vier Leichen, teilweise mit mehreren Schüssen hingerichtet, in einer größer werdenden Lache aus Blut liegen.

Es war eins ein schrecklicher Tag für den 8-jährigen Kimotho. Jener Tag an dem er seine Familie verlor. Miliztruppen marschierten heute vor Doch Maarifa und sein Kamerad entdeckten ihn im Haus seiner Eltern: "Du musst keine Angst mehr haben. Wir wissen nicht, wer deine Familie ermordet hat. Aber wir werden uns um dich an ihrer statt kümmern."


ich find es schlimm

Stolzer Deutscher!!!

Grasman - 44
Fortgeschrittener (offline)

Dabei seit 09.2008
72 Beiträge

Geschrieben am: 07.10.2008 um 19:44 Uhr

Zitat von bredator:

Es war einst ein schrecklicher Tag für den heute 10-jährigen Maarifa. Jener Tag an dem er seine Familie verlor. Miliztruppen des Nachbarbezirks marschierten heute vor 2 Jahren in sein Heimatdorf ein. All diejenigen, die Widerstand leisteten, erschossen sie sofort. Das Dorf wird gestürmt, Frauen und Kinder vergewaltigt und teilweise erschossen. Maarifa ist gerade hinter dem Haus, als er die Schüsse von drinnen hört. Er schleicht vorsichtig zur Hintertür und sieht dort, zu seinem Entsetzen, seine ältere Schwester in einer Pfütze aus Blut liegen. Sie atmet nicht mehr und ihr Blick ist starr auf die Decke gerichtet. Maarifa fängt an zu weinen und läuft zur Vordertüre. Auf halbem Wege stolpert er über etwas, das er vor Tränen nicht gesehen hatte. Er wischt sich die Augen und sieht seine Eltern im Gang liegen. Auch sie bewegen sich nicht mehr und aus ihren schmerzverzerrten Gesichtern spricht die pure Angst und Panik. Maarifa hatte von seinem Vater Geschichten gehört, von plündernden und mordenden Truppen, doch die Erzählungen schienen immer so weit weg und nicht wirklich. Nun war er selbst Teil einer solchen Geschichte. In seiner unendlichen Trauer kann er keinen klaren Gedanken fassen. Was soll er nun machen? Wohin soll er gehen? Wie soll er ohne seine Familie nur leben?

Die Tür fliegt auf, so dass sie fast aus den Angeln gehoben wird. Zwei schwer bewaffnete Männer von geschätzten 20 Jahren stehen im Portal und sehen Maarifa an. Einer recht ihm die Hand: "Du musst keine Angst mehr haben. Wir wissen nicht, wer deine Familie ermordet hat. Aber wir werden uns um dich an ihrer statt kümmern. Komm mit uns, mach genau das, was wir dir sagen und dann wird dir nichts geschehen." Maarifa, noch immer von Angst und Schrecken erfüllt, nickt und geht mit den Männern mit. Trotz all der Trauer, die er gerade fühlt, ist er doch erleichtert, dass er nicht ganz alleine ist. Er folgt den Männern zu einer größeren Ansammlung von Kindern und Männern, die auf dem Dorfplatz stehen...

Der Hauptmann kam ins Zelt und schreit, dass sich alle erheben sollen. Maarifa blinzelt und ist geblendet vom Tageslicht. Er hat in letzter Zeit immer wieder den gleichen Traum aus seiner Vergangenheit. Dem Tag als seine mitfühlende, menschliche Seite mit seiner Familie gestorben ist. Heute hat er nur noch vage Erinnerungen an seine Familie und es kümmert ihn nicht weiter. Heute ist sein großer Tag. Heute soll er einen Trupp seiner Kameraden von Osten in ein Dorf führen. Dort müssen sie Verpflegung organisieren und einen neuen Stützpunkt errichten. Maarifa ist freudig erregt ob dieser Verantwortung, die heute auf ihm lastet. Zwar hat er keine Sorgen oder gar Angst, dass die Operation fehlschlägt, immerhin ist es ja nicht das erste Mal, dass er bei so etwas dabei ist, aber trotzdem ist er innerlich etwas aufgewühlter als sonst.

Das Antreten beginnt. Maarifa steht neben seinen gleichaltrigen Kameraden und hört dem Hauptmann zu, was er zu sagen hat. Die Einzelheiten der Operation werden noch einmal erläutert und die Wichtigkeit unterstrichen. Gleich nachdem der Hauptmann gegangen ist, ruft Maarifa seinen Trupp zu sich. Waffen und Munition werden überprüft und aufgestockt. Über Funk berät sich Maarifa mit den anderen Truppenführern und koordiniert so mit ihnen die Truppenbewegung und den Angriffszeitpunkt. Endlich ist es soweit. Der Hauptmann gibt über Funk den Angriff frei.

Maarifa und seine Kameraden stürmen in das Dorf und erschießen jeden, der Widerstand leistet, sofort. Maarifa schickt einen seiner Leute zu einem Haus, das dieser auch sofort stürmt. Maarifa hört Schüsse, ein sicheres Zeichen dafür, dass weitere Widersacher aus dem Weg geräumt wurden. Er sieht seinen Kameraden mit einem Grinsen auf dem Gesicht aus dem Haus kommen und die Straße entlang gehen. Maarifa nimmt sich einen seiner Leute zur Seite und schickt die restlichen ebenfalls die Straße entlang. Zu zweit betreten sie das Haus, welches gerade erst gestürmt wurde, um eventuelle Wertgegenstände und Verpflegung an sich zu nehmen. Kaum durch die Tür getreten, sehen sie einen Jungen in einer Ecke kauernd. In der Mitte des Raumes liegen vier Leichen, teilweise mit mehreren Schüssen hingerichtet, in einer größer werdenden Lache aus Blut liegen.

Es war eins ein schrecklicher Tag für den 8-jährigen Kimotho. Jener Tag an dem er seine Familie verlor. Miliztruppen marschierten heute vor Doch Maarifa und sein Kamerad entdeckten ihn im Haus seiner Eltern: "Du musst keine Angst mehr haben. Wir wissen nicht, wer deine Familie ermordet hat. Aber wir werden uns um dich an ihrer statt kümmern."



wenn in afrika ein kind an hunger stirbt intressierts doch auch niemand !

http://retrozone.emubase.de

bredator - 41
Champion (offline)

Dabei seit 03.2008
5319 Beiträge

Geschrieben am: 14.10.2008 um 14:18 Uhr
Zuletzt editiert am: 22.10.2008 um 08:37 Uhr

Zitat von Grasman:


wenn in afrika ein kind an hunger stirbt intressierts doch auch niemand !


Und dass ich den Text geschrieben habe, gerade weil es sonst keinen interessiert, kann nicht sein, oder? Denk das Ganze erst mal zu Ende, bevor du was dazu schreibst.

Lache nicht über jemanden, der einen Schritt zurück macht. Er könnte Anlauf nehmen.

Nati91 - 34
Fortgeschrittener (offline)

Dabei seit 07.2005
48 Beiträge
Geschrieben am: 21.10.2008 um 16:59 Uhr

Mir liefs gerade kalt den Rücken hinunter. Mir gefällt der Text sehr, und das Thema das er anspricht finde ich ebenfalls sehr wichtig.
Tolle Arbeit!
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