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Forum / Poesie und Lyrik
Rapunzel

Iluron - 37
Champion
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Dabei seit 06.2008
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Geschrieben am: 13.07.2008 um 18:46 Uhr
Zuletzt editiert am: 13.07.2008 um 22:51 Uhr
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Antimärchen von ´06
Rapunzel
Vor langer, langer Zeit in einem weit entferntem Königreich lebte einst ein Bauer mit seiner Frau. Eigentlich hätten die beiden genug Gold zum leben verdient, auch wenn es nicht viel war, doch ob der Verschwendungssucht seiner Frau, war der Bauer gezwungen alles zu verkaufen, was nicht zum überleben notwendig gewesen war.
Ständig wieß sie ihn zurecht, schaffte ihm an und sagte ihm wie schlecht sie es mit ihm hatte, sodass man fast glauben konnte, er sei ihr Sklave und nicht ihr Ehemann.
Nun trug es sich zu, dass die Frau schwanger wurde. Da sie sehr eitel war und Panik bekam, wenn sie an die schrecklichen Schwangerschaftssstreifen dachte, ging sie eines Tages zu einer stadtbekannten Hexe, um sie darum zu bitten das Kind hinfortzuzaubern.
Die Hexe bat die Eitle sich auf einen Stuhl zu setzen und gab ihr gar seltsames Gebräu zu trinken, das die Frau in einen unheimlich tiefen Schlaf fallen ließ.
Als sie aufwachte, sah sie sich in einem dunklen Zelt wieder, das nach Mandelholz duftete.
Die Hexe kam durch einen schmalen Eingang herein und sprach:
„Dieses Kind ist etwas besonderes. Es Lässt sich nicht wegzaubern. Wenn du willst kaufe ich es dir ab.“
Bei diesen Worten leuchteten die Augen der Frau. Was scherten sie einige Streifen auf ihrem Körper, die sie mit etwas Geschick verdecken konnte, wenn sie damit bare Münze verdienen konnte?
Als sie sich auf einen fürstlichen Betrag geeinigt hatten ging die Frau vergnügt nach Hause. Ihr Laune war so gut, dass sie bis zur Geburt darüber fast vergessen hätte ihren Mann zu schikanieren.
Am Tag der Entbindung war der Mann zu Hause geblieben, um sein Kind als erster in den Armen halten zu können.
Eine Amme war von Nachbarort gekommen, um das Kind auf diese Welt zu holen.
So presste die Frau so fest sie nur konnte und selbst der Schmerz den sie dabei empfand schien ihr gering im Vergleich zu ihrer Entlohnung.
Als der Säuglich hervorgebracht war und in den Armen des Vaters lag, fragte die Amme:
„Wie soll das Kind heißen?“
Eine eiskalte Stimme schnitt durch die Luft und zischte:
„Rapunzel!“
Da die Frau noch stöhnte und der Ehemann eine viel tiefere Stimme hatte konnte sie sich nicht erklären wer dort sprach, doch da es Brauch war, den ersten ausgesprochenen Namen als angenommen zu nehmen, sollte sie fortan Rapunzel heißen.
Nur wenige Minuten später öffnete sich die Haustür und die Hexe stürmte herein, um dem Mann den Säugling aus den Armen zu reißen. Der Bauer werte sich, da er nichts von der Absprache seiner Frau wusste.
„Weißt du denn nicht was das ist? Das ist kein normales Kind! Gib es mir oder dein weiteres Leben wird ein endloser Pfad aus Kummer und Schmerz!“
Als der Mann diese Worte vernahm, bekam er es mit der Angst zu tun und trotz seiner Liebe zu seinem Kind ließ er seinen Spross los.
Jahre waren vergangen und die Hexe hatte sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen, um sich ganz der Studie des Kindes hinzugeben. Ihr Ziel war es, diese angeborene Bösartigkeit aus dem Kind zu entfernen, doch das mochte ihr ob all der Anstrengungen nicht gelingen. Darob im Unklaren was passiere, wenn sie starb bevor ihr Werk vollbracht war und das Mädchen auf die Welt losgelassen werden würde, ließ sie einen hohen Turm bauen, in welchem das Kind eingesperrt wurde. Kein sterbliches Wesen konnte daraus entkommen, denn das einzige was den Turm mit der Außenwelt verband war ein kleiner Lastenzug auf dem das Essen nach oben zu einem kleinen Fenster gezogen werden konnte.
Mittlerweile war die kleine Rapunzel zu einer jungen Frau herangewachsen und sie übte sich in der Kunst des Gesanges, um sich die Zeit zu vertreiben.
Als sie wie so oft ihre Lieder sang, kam ein junger Mann des Weges und vernahm diese anmutige Stimme. Er ritt wie benebelt darauf zu, ungeachtet allem was da vor ihm lag. Als er den Turm erreicht hatte und das Mädchen auf der Fensterbank dort oben sitzen sah rief er:
„Oh du Schöne. Gar lieblich klingt dein Stimmlein in meinen Ohren. Öffne mir die Tore zu deinem Turm, damit ich dich in meine Arme schließe!“
„Oh Ritter! Zu gern würde ich euch einlassen, doch kein Sterblicher verlässt diesen Turm, denn ist er zu hoch und hat keine Tore!“ rief sie ihm zu.
„Warte! Ich baue eine Leiter!“ erwiderte der Edelmann.
„Kein Hölzlein streift dies Gemäuer ohne zu verbrennen! Allein das Dornen gestrüpp am Fuß dieses Turmes wächst dort fern von Strafe!“
„Ich reite in meine Heimatstadt und lasse ein Gestellschmieden suchen, auf dass ich dich selbst in die Freiheit hole!“ rief er verzweifelt.
„Das härteste Metall schmilzt beim Streicheln an diesem unheiligen Gestein, doch warte Ritter! Mein Haar ist das kräftigste im Lande und so vermag es dich zu tragen, wenn du in einem Jahr und einem Tage wiederkommst. Dann ist es lang genug, um dich zu mir zu holen!“
„Für wahr, dies scheint der einzige Weg zu sein, doch will mein Herz nicht von deiner Seite weichen!“ seufzte der Edle.
Nach endlosen Verabschiedungen ritt der Edelmann von dannen und wartete darauf am vereinbarten Tag wieder zu kehren um seine Angebetete zu befreien.
Rapunzel jedoch grübelte darüber, wie sie in so kurzer Zeit ein so festes Tau aus Haaren spinnen sollte. Die Geschichte um ihr Haar wär gänzlich gelogen, doch wollte sie sich die Möglichkeit auf Flucht nicht verbauen und so kam sie auf einen gar teuflischen Plan.
Ihre Stimme mittlerweile zu solcher volle herangereift, dass selbst die Tiere ihrem Bann erlagen, erhob sich Woche um Woche über den nahen Wald. Sie sang ein Lied über den König der Katzen und wie er einst über die Erde herrschte.
Darüber geschmeichelt liefen alle Katzen die dies hörten hin zu jenem Turm und mit galanten Sprüngen begaben sie sich hin zur Fensterbank. Nichts ahnend lauschten sie der betörenden Melodie, bis ein schneller Schlag den Hinterkopf ihrem animalischem Dasein ein Ende setzte. Sie zog den Katzen ihr Fell über die Ohren und webte es in mühevoller Arbeit an ihrem alten Webstuhl zu einem langen Strick, das einem Zopf sehr ähnlich schien. Kräuter die ihr zum Essen beigegeben waren, nutzte sie nun um das Katzenhaar gülden zu färben, sodass es keinem mehr gelänge die wahre Herkunft dieses Schopfes zu benennen.
Nun war die genannte Frist verstrichen und der Ritter war pünktlich vor dem Turm erschienen.
„Rapunzel! Rapunzel, lass dein Haar herunter!“ rief er aufgeregt.
Der goldene Zopf flog stumm aus dem Fenster und klopfte dumpf an die Wand des Turms. Mit atemberaubender Geschwindigkeit hiefte sich der Befreier die Turmwand hinauf und schwang sich schließlich durch das Fenster in das Innere des Turms.
Der Atem stockte ihm ob des Anblicks der sich ihm bod. Überall klebte Blut an den Wänden, dem Boden und der Decke. Was er nicht wusste war, dass die Katzen nicht nur ihr Leben und ihr Fell lassen mussten, sondern dass das junge Mädchen herzhaft Stücke aus dem rohen Fleisch riss und verschlang, sodass sich nichtgeronnenes Blut über dem ganzen Zimmer verteilte.
„Was ist hier geschehen?“ fragte der Ritter, dem flau im Magen geworden war.
Rapunzel nach einer Erklärung suchend erwiderte aufgeregt:
„In meiner Sehnsucht nach dem Leben, erlag ich dem flehen nach den Tod. Doch diese tyrannische Hexe, die mich hier seit Jahren gefangen hält, heilte meine Wunden, um mich in Ewigkeit quälen zu können.“
Zur selben Zeit war besagte Hexe auf dem Weg zum Turm, da sie glaubte, endlich einen Weg gefunden zu haben, mit dem das Mädchen eine unschuldige Seele erhielte. Als sie jedoch am Fuße des Turm das angebunde Pferd sah und den aus dem Fenster hängenden Zopf erblickte, begriff sie, dass das Schicksal der bekannten Welt auf dem Spiel stand und so setzte sie zu einem gewaltigen Sprung an, der sie genau in den Fensterrahmen von Rapunzels Zimmer bringen sollte.
„Was tust du hier?“ zischte sie ihn an.
„Bist du die Hexe die meine Schöne gefangen hält? Nun denn ich bin gekommen, um sie aus ihrem Gefängnis zu befreien und sie zu meiner Frau zu nehmen.“ erwiderte er mit stolzgeschwellter Brust.
„Sei doch nicht närrisch!“schrie sie ihn an „Das ist kein junges Mädchen! Das ist der Teufel! Sobald du ihr die Ehe versprochen hast, kann weder Fluch noch Schwert sie bannen!“
„Glaub ihr kein Wort! Sie will dich nur in deinem Glauben schwächen, das was richtig ist zu tun! Mein Geliebter willst du mich zur Frau? Dann töte dieses Biest!“
Von ihrem Zauber so geblendet stürzte sich der Ritter wutentbrannt auf die Hexe und durchbohrte sie mit seinem silberglänzend Schwert. Das schwarze Blut der Zauberin spritzte ihm über das Gesicht und den gesammten Körper.
In diesem Akt der grenzenlosen Hingabe erweckte der Ritter die wahre, böse Natur in ihrem Innern.
Das goldene Haar wallte um ihr Gesicht, das zu einer lachenden Fraze verzogen war.
Ihre Füße lösten sich vom Boden und so glitt sie auf ihren Befreier zu.
„Dafür dass du mein wahres Selbst erweckt hast, werde ich dir einen schnellen Tod bereiten!“
Mit diesen Worten stieß sie ihn in Richtung Fenster, doch verhakte sich sein Fuß in einer Lasche am Kleid der Hexe. Ein kleines Fläschchen, das daran befestigt war, wurde durch den Raum geschleudert und zerbrach unter Rapunzel. Dorthin war auch die Blutlache der Hexe geflossen und als diese beiden Inkredienzien aufeinander trafen wurde Rapunzel von einem gleißendem Licht umfangen, um kurz darauf ganz zu verschwinden.
Nun löste sich die Lasche die den Ritter vor dem Absturz bewarte hatte und so viel er metertief.
Das letzte was er sah war eine sich nähernde Dornenhecke bevor er in das Reich der Bewusstlosigkeit eintauchte.
Als er wiedererwachte, war er in einer kleinen Hütte. Sie gehörte dem ansässigen Förster der ihn unter dem Turm liegen gesehen und mitgenommen hatte, um seine Wunden zu versorgen. Zum Leidwesen des Ritters war er geblendet, da seine Augen von Dornen durchbohrt worden waren.
Einige Tage verweilte er dort in dieser Hütte, um Kräfte zu sammeln. Kräfte, die er brauchte, um dieses Mädchen zu finden und zu töten, für all das was ihm widerfahren war.
Als er stark genug war zu reiten suchte er sich in der nahen Stadt einen Knappen und einen Führer, der ihn durch die Wälder bringen sollte, wo er Rapunzel vermutete. Da sie dort nicht zu finden war, zog das Dreigespann bald weiter und durchstreiften die Gefilde. Ob Wald oder Wiese, Stadt oder Land, überall hörten sie sich um, ob jemand ein Mädchen mit goldenen Haaren gesehen hatte.
Nun kamen sie in eine Stadt, in der es hieße ein weiblicher Geist wandle durch die nahe Wüste und jammere Tag und Nacht.
Der Ritter wollte dieser Spur nachgehen und so zog er mit seine Gehilfen in die alten Dünen dieses Landes. Vier Tage streiften sie umher bis eine süßliche Stimme das Rauschen der Sandstürme durchdrang. Die scharfen Ohren des Edelmanns erkannten die Stimme als die des Mädchen und so hielt er mit vollem Galopp darauf zu. Sein Knappe stürzte keuchend hinterdrein. Bald schon sah er eine weiäße Gestalt am Horizont. Als er näher kam, erkannte er das zarte Gesicht und das flatternde Haar im Wind, wie es ihm sein Herr geschildert hatte. So rannte zum Pferd des Ritters und rief seine Erkenntnis zu.
Sie schaute verängstigt drein, als sie die hassverzerrten Gesichtszüge des Ritters erblickte.
Wie auch damals bei der Hexe riss er sein Schwert aus der Scheide und stürmte auf den Platz zu von wo aus er das letzte mal die Stimme des Mädchens zu hören war.
Er schlug zu und wieder spürte er das warme Blut, das seinen gesamten Körper bedeckte. Als jedoch einige Tropfen seinen Augen berührten war er geheilt und konnte sehen.
Rapunzel lag auf dem Boden. Ihr weißes Kleid war blutdurchtränkt und sie lag im Sterben.
„Wer bist du?“ fragte sie ihn mit schwacher Stimme.
„Verhöhne mich nicht Weib! Ich war es der dich aus deinem Verließ befreite und dessen Herz du für deine Schändlichen Zwecke gebrochen hast!“
„Nichts von dem was du sagst, ist was mir im Sinne schwebt. Vor einigen Wochen erwachte ich hier und streifte fern meines Verstandes durch diese Dünen. Auf der Suche nach Antworten wer ich bin glaubte ich du könntest mir helfen, weil du so hastig auf mich zugeeilt kamst. Fürwahr diese Antwort war mehr als ich für möglich gehalten hätte.“
So starb das Mädchen in den Armen des Mannes und er wusste nicht wie er ob ihrer letzten Worte denken sollte.
Was er nicht wusste war, dass Rapunzel durch die Tinktur der Hexe geheilt wurde und als reine Seele wiedergeboren wurde, um das Leben zu führen, das ihr nie vergönnt sein sollte.
Alle Programmierern eingesperrt, jede Software pantentiert. Jetzt merkt ihr: Anwälte proggen nicht.
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Elli91 - 34
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Geschrieben am: 13.07.2008 um 21:31 Uhr
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Nicht schlecht, sehr interessant aber sehr traurig. =)
Was ich aber nicht verstehe, sind diese Zeilen:
Zitat von Iluron: Bald schon sah er eine weiße Gestalt am Horizont. Als er näher kam, erkannte er das zarte Gesicht und das flatternde Haar im Wind.
Der Ritter müsste doch blind sein, oder nicht?
Someday we gonna dance with those lions
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Iluron - 37
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Geschrieben am: 13.07.2008 um 21:35 Uhr
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Zitat von Elli91: Nicht schlecht, sehr interessant aber sehr traurig. =)
Was ich aber nicht verstehe, sind diese Zeilen:
Zitat von Iluron: Bald schon sah er eine weiße Gestalt am Horizont. Als er näher kam, erkannte er das zarte Gesicht und das flatternde Haar im Wind.
Der Ritter müsste doch blind sein, oder nicht?
Mh stimmt. Wieso ist das im Literaturforum nie jemand aufgefallen? O_o
Da muss ich wirklich was dran ändern^^ Danke
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Elli91 - 34
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Geschrieben am: 13.07.2008 um 22:59 Uhr
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Gern geschehen, schon besser
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Iluron - 37
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Geschrieben am: 14.07.2008 um 02:09 Uhr
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Zitat von Elli91: Gern geschehen, schon besser
Juhu :)
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