philo - 38
Halbprofi
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Geschrieben am: 24.02.2008 um 23:04 Uhr
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Hi! Ich versuch mich gradim Bücher schreiben, aber ich bin mir grad nicht so wirklich sicher ob das Thema, an dem ich mich versuch, was wird. Hab mir gedacht ich stell mal das erste kapitel rein, und damit die Frage an euch ob es lust auf mehr macht. Wenn nicht, kann ich es nämlich gleich bleiben lassen Seid nicht zimperlich! Freu mich aufs Feedback...
Ach ja: Ist eine erfundene Geschichte, es geht um Hermann, einen mitt-40er dem unten stehendes passiert.
Kapitel 1 - Abenddämmerung
Blaurot lag der Himmel über der Stadt. Eine unheimlich schöne Dämmerung legte sich über das Land und nahm ihm einen Teil der Trauer und Wut in seinem Herzen ab. Mittlerweile lag die Stadt aber schon wieder hell erleuchtet unter ihm in einem riesigen Lichtermeer. Zumindest die Teile der Stadt, die von der Regierung nicht vernachlässigt wurden und nicht im Sumpf der Slums versank. Mit dem aufsteigenden Mond verschwand aber die Schönheit der Dämmerung und machte der Dunkelheit platz. Auch in seinem Herzen. Der Zauber, der ihn so wohltuend gelähmt hatte verflog und mit ihm die Hoffnung. Das, woran er sein Herz in den letzten Stunden gehängt hatte. Die Hoffnung, dass es vielleicht doch nur ein böser Traum war oder sie sich nur verspätet hatte, den Bus verpasst hatte oder dergleichen. Aber nein, er war schon immer Realist gewesen, zumindest redete er sich das ein, und er musste den Tatsachen ins Auge blicken. Sie war weg, hatte ihn betrogen, ausgenutzt, ausgenommen und würde jetzt, da sie ihren teuflischen Plan beendet hatte, nicht wiederkommen. Thailand. Er hatte in den letzten Jahren angefangen dieses Land zu lieben, es war ja nicht mehr nur das Land gewesen, in dem er, wie so viele andere übersättigte Westeuropäer, ab und zu Urlaub machte und sich in billigen All-inclusive Hotels in eine Parallelwelt voller Alkohol, schönem Wetter und williger oder billiger Frauen flüchtete. Vielmehr war in diesem Land das für ihn unmögliche passiert: Er hatte sich einen kleinen Teil seines verloren gegangenen Traumes zurückholen können, ein Teil des Glücks, dass er so intensiv und doch so kurz in seiner Heimat erlebt hatte. Die Freiheit der gefühlten Jugend, ein neues Glück unter so vielen Unglücklichen. Jeder hatte ihn zu Anfang mehr oder weniger offen ausgelacht, als er seinen Freunden zuhause seine neue Frau vorstellte. Eine Thailänderin! Alle waren sie plötzlich hochgelehrte Psychologen oder Philosophen, die allesamt und gemeinsam von ihrer These überzeugt waren: Sie ist arm, jung, gutaussehend und angelt sich einen hässlichen alten Deutschen (der Teil der These der ihm am wenigsten gefiel: das war er), der sie in den Wohlstand führt. Alle wussten genauestens Bescheid über die Möglichkeiten der Liebe, und warum es die bei ihnen eben nicht gab. Aber was sieht ein Aussenstehender schon von einer Beziehung? Nur das, was nach aussen scheint. Und sie war doch so anders im Innern. In ihrem innern und im innern der Beziehung. Liebevoll, treu, verständnisvoll und vor allem: Sie war noch eine richtige Frau! Sie respektierte ihn als mann, und alles in allem war er sich ihrer Liebe zu 100 Prozent sicher, und davon überzeugte er auch letztlich seine Freunde. Diese Frau öffnete dann auch sein Herz für dieses Land. Und nun begann er es zu hassen. Noch mehr hasste er, dass sie alle Recht hatten! Alle seine Freunde waren im Recht, er hatte sich bis aufs Blut blamiert, und am Ende stellte er sich nun doch als das naive Kind heraus, das dasteht und bis zu letzt behauptet das sein Piratenfreund, mit dem es Nachts immer auf Abenteuerreisen geht, sehr wohl echt ist, und von seinen Eltern letztlich nur noch belächelt wird, weil sie sich sagen, es werde am Ende ja doch erwachsen und werde mit dem Kram irgendwann aufhören. Nun, es sah ganz so aus als wäre er nun endlich erwachsen geworden. Aber nun stand er da und schaute zum zweiten Mal in seinem Leben auf seine verlorene Liebe, auf diese verlorene, wiedergekehrte Jugend, und vermisste sie. Damals, als Kind, als er noch so unbeschwert vor sich hinspielte, da hatte er auch einen Freund. Er hatte den besten Freund den es gab. Er war Pirat. Wirklich! Und mit ihm als Spielpartner erkundete er die Welt ausserhalb der Vorstellungskraft und den Restriktionen, Gesetzen und Verwaltungsvorschriften des Elternamtes. Wenn er dann zu Mama und Papa zurückkehrte und sie ihn schon wieder schimpften wo er denn so lange war und warum er denn so dreckig sei grinste er nur verschmitzt und wurde früher oder später mit Hausarrest aufs Zimmer geschickt. So lief das immer in seiner Kindheit.
Und jetzt stand er vor ihrem dicken Pelzmantel, über den und über deren Besitzerin – seine Frau – er sich noch gewundert hatte, wo sie doch immer Tierfreund war. Noch mehr wunderte er sich dann, als sie mit diesem Mantel im Gepäck wieder nach Thailand gehen wollte. Wozu hatte sie in dieser Hitze einen Pelzmantel nötig? … Aber sie hatte doch soo Heimweh! Am meisten wunderte er sich aber über seine Dummheit und seine Naivität, als er nun vor dem zum Zwecke des Geldschmuggels vom Futter befreiten und mit großen Taschen versehenen Innenleben des Mantels stand. Blöd nur, dass er ihr 1 Wochen zuvor seine Geheimnummer nannte, damit sie mal wieder richtig einkaufen gehen konnte. Sie kam doch so selten raus, und mit alten sachen wollte sie ja auch nicht vor ihren alten Freunden in Thailand aufkreuzen. Er verstand das. Jetzt noch mehr als vor einer Woche. Töten wollte er, Rache schwor er! Den Weibern und diesem beschissenen Land! Raus wollte er hier! Aber er wusste genauso, dass eigentlich nicht mehr nach Deutschland zurück wollte. Diese Sache war zu viel der Schande. Was sollte er den Freunden, Kollegen und Verwandten sagen? Zugeben, dass sie allesamt Recht hatten und diese Frau, die er schon jetzt als den größten Fehler seines Lebens bezeichnete, ihn nach Strich und Faden ausgenutzt hatte?
Er schätze immer wie gründlich sie geputzt hatte, und er wusste, nicht den kleinsten Krümel hätte er gefunden hätte er jemals nachgesehen. Und so wusste er denn auch dass er jetzt absolut keinen Cent mehr auf dem Konto hatte. Jetzt stand er hier, mutterseelenallein in einem All-inclusive Hotel dritter Klasse, und wusste nicht was tun. Na ja, es hätte ihn auch schlimmer Treffen können, zum Beispiel wenn er hier jetzt nicht nur ohne Geld, sondern auch noch ohne Essen und ohne Flugticket dastehen würde. Zum ersten mal in seinem Leben bejubelte er den Pauschaltourismus innerlich. Kühl wurde es jetzt schon ein bisschen, und er wusste auch nicht wie lange er jetzt schon in der Dunkelheit vor dem offenen Fenster stand und eigentlich gar nichts tat als sich zu bemitleiden. Er schloss das Fenster und ging zur Minibar. Er trank ein paar Kurze und versuchte sich nebenbei ein bisschen mit Thailändischem Fernsehen abzulenken. Irgendwie musste er jetzt die restliche Woche des Urlaubs vertun, und er verspürte eine große Leere in sich aufsteigen wenn er an die viele Zeit dachte die er nun noch totzuschlagen hatte. Genervt davon, dass er kein Wort von dem verstand was die Süße Nachrichtensprecherin von sich gab, schaltete er den Fernseher ab und leerte den letzten Schnaps aus der Minibar in einem Zug. Als er zur Tür schwankte, stolperte er über einen Haufen Mini-Schnapsfläschchen und fiel. Entmutigt von dem frühen Scheitern seines geplanten Besäufnisses lehnte er sich gegen die Wand und zündete sich eine Zigarette an. Nicht einmal das schaffte er noch. So weit war es gekommen. Seit langer Zeit verlorengeglaubte Tränen begannen ihm aus den Augen über die Wangen und das Kinn zu laufen und kleine Flecken auf seinem Hawaii Hemd zu hinterlassen. Wie in Zeitlupe spürte er die kleinen Wassertropfen, wie sie langsam aber sicher ein kribbelndes, nervendes Gefühl auf seiner Haut hinterließen, welches ihn schon nach kurzer Zeit zur Weißglut brachte. Er stand auf und schaute sich um. Rastlosigkeit ergriff ihn und schließlich brachte er es über sich die Hoteltür zu öffnen und dieses Zeitloch hinter sich zu lassen. Er brauchte Bewegung, er konnte es plötzlich nicht mehr ertragen, dem "süßen" Nichtstun zu frönen, er war zu alt dazu, er war zu wütend dazu. Er musste einfach fliehen.
He's dead. You're crippled. I'm lost. Do you suppose it's always like that? I mean war.
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