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Forum / Poesie und Lyrik

Wie es ist nicht zu weinen

Iluron - 37
Champion (offline)

Dabei seit 06.2008
8878 Beiträge

Geschrieben am: 04.07.2008 um 02:11 Uhr
Zuletzt editiert am: 04.07.2008 um 09:13 Uhr

Eine sehr alte Minutennovelle von mir, Rechtschreibfehler bitte melden, falls ich noch welche Übersehen haben sollte:

Wie es ist nicht zu weinen

„Es war eine beschissene Welt“ dachte sich John auch diesen Morgen, als er mit blutverschmierten Armen vor seinem Badezimmerspiegel stand. Gerne stellte er sich die kleinen roten Rinnsäle vor, wie sie seinen Augen entspringend seine Wangen herniederfließen bis sie auf den kalten Boden trafen und in den Fugen versickerten. Für Immer.
Er stand dort oft viele Stunden und dachte darüber nach, was schief gelaufen war, was er anders hätte machen sollen, hätte machen können.
Er riss sich auch heute wieder von Spiegel los ohne eine Antwort auf seine endlosen Fragen gefunden zu haben, die sich wie glühende Metallstangen durch ihn bohrten.
Nachdem er sich das Blut von den Armen gewaschen hatte, verbarg er seinen geschundenen Körper unter einem schwarzen Anzug, griff sich seinen Autoschlüssel, setzte sich ins Auto und machte sich auf den Weg zum örtlichen Friedhof. Seine Großmutter war im Alter von 89 Jahren an Herzversagen gestorben.
„Viel zu früh!“ sagen die Angehörigen.
„Ganz friedlich!“ sagen die Ärzte.
„Ist mir egal!“ dachte sich John. Zu schämen versuchte er sich, ob dieses Gedankens, doch es gelang ihm nicht. Er hatte den Sinn für das Überschwängliche dieser Welt verloren. Wie der Körper an jeden Schmerz gewöhnt, hat sich auch John an dieses Dasein gewöhnt und verlernt wie man fühlt.
Weder Enttäuschung, Leid, Liebe oder Hass war im Stande zu empfinden. Zunächst war er erschrocken, denn es kam ihm nicht normal vor. Später verlor er auch den Sinn für das Normale und lebte fortan nur noch im Wissen, dass sein Leben nur den Sinn hat, sich selbst zu erhalten.
Nun war er hier auf dem Friedhof, seine Pflicht als Enkel erfüllend und wartete auf den Moment, bei welchem er sich nach Hause verziehen konnte. Gelangweilt betrachtete er den Sarg, wie er an ihm vorbei getragen wurde und in das Grab danieder ging.
Beim Leichenschmaus wurden noch rhetorisch unausgefeilten Lobeshymnen auf die Verstorbene gehalten, bevor sich die Gemeinschaft in den Tiefen der Nacht verlor.
Zuhause angekommen Ließ sich John in den bequemen Sessel fallen. Eine blutige Feder stach ihm wie immer ins Fleisch doch John spürte es nicht. Er zog sich die Schuhe und die Strümpfe aus und schaute auf die zerkratzten Waden.
„Hab ich dabei Schmerz empfunden? Gibt es Schmerz? Wenn ja, wo ist er? Wieso bleibt er mir fern?“
Er stand wieder auf, immernoch nachdenkend, doch nun gewillt etwas „normales“ zu tun und so ging er zum Bücherschrank. Ohne einen Blick darauf zu verschwenden griff hinein und zog ein Buch heraus. Interessiert was er gezogen hatte schaute John auf den Titel:
„Was es heißt ein guter Mensch zu sein.“
Zum ersten mal seit Monaten hörte er sich lachen. Es war ein sehr kaltes, zynisches Lachen, doch zumindest eine emotionelle Reaktion auf seine Außenwelt.
Festentschlossen schlug er das dünne weiße Buch auf und begann darin zu lesen.
Es berichtete von den biblischen Tugenden und der Rolle des Menschen im Staat, in der Familie und in sich selbst. „Schwer vorzustellen, dass das jemand glaubt.“ dachte sich John, als er damit geendet hatte und nun ergriff ihn ein Gedanke.
„Vielleicht hat das Buch Recht und ich passe einfach nicht in diese Welt? Nun wenn das so ist, dann werde ich sie wohl besser nicht weiter mit meiner störenden Anwesenheut behelligen.“
So ging er mit sicherem Schritt ins Bad holte sich eine Rasierklinge und setzte sich wenig später auf sein ungemachtes Bett. Ungerührt setzte er sich das kalte Metall auf seinen linken Innenarm und schnitt so kräftig er konnte, bevor er das gleiche mit dem rechten machte, wobei dies schwerer zu handhaben war, da seine Motorik gelitten hatte.
Nun legte er sich stumm auf sein Bett und wartete auf die Müdigkeit.
Und sie kam.

Alle Programmierern eingesperrt, jede Software pantentiert. Jetzt merkt ihr: Anwälte proggen nicht.

honeymaus92
Fortgeschrittener (offline)

Dabei seit 09.2005
42 Beiträge

Geschrieben am: 04.07.2008 um 06:35 Uhr
Zuletzt editiert am: 04.07.2008 um 06:36 Uhr

voll schön :)

also was heißt schön, geht ja nicht wirklich schön aus
aber ist interessant zu lesen & gut geschriben :daumenhoch:

hast du meehr davon ? :-)

ѕнє ∂яєω α нєαят ση тнє ƒяσѕтє∂ ωιη∂σω ωιтн нιѕ ηαмє ωяιттєη ιη тнє мι∂∂ℓє..«3

Junglist - 37
Halbprofi (offline)

Dabei seit 12.2006
363 Beiträge
Geschrieben am: 04.07.2008 um 06:46 Uhr

Rein sprachliche Kritik: Is ansich gut geschrieben, nur solltest du nicht so viele wechsel von altmodischer sprache (darnieder usw.) und gemeiner umgangssprache benutzen, das erweckt den anschein einer erzwungenen pseudo-lyrik!
zum Inhalt sag ich nichts, jedem das seine...
Iluron - 37
Champion (offline)

Dabei seit 06.2008
8878 Beiträge

Geschrieben am: 04.07.2008 um 07:07 Uhr

Zitat von Junglist:

Rein sprachliche Kritik: Is ansich gut geschrieben, nur solltest du nicht so viele wechsel von altmodischer sprache (darnieder usw.) und gemeiner umgangssprache benutzen, das erweckt den anschein einer erzwungenen pseudo-lyrik!
zum Inhalt sag ich nichts, jedem das seine...


Ja das Problem hatte ich zu der Zeit öfters noch gehabt.
Das waren damals meine ersten Versuche in Prosa.

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-LaDy-BlAcK-
Halbprofi (offline)

Dabei seit 08.2007
189 Beiträge

Geschrieben am: 04.07.2008 um 09:06 Uhr
Zuletzt editiert am: 04.07.2008 um 09:06 Uhr

ich finde es auch richtig gut
vom schreiben her finde ich eigentlich auch keine mängel
nur nen kleinen rechtschreibfehler
steht zwischen mitte und schluss

„Hab ich dabei Schmerz empfunden? Gibt es Schhmerz? Wenn ja, wo ist er? Wieso bleibt er mir fern?“

--> Schmerz
wir streben ja alle nach der perfektion ;-)



blablabla ..

Verena_95 - 30
Halbprofi (offline)

Dabei seit 07.2007
203 Beiträge

Geschrieben am: 05.07.2008 um 09:01 Uhr

ich finds echt schön geschrieben..aber wirklich sehr traurig...

Schlagsahne oder Schokosoße?

Iluron - 37
Champion (offline)

Dabei seit 06.2008
8878 Beiträge

Geschrieben am: 06.07.2008 um 14:01 Uhr

Zitat von Verena_95:

ich finds echt schön geschrieben..aber wirklich sehr traurig...


Danke :)

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