ViolentFEAR - 33
Champion
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Geschrieben am: 30.09.2008 um 23:24 Uhr
Zuletzt editiert am: 30.09.2008 um 23:24 Uhr
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Mein Freund,
ich schreibe dir. Für und wegen deines Verstorbenen.
Ja, vielleicht schreibe ich auch um meiner Selbstwillen, um mein Seelenheil. Denn es drängt mich so arg deinen, unseren Verlust zu beklagen, dass ich nicht mehr dem Sinnen über den Tod entkomme. Jedoch liegt es mir nicht in der Absicht dir lediglich meinen Kummer mitzuteilen. Mit dem Vorsatz dir deinen zu lindern, selbst wenn ich mir dies Vorhaben selbst nicht zutraue, wird dieser Brief eine Erlösung für mich selbst.
Du bist mir lieb, deshalb verzage ich so sehr. Und wieviel mehr Verzagen musst du in dir spüren, jetzt? Ich maße mir nicht an zu sagen, ich wüsste wie du fühlst.
Vielleicht kannst du nicht mehr als meine Buchstaben lesen, mit deinen trauernden Augen. Vielleicht nichts mehr, als die kargen Oberflächen der Dinge. Denn in der Trauer liegt doch so oft die Frage: "Warum?". Nur, wie sollte das weinende Herz einen Sinn hinter dem Verlust einer Liebe erkennen, wenn der nüchterne verstand nicht einmal Antwort darauf bieten kann?
Möglicherweise liegt aber nur dort, im Herzen, der Weg zurück in die Welt. Kein Auge der Welt kann Liebe erblicken. Lediglich das Herz, das Sinnesorgan der Seele, brachte dich dazu dein Kind zu sehen wie du es getan hast. Liebend. Auch wenn deine Augen dein Kind nicht mehr zu fassen vermögen, deine Ohren seine Stimme nicht mehr klingen lassen, dein Herz bewahrt dir dein Kind.
Meine Gedanken sind vom Tod beherrscht. Gerade jetzt, wo es fast Neujahr schlägt. Doch, ein Gedanken, auf welchen verschlungenen Wegen er auch immer zu seiner Form gefunden hatte, brachte mir ein Lächeln ein.Jeder kommende Frühling, der die Sprösslinge der Pflanzen aus dem Schoße der Erde treibt, gibt mir Erläuterung über das bange Rätsel des Todes und widerlegt meine ängstliche Besorgnis eines ewigen Schlafs. Die Sonne treibt den Tod aus der Erde. Der Tod ist endlich.
Dein geliebter Freund.
Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit
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