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Zitterpartien am Pokertisch

(Frohike) - Bernd schwitzt. Der 25jährige ist gerade „All In“ gegangen und hat all seine Pokerchips gesetzt, obwohl er nur zwei Zweien – das niedrigste mögliche Paar – auf der Hand hat. Steigt sein Gegenspieler aus, oder durchschaut er den Bluff? Der hat zwei Bildkarten vor sich liegen, zögert kurz und geht schließlich mit. Die Spannung steigt, nacheinander werden fünf weitere Karten aufgedeckt. Ist unter ihnen noch ein Bube oder ein König, ist Bernds Einsatz dahin und das Spiel für ihn gelaufen. Die letzte Karte wird aufgedeckt, Spieler und Zuschauer halten den Atem an – weder König noch Bube, „Straight“ kündigt der Croupier an: Die Karten in der Mitte des Spieltischs bilden mit Bernds Zwei eine Straße, der ganze Pot gehört ihm. Erleichtertes Aufatmen, das Spiel kann noch eine Weile weitergehen.

Diese Szene spielt sich nicht etwa in einer Spielbank oder in einem verrauchten Hinterzimmer ab, sondern in der Illertisser „Clubbar West“. Die Veranstalter von „Pokerboom“ folgen der wachsenden Beliebtheit des Kartenspiels; nachdem die Übertragung von internationalen Pokerturnieren auf deutschen Sportsendern schon längst Alltag ist, hält der Casinotisch nun auch in bundesdeutsche Bars Einzug. Auf Glücksspiele mit Geldausschüttung hat zwar der Staat das Monopol und verteidigt es auch rigoros, die Veranstalter bedienen sich jedoch desselben Kunstgriffs, der schon seit Jahrzehnten beispielsweise bei Schafkopfturnieren gang und gäbe ist und loben lediglich Sachpreise für die Gewinner aus. Die Sieger der Qualifikation in der Clubbar ziehen ins Finale um eine Reise in die Karibik – so ist die Legalität gewahrt, und für die Teilnehmer besteht trotzdem ein Anreiz zur Teilnahme. Einigen Spieler ist das jedoch gar nicht so wichtig, ihnen geht es rein um den Spaß am „Texas Hold'Em“, der Pokervariante, die hier gespielt wird. Für den 44jährigen Ufuk aus Dornstadt ist die Faszination für dieses Spiel leicht erklärt: „Es ist immer so eine Spannung da: Die Karten wechseln ständig, und man muss wissen, wann das richtige Timing ist, um setzen zu können. Man kann unheimlich viel mit Strategie machen, man kann die Leute aber auch unter Druck setzen.“

Ein anderer Spieler hat sich wohl gerade zu sehr unter Druck setzen lassen und sein gesamtes Spielgeld mit einem schlechten Blatt verspielt, prompt eilt er zur Turnierleitung und meldet sich für einen zweiten Tisch an. Erste Zeichen von Spielsucht? „Ich sehe da schon ein Suchtpotential, das ist ja auch das Argument der staatlichen Casinos, warum sie das nicht in privaten Händen sehen wollen“, sagt ein anderer achselzuckend. „Aber mal ehrlich, das bisschen Kinowerbung, das die machen, ist auch keine echte Suchtprävention. Die wollen sich ja nicht selbst das Geschäft verderben.“ Ähnlich sieht es auch Niko Arkadinos, der Geschäftsführer von Pokerboom. „Wenn wir sehen, dass jemand sich immer wieder neu anmeldet, nehmen wir den schon beiseite. Zudem kann er bei uns ja nicht wie im Casino horrende Beträge verspielen – maximal ist er die Startgebühr los.“

Horrende Beträge hat auch Bernd an diesem Abend nicht verspielt. Ein wenig Glück, die richtige Strategie und ein überzeugendes Pokerface haben ihm am Ende sowohl die Qualifikation für das Gesamtfinale als auch den zweiten Platz im Tagesfinale gebracht – es kann also weitergehen.

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