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Für eine Nacht auf Rang 2

(MichaelH) - Unglaublich unglaublich unglaublich. Mit dem 4. Sieg in Folge hat sich ratiopharm Ulm mindestens für eine Nacht auf den 2. Tabellenplatz der Basketball-Bundesliga vorgearbeitet. Der 76:69 Sieg gegen den Tabellensechsten war hart umkämpft. Vor allem die Defensivreihen beider Mannschaften schenkten sich keinen Zentimeter auf dem Parkett. Kein Wunder, denn mit Rocky Trice und Keith Triplett haben beide Teams zwei der besten Verteidiger der Liga in ihren Reihen.

Während Ulm auf Center Sean Finn verzichten musste, fehlten bei den Gästen Center Oliver Miller und Guard Ben Jacobson. In der gut gefüllten Kuhberghalle begannen die taktischen Geplänkel schon zehn Minuten vor dem Sprungball. Mike Taylor hatte beim Ankreuzen der Starting Line Up kurzfristig umentschieden und Keith Triplett für den verletzten Sean Finn in die Startaufstellung berufen. Ein Umstand, der Göttingens Coach sichtlich zum Nachdenken anregte. Nach der emotionalen Mannschaftsvorstellung, bei der mit Kyle Bailey erstmals ein ehemaliger Ulmer mit einem gellenden Pfeifkonzert begrüßt worden war, ging es auf dem Feld erst einmal sehr hektisch zu. Ballverluste und vergebene einfache Wurfchancen auf beiden Seiten, aber ein Kampf auf Biegen und Brechen. Mit zwei Punkten von Ulms Kapitän Emeka Erege und einer 3 Punkte Führung (18:15) endeten die ersten zehn Minuten.

Das zweite Viertel stand ganz im Zeichen von Göttingens Bailey. Allerdings sicher nicht in seinem Sinne. Innerhalb von zwei Minuten sammelte er Foul Nummer 2 und 3 und in der Hektik wurde seine Auswechslung wohl vergessen. Wenige Sekunden später machte er in der 15. Spielminute sein 4. Foul und durfte unter dem Jubel der Ulmer Fans den Weg auf die Spielerbank antreten. 3 Ballverluste und nur zwei Punkte standen bis dahin in den Statistiken des ansonsten so zuverlässigen Aufbauspielers. Doch das war die Chance für seinen Vertreter John Little, der die ungewohnten Einsatzzeiten zu seiner bisher besten Leistung (14 Punkte) im lila Dress nutzte.

Das Momentum war nun trotzdem bei Ulm. Zwei Dreier des erneut starken Lee Humphrey sowie ein Dreier des sehr präsenten Basti Betz führten zu einer 8 Punkte Halbzeitführung (38:30). Bis dahin lagen die Ulmer gegen das bislang beste Reboundteam der Liga auch in dieser Kategorie mit 20:9 vorne.

Im dritten Spielabschnitt wankte der Gastgeber plötzlich. Göttingen kam immer wieder ran, doch immer wenn es eng wurde, traf das ratiopharm Team aus der Distanz. 41:37. Dreier Keith Triplett zum 44:37. 50:49. Dreier Dan Fitzgerald zum 53:49. 53:51 Dreier Dan Fitzgerald zum 56:51. Das änderte sich auch im letzten Spielabschnitt nicht. 58:56. Dreier Lee Humphrey zum 61:56. Die Ulmer Scharfschützen hatten genügend Platz, da Göttingen mit zwei, manchmal auch drei Spielern versuchte, die Kreise von „Mr. Incredible“ Jeff Gibbs unter dem Korb zu stören. Eine Taktik, die auch schon bei den Tübingern vor einer Woche nicht aufgegangen war. Da Ulms Trainer aber ebenfalls in der Taktik-Kiste gekramt hatte und mit Dru Joyce und Per Günther beide Point Guards gegen den Göttinger Druck zusammen aufs Feld ließ, verpufften die Bemühungen der Pressverteidigung. Als dann auch noch Romeo Travis sich mit einem krachenden Dunking und einem erfolgreichen Freiwurf zurück meldete, war der Widerstand der unglaublich athletischen Göttinger gebrochen.

Ulm setzte sich nun immer mehr ab, auch wenn Kyle Bailey inzwischen aufs Feld zurückgekehrt war. Nicht lange allerdings, dann besiegelte sein 5. Foul einen frustrierenden Abend an alter Wirkungsstätte. Nach zwei erfolgreichen Freiwürfen von Dru Joyce zum 68:59 knapp zwei Minuten vor dem Ende war das Spiel entschieden. Da konnte man es sich sogar noch erlauben 5 Freiwürfe in der Schlussminute zu vergeben. Dafür freuten sich die beiden 18-jährigen Talente der Ulmer. Nemaja Kekic und Cedric von Düring durften in der Schlussminute aufs Spielfeld. Dass sich beide auch noch in die Korbschützenliste eintragen durften, war das Sahnehäubchen auf einen perfekten Nikolausabend in der wieder einmal fantastischen Kuhberghölle.

Alle zwölf eingesetzten Ulmer Spieler hatten in dem Spitzenspiel Punkte erzielt. Da beteiligte sich auch der Ex-Ulmer Bryan Lucas, der mit viel Beifall und Sprechchören von den Fans begrüßt worden war, an den minutenlangen Ovationen. Der in Österreich spielende Center besuchte mit seiner Frau Jane und dem in Ulm geborenen Hudson mit Wehmut die letztjährigen Teamkollegen. Auch Sean Finn strahlte nach dem Spiel über das ganze Gesicht. Die Mannschaft hatte wieder einmal bewiesen, wie tief man diese Saison besetzt ist. Den größten Jubel gab es in der Kabine, als Mike Taylor zur Feier des Tages zwei Tage frei gab. Doch trotz freiem Tag wird die Mannschaft heute bei der Weihnachtsfeier der Fanclubs geschlossen auftreten, um sich so auch für die tolle Stimmung auf den Rängen zu bedanken. Denn bei dem Tabellenstand fällt einem momentan nur ein berühmter Sprung aus einer unbedeutender Sportart ein: Ja ist denn heut´ schon Weihnachten.


Homepage von ratiopharm Ulm
Bilder: Michael Hoffmann

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