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Forum / Poesie und Lyrik

Egos Ballon

Iluron - 37
Champion (offline)

Dabei seit 06.2008
8878 Beiträge

Geschrieben am: 04.07.2008 um 02:56 Uhr

Eine Kurzgeschichte von ´06

Egos Ballon

Eigentlich wollte Ego nur in Ruhe gelassen werden. Doch immer wenn er ins nahe Dorf kam, um Einkäufe für seinen Herrn zu erledigen, wurde er beschimpft und mit Steinen beworfen. „Monster!“, nannten sie ihn. Wahrlich, seine Gestalt war nicht die eines Menschen, doch war er ein fühlendes Wesen und der Hass, der ihm von den Dorfbewohnern entgegenschlug, brach ihm jedesmal erneut sein Herz. Er versuchte die Steine nicht zu fühlen und die Rufe zu überhören, doch weinte er sich jede Nacht in den Schlaf. Er fragte sich wieder und wieder, warum gerade er ein drei Meter großes Ungetüm war, mit einem Geweih auf dem Kopf und einem Fell am Körper. Er wollte normal sein, doch so sehr er sich bemüht, so sehr wurde er von diesem „normalen“ Leben zurückgestoßen. Sein einziger Freund war sein Herr. So lief er wieder durch die versteckten Seitengassen des Dorfes, um möglichst unbemerkt zu den Geschäften zu kommen.
Als erstes hatte er eine neue Öllampe auf der Liste.
Als er den Laden betrat, wandten sich alle Anwesenden ab, oder begannen gleich wieder mit üblen Beschimpfungen.
Selbst der Ladenbesitzer tat seine Meinung über Ego kund, als er dessen Geld einstrich und ihm widerwillig eine schäbige Lampe reichte.
„Das muss dir reichen und jetzt verschwinde aus meinem Laden, du stinkst!“ rief er.
Geknickt ging Ego mit gesenktem Kopf durch die Tür ins Freie.
Nachdem er alles besorgt hatte und zahllosen Attacken über sich ergehen lassen musste kehrte er wieder in das Haus seines Herren zurück.
Sogleich ging er in die Küche und braute einen Tee, den er ans Bett des Hausbesitzers brachte, der seit einiger Zeit schwer krank war.
„Oh Ego, da bist du ja wieder. Hast du alles auf der Liste besorgt?“ fragte Hàzàq seinen Gefährten.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht reichte der Riese dem Kranken die Stofftasche mit den Besorgnissen.
Házáq blickte Ego an und flüsterte mit sorgenvoller Stimme: „Haben sich dich wieder beschimpft? Warum hältst du deine Hüfte? Zieh dein Hemd aus!“
Ohne ein Wort streifte er sein Hemd ab und dem alten Herrn trieb es die Tränen in die Augen.
Der Gesammte Körper des Giganten war mir blutigen Striemen. Blauen Flecken, Blutergüssen und Brandwunden bedeckt.
„Was haben sie dir nur angetan?“ schluchzte der alte Mann.
„Ich.. da... war ein... Mädchen. Sie hatte nen Ballon... der is... weggeflog`n... Ich wollt ihn holn... wollt ihn holn... Haben gesagt.. ich willl ihr weh tun... aber ich wollte ihr... nicht weh tun... Ich tu nichts!“ Ego stürzte weinend aus dem Zimmer und wie immer, wenn er für sich allein sein wollte, ging er in den Wintergarten des Hauses und kümmerte sich um seine Topfpflanzen. Die Nacht war bereits hereingebrochen und die letzten Tränen waren eben auf seinem Gesicht getrocknet, als es a der Haupttür pochte. Geschreih war zu hören und Ego wusste, dass es die Leute aus dem Dorf waren. Auch wenn er vielleicht schon wusste, was ihn erwarten mochte, so hielt ihn dies nicht davon ab zur Tür zu schreiten und sie einen Spalt weit zu öffnen, um hinauszulinsen.
Draußen stand ein dutzend Männer, mit Fackeln, Heugabeln und Knüppeln bewehrt und riefen:
„Da ist das Monster! Mörder! Bestie! Schnappt ihn!“
Sie stürmten auf die Tür zu und wollte ins Haus eindringen, doch Ego war stärker und drückte sie schnell zu. Er lehnte sich gegen die Tür und begann wieder zu schluchzen, denn in diesem Augenblick kamen die Erinnerungen an all die Schläge und Demütigungen hoch, die in seinem Leben widerfahren waren. Doch da wurde er aus seinen Gedanken gerissen, denn er vernahm berstendes Glas und sofort wusste was geschehen war. Die Dorfbewohner hatten begonnen Steine auf den Wintergarten zu werfen. Sofort erhob sich Ego und stürmte den Gang entlang, doch als er den mondlichtdurchtränkten Raum betrat, waren einige Männer ins Haus eingedrungen.
Darunter war auch der Bürgermeister und auf dem Arm hielt er das Mädchen, dem Ego heute Nachmittag den Luftballon wiederbringen wollte. Sie trug ein blutverschmiertes Sommerkleid.
Der Bürgermeister presste das Junge Mädchen fest an seine Brust und schrie:
„Du hast sie ermordet! Du hast meine Tochter ermordet! Bestie! Dafür wirst du brennen! Du wirst nie wieder einem Menschen etwas antun! Du bist ein Frevel an der Natur!“
„Ich habe... nicht... nein... ich hab nichts... was ist mit dem... Mädchen? Ist... sie... tot?“
stockte Ego.
Tränen rannen nun unaufhörlich über seine Wangen. Er ging einen Schritt auf den Bürgermeister zu, der mit einer Mischung aus Furcht und Zorn vorsichtig zurückwich.
„Ich... will ihr... was... schenken!“ sagte Ego mit zittriger Stimme. Er griff nach etwas, das rechts von ihm auf dem Tisch stand.
„Er hat eine Waffe!“ schrie einer der Männer und sofort begannen alle auf den Riesen einzuschlagen.
Unter dem unerträglichen Schmerz der sich durch seinen ganzen Körper zog, ging er auf die Knie.
Die Dorfbewohner warfen sich auf ihn, um ihn auf dem Boden festhalten zu können.
„Ich... will ihr etwas schenken!“ rief er nun mit deutlicher Wut in der Stiömme. Er bäumte sich auf und warf die Männer von seinem Rücken. Wieder ging er einige Schritte auf das tote Mädchen zu.
Nun aber nutzten diese „Gerechten“ die Gelegenheit, die sich dadurch ergab, dass Ego ihnen den Rücken zugewandt hatte, und rammten ihm mit aller Gewalt alles an spitzen Gabeln und Pflöcken zwischen die Schulterblätter.
Ego schrie so lauf auf, dass man es bis in das nahe Dorf hören konnte. Auch Házáq vernahm die Wehklagen seines Freundes und im Moment seiner größten Trauer verstarb der alte Mann und eine kalte Träne suchte sich seine Bahn durch dessen faltige Wange.
Ego war erneut auf die Knie gegangen und brach nun direkt vor dem Bürgermeister zusammen.
Er spürte den kühlen Boden an seiner linken Gesichtshälfte und durch den Schleier der seine Blick umfing, sah er das Mädchen, wie es vor ihm stand und ihm lachend zuwinkte. So schloss er seine Augen zum letzten mal.
Seine rechte Hand, die bei seinem Sturz auf den Füßen des Bürgermeisters gelandet war, öffnete sich nun und gab eine Pflanze preis, die leuchtend rote Blütenblätter in der Form eines Ballons besaß.

Alle Programmierern eingesperrt, jede Software pantentiert. Jetzt merkt ihr: Anwälte proggen nicht.

Boonsy - 33
Experte (offline)

Dabei seit 03.2008
1758 Beiträge

Geschrieben am: 05.07.2008 um 17:52 Uhr

wow. tolle Geschichte.

http://www.sysprofile.de/id183480

Iluron - 37
Champion (offline)

Dabei seit 06.2008
8878 Beiträge

Geschrieben am: 11.07.2008 um 01:12 Uhr

Zitat von Boonsy:

wow. tolle Geschichte.


Danke^^

Alle Programmierern eingesperrt, jede Software pantentiert. Jetzt merkt ihr: Anwälte proggen nicht.

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