Die Basketballgötter müssen verrückt sein
(Frohike) - Die 3000 Zuschauer in der ausverkauften Artland Arena erlebten ein durch und durch verrücktes Spiel, das wieder einmal beste Werbung für den Basketball war. 30:13 führte ratiopharm mit einer sensationellen Leistung nach zehn Minuten. Als zu Beginn des zweiten Viertel Dan Fitzgerald (insgesamt vier erfolgreiche Distanzwürfe) einen weiteren Dreier in Richtung Quakenbrücker Korb abfeuerte, ertönte ein Pfiff der Schiedsrichter. Während Ulms Scharfschütze bereits auf dem Weg zur Freiwurflinie war, um die drei Freiwürfe auszuführen, entschieden die Unparteiischen auf Flopping, was in etwas Vortäuschen eines Fouls bedeutet und mit einem technischen Foul bestraft wird. Statt drei Freiwürfe für Ulm also zwei für Artland und zusätzlich auch noch Ballbesitz, den Thorsten Leibenaths Mannschaft zu fünf Punkten nützte. Die bis dahin schläfrigen Drachen waren nun aufgewacht und heizten den Gästen gehörig ein. 30:14 ging das zweite Viertel an die Quakenbrücker und der Ulmer Vorsprung betrug zur Halbzeit nur noch einen einzigen Punkt (44:43).
Auch das dritte Viertel gehörte den Gastgebern, vor allem der Euroleague erfahrene Adam Hess war nicht zu stoppen. ratiopharm Center Sean Finn war es zu verdanken, dass sich Ulm weiter in Schlagweite befand. Seine Mitspieler verwickelten sich viel zu oft in Diskussionen mit den Schiedsrichtern, anstatt sich weiter auf das Spiel zu konzentrieren. 9 Punkte betrug der Rückstand vor den letzten zehn Minuten und die Drachenfans feierten bereits den vierten Sieg ihrer Mannschaft in Folge. Doch vier Minuten später stand es nur noch 71:76 und es begann das große Zittern in der Samtgemeinde.
Ulm erwies sich wie schon in Oldenburg als hartnäckiger Gegner und insgesamt doch als guter Gast. Immer wieder vergab man die Freiwürfe und verschenkte so die Chance weiter zu verkürzen. Doch trotz der erneuten Schwäche an der ominösen Linie kämpfte sich Mike Taylors Team bis zwei Minuten vor dem Ende auf nur noch 2 Punkte (77:79) ran. Bis eine Minute vor dem Ende hatte man viermal die Chance zum Ausgleich, doch der Ball wollte nicht durch die Reuse fallen. Als Romeo Travis 50 Sekunden vor dem Ende nur einen von zwei Freiwürfen zum 80:81 verwandelte, hatte man immer noch genügend Zeit die Begegnung beim Pokalsieger des Vorjahres für sich zu entscheiden. Doch das 5. Foul von Jeff Gibbs beim Dreierversuch von Chad Prewitt schien die Vorentscheidung. Doch auch er verwandelte nur einen von drei Freiwürfen zum 82:80. Erneut die große Chance für Ulm in Führung zu gehen oder wenigstens auszugleichen. Dru Joyce war der Unglücksrabe, der den letzten Wurf nicht unterbrachte. Das anschließende Foul an Artlands McIntosh bedeutete das Ende der Hoffnungen, denn er verwandelte beide Freiwürfe eiskalt zum 84:80 Endstand. Erneut hatte man eines der Topteams der Liga in deren Halle am Rande einer Niederlage. Erneut musste man nach einer tollen Leistung am Ende Lehrgeld zahlen. Es ist zwar kein Beinbruch, wenn man auswärts gegen den Tabellenzweiten und Dritten bis zuletzt eine Siegchance hat und dann knapp verliert, aber die Mannschaft war in der Kabine äußerst frustriert, dass man sich erneut selbst um den Lohn der guten Arbeit gebracht hatte.
Jetzt soll am Freitag ein Sieg gegen Giessen her. Nachdem die Hessen zuletzt zwei ihrer drei Spiele gewonnen haben, darf man die finanziell angeschlagenen Hessen auf keinen Fall unterschätzen. In der Ulmer Kuhberghalle haben dann vielleicht die Basketballgötter auch mal wieder ein Einsehen mit der jungen ratiopharm Truppe. Oder man trifft „einfach“ seine Freiwürfe. Das würde vieles einfacher machen.
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