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Forum / Poesie und Lyrik
Zerplatzte Seifenblase

_moonflower_ - 35
Fortgeschrittener
(offline)
Dabei seit 07.2008
49
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Geschrieben am: 26.08.2008 um 23:07 Uhr
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Es war ein verregneter Abend, als Saskia aus dem Fenster sah, immer Ausschau haltend nach ihrer ältesten Tochter Laura. Während Lauras Zwillingsbruder Nils, der hohes Fieber hatte, und ihre kleinere Schwester Kathi bereits seelenruhig in ihren Betten schliefen, war sie noch unterwegs.
Saskia war allein mit den Kindern. Ihren Vater sahen sie nur am Wochenende und auch nur, wenn sie wollten. Christian und sie hatten ein gespanntes Verhältnis. Nach ewigem Sorgerechtsstreit wurde es Christan vor 2 Jahren endlich entzogen. Doch die Kindheit ihrer Lieblinge hatte sie verpasst.
Nach einiger Zeit, die sie in ihren Gedanken an die Vergangenheit verbracht hatte, blickte die besorgte Mutter auf die Wanduhr. 01:42 Uhr. Laura ließ sich Zeit, was bei dem immer schlimmer werdenden Wetter nicht zur Beruhigung Saskias betrug. Sie ging noch einmal zum Ofen, um Holz nach zu legen, als sie ein Rascheln an der Tür hörte.
Sie drehte sich um und ehe sie auch nur eine Sekunde lang nachdenken konnte, was geschah, stürmte sie auf ihre Tochter zu und schloss sie in die Arme. Doch Laura wehrte sich und befreite sich auf den zwar liebevollen, aber für sie erdrückenden Griff ihrer Mutter.
"Mama, lass...", flüsterte sie und verdeckte ihr Gesicht.
"Aber Laura ich...", setzte sie an bevor sie daran dachte, was für Ängste sie durchlebt hatte, "Sag mal was fällt dir eigentlich ein?! Es ist fast 2 Uhr nachts!"
Es trat Stille ein. Beklemmende Stille. Erst das leise Weinen von Laura zerbrach die Ruhe. Saskia verstand die Welt nicht mehr und setzte sich auf die Couch, während Laura weiterhin einfach nur da stand. Wieder sagte keine von beiden ein Wort. Und wieder brach Laura nach einiger Zeit das Schweigen.
"Mama?", fragte sie mit gebrochener Stimme.
"Ja?" Saskia war der Ton ihrer Tochter nur zu bekannt und sie ahnte bereits, was passiert sein musste.
"Mama, ich hab mich verliebt."
"Aber das ist doch schön, mein Schatz." Sie flehte innerlich, dass Laura nicht das sagen würde, was sie vermutete.
"In ein Mädchen."
Sie hatte es gesagt. Saskias Herz schlug schnell und verkrampfte. "In ein Mädchen", hallte es in ihr wieder, "in ein Mädchen." Sie fühlte sich, als würde sie mit sich selbst reden.
"Oh...", erwiderte sie nur.
"Du bist geschockt."
"Nein", sie lächelte gezwungen, "Ich warte nur darauf, das du weitererzählst."
"Sie heißt Elisabeth und sie ist ein gutes Jahr älter als ich. Sie ist schön, Mama, sie ist wirklich schön."
Und so erzählte sie ihrer Mutter von Elisabeth. Saskia zitterte am ganzen Leib. Laura war gerade mal 17 Jahre alt, so alt, wie sie damals war, als sie zum Ersten Mal richtig verliebt war. Ihr liefen bereits zahlreiche Tränen über die Wange als Laura sie aus ihren Träumen riss.
"Aber naja. Es ist egal. Sie ist unerreichbar. Aber Mama, sie hat mich geküsst. Und ihre Lippen sind so warm und weich. Und ihre Hände so zart und sanft. Und ihre Zunge...", eine leichte Röte zeichnete sich auf den Wangen des jungen Mädchens ab.
"Ich weiß, was du meinst. Ich hatte solche Gefühle auch einmal für eine Frau. Gut, damals war sie noch ein Mädchen. Ich war nicht älter als du heute, meine Kleine."
"Aber Mama, sie hat gesagt, sie ist nicht bereit für naja... Soetwas."
Saskia legte sanft den Arm um ihre Tochter, die nun genauso bitterlich weinte, wie sie selbst.
"Und Mama, sie hat gesagt... sie hat gesagt..."
"... dass du mehr auf das Schicksal vertrauen sollst", vollendete sie Lauras Satz und begann mild zu lächeln. "Wir sollten schlafen gehen, Laura. Morgen sieht die Welt schon ganz anders aus, das verspreche ich dir."
"Aber Mama woher weißt du, was sie...?"
"Unwichtig", unterbrach ihre Mutter.
"Mama?"
"Ja?"
"Was ist das, dieser Schmerz?"
"Nichts Laura, nichts. Nur eine zerplatze Seifenblase."
Es dauerte noch etwas, dann ging Laura tatsächlich zu Bett. Saskia hingegen träumte noch eine Weile in die stürmische Nacht hinein. "Oh Laura, du weißt gar nicht, wie sehr ich dich verstehe", flüsterte sie leise, mit einem Bild von ihr und der Frau in der Hand, die sie einst liebte.
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sabbse
Team-Ulmler
(offline)
Dabei seit 01.2006
5471
Beiträge
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Geschrieben am: 26.08.2008 um 23:16 Uhr
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voll schön, ganz ehrlich!
Ich darf jetzt close schreiben, ohne ne Kopfnuss zu bekommen! :)
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