Wie der "Lich King" nachts Ulm eroberte
(Odin0815) - Mittwoch, 12.11.2008, halb elf Uhr nachts. Normalerweise ist um diese Uhrzeit kein Mensch mehr in dem Elektronikmarkt an der Blaubeurer Straße – heute haben sich hunderte von „World of Warcraft“-Spielern versammelt. Sehnsüchtig warten sie auf Mitternacht, denn dann darf offiziell die neuste Erweiterung „Wrath of the Lich King“ verkauft werden. Schon lange vor dem Verkaufstart werden die Spieler mit warmem Tee versorgt und auf einer Videoleinwand mit WoW-Trailern heißgemacht.
„Wir wollen die Wartezeit für die Kunden so erträglich wie möglich gestalten, das gehört mit zu unserem Service“ versichert Geschäftsführerin Backhaus. Schon um 18 Uhr begannen rund 20 Mitarbeiter mit den Vorbereitungen. „Erwartungen im Vorfeld, wie viele Menschen kommen würden, hatten wir nicht, aber wir sind auf alles vorbereitet und haben mehr als genug Exemplare, damit auch jeder sein Spiel bekommt.“
Im Februar 2005 hatte die Spieleschmiede Blizzard „World of Warcraft“ veröffentlicht. Mittlerweile rund elf Millionen Spieler machen es zu dem erfolgreichsten „Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel“ (MMORPG) aller Zeiten, mit einer riesigen Fangemeinschaft auch hier in Deutschland. Nach „Burning Crusade“ ist „Wrath of the Lich King“ die zweite Spielerweiterung, die den Spieler auf den Kontinent „Nordend“ führt. Der Spieler hat die Wahl, sich einer der zwei verfeindeten Fraktionen (Horde und Allianz) anzuschließen, und wird gleich nach dem Spielstart mit diversen Aufgaben durch die umfangreiche Story des Spieles geführt. Man hat die Möglichkeit, mit anderen Spielern zu handeln, kämpfen oder einfach nur gemeinsame Abenteuer zu bestreiten. Allerdings nicht für umsonst: Neben dem Verkaufspreis des Spieles und der Erweiterungen fallen noch monatlich rund 13 Euro „Abonnementgebühr“ an, aber auch Extras wie die Umbenennung des eigenen virtuellen Charakters lässt sich Blizzard Entertainment teuer bezahlen.
Auch Michael, begeisterter Allianzspieler aus Memmingen, wartet schon seit zwei Stunden vor dem Media Markt. „Bei uns in Bayern gibt’s sowas nicht, wegen des Ladenschlussgesetzes, da bleibt uns nichts anderes übrig als hierher zu kommen.“ Mit WoW zu spielen angefangen hatte er, nachdem Arbeitskollegen ihm täglich davon vorschwärmten. Und aus einer Spielerei wurde ein zeitintensives Hobby. „Am Anfang musste die Freundin schon mal zurückstecken oder ich war für mehrere Stunden nicht erreichbar, wenn ich zum Beispiel raiden („auf Raubzug“) war.“ meint er etwas kleinlaut. „Doch mittlerweile kann sie sich auch dafür begeistern und ist in unserer Gilde die beste Heilerin.“ Kaum hat er erwähnt, dass er auf der Seite der Allianz spielt, hört man hinter ihm den lautstarken Kampfruf „Für die Horde, für die Horde“ der sich prompt in der Menge verbreitet. Rivalitäten gebe es nicht, so Michael, das trage man in Arenen im Spiel selbst aus. Vielmehr verstehe man sich als riesige Gemeinschaft, die dem gleichen Hobby nachgeht.
Nachtrag: Innerhalb der 2 Stunden, in denen der Media Markt offen hatte, wurden über 700 "Wrath of the Lich King" verkauft.
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