|
Community
Szene & News
Locations
Impressum
|
Als Freiwilliger bei der WM
(Frohike) - Das Fußballfieber hat die Bundesrepublik erfaßt. Seit drei Wochen rollt nun schon der Ball in den WM-Stadien Deutschlands, und der Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden“ hat sich als mehr als nur eine leere Floskel erwiesen. Friedlich feiernde Fans aller Nationen allerorten, WM-Parties in jeder Stadt, und nicht zuletzt natürlich die Spiele selber sorgen für Stimmung und verbinden ganze Kontinente.
Für das Gelingen letzterer sorgen unter anderem auch freiwillige Helfer, sogenannte „Volunteers“. 1000 von ihnen sind in der WM-Stadt Stuttgart eingesetzt – darunter auch unser Teammitarbeiter Mario „Uecky“ Ueck. Wir haben ihn telefonisch zu seinen Erfahrungen vor Ort interviewt.
TU: Mario, wie kommt man eigentlich überhaupt auf die Idee, sich als Freiwilliger für die WM zu melden?
Mario: Naja, auf die Idee... eigentlich wollte ich ja nur Tickets für die Spiele haben, aber das war ja beinahe aussichtslos. Also habe ich zusammen mit einem Kumpel beschlossen, daß wir uns freiwillig melden – mehr als schiefgehen kanns ja nicht.
TU: Ganz so einfach ging das aber sicher nicht, oder?
Mario: Nein, da war vorher schon einiges zu tun. Erst einmal mußte man sich auf der Website der FIFA mit einem endlosen Formular bewerben, bei dem man alles mögliche von der Motivation für den Job über die Haarfarbe bis zur Schuhgröße angeben musste. Das war im März 2005. Im Oktober 05 haben die von der FIFA dann 2000 Bewerber für Stuttgart angerufen und zu einem Gespräch eingeladen. Von denen haben dann 1000 Leute im Frühjahr eine Zusage bekommen – ja, und einer von denen war eben ich...
TU: Na dann mal Glückwunsch für die erhaltene Zusage! Was ist denn deine Aufgabe vor Ort, gibt es da feste Einteilungen oder ist jeder „Mädchen für Alles“?
Mario: Es gibt so um die zehn verschiedene Aufgaben, die man machen kann, von Logistik über IT, Information, Ticketing, Fahrdienst und einigen anderen bis hin zum Sicherheitsdienst. Die Aufgaben sind in der Regel fest eingeteilt, ich selber mache Sicherheitsdienst...
TU: Mit schwarzer Jacke und Sonnenbrille?!
Mario: Nein, natürlich nicht. So einen, äh, Rausschmeißer haben wir zwar dabei, aber meine Aufgabe ist es, den Gästen ihre Plätze zu zeigen und ihr Ansprechpartner zu sein.
TU: Deutschland ist im Fußballfieber, selbst in Ulm ist Partystimmung – setzt das im Stadion noch einen drauf?
Mario: Auf jeden Fall! Die Stimmung ist einfach unbeschreiblich! Ich muß dazusagen, daß ich bisher bei allen sechs Spielen immer die Fans derjenigen Mannschaft im Block hatte, die hinterher auch gewonnen hatte, da war hinterher natürlich sowieso Party angesagt. Aber selbst die Verlierer feiern mit – da liegen sich Kroaten und Australier in den Armen, die einen feiern mit den anderen...
TU: ... und mittendrin die Deutschen?
Mario: Oh ja. Ich kann nur sagen, diese – total perfekt organisierte – WM tut Deutschland gut. Diese Aufbruchstimmung und dieses positive Feedback, das ich bisher von wirklich jedem bekommen habe, das ist wirklich klasse. Jeder hat Schwarz-Rot-Gold am Auto, das habe ich bisher noch bei keiner WM gesehen.
TU: Wie sind denn die Reaktionen der ausländischen Fans?
Mario: Die sind echt toll. Wir weisen die Gäste mit Kategorie-1-Karten ein, Gegengerade Mitte. Die kommen da hin und haben meistens keine Ahnung, was für geile Plätze sie da haben – dann gehen sie die Treppe hoch, sehen diesen hervorragenden Blick aufs Spielfeld und werden von uns persönlich mit einem Lächeln begrüßt und zum Platz begleitet. Das muss schon klasse sein – wir werden von so gut wie allen mit Handschlag verabschiedet und bekommen ein total super Feedback von den Leuten. Die freuen sich wirklich, bei dieser Megaveranstaltung mit so einer genialen Stimmung dabeigewesen zu sein. Mit den Australiern haben wir von 23 bis 07 Uhr gefeiert, und wie gesagt, selbst die Fans der Verlierermannschaft waren dabei...
TU: Was nimmst du denn persönlich aus diesem Erlebnis mit?
Mario: Das ist sicher etwas, wovon ich noch meinen Enkeln erzählen werde. Ich habe das Glück, alle Spiele in Stuttgart zu sehen, bis hin zum Spiel um Platz drei am Tag vor dem Finale. Unter uns Freiwilligen gibt es einen riesigen Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn, man lernt interessante Leute kennen, feiert, und hat nicht zuletzt auch die Gelegenheit, sein Land auf positive Weise zu vertreten. Man muß sich das vorstellen, du repräsentierst für die Gäste die Bundesrepublik Deutschland! Das ist unbeschreiblich...
TU: Schon wieder „unbeschreiblich“ ;-)
Mario: Ist es auch. Ich glaube, im Moment realisiere ich das noch gar nicht so richtig. Nach dem letzten Spiel werde ich wahrscheinlich erst einmal heulen, weil eine absolut geile Zeit vorbei ist. Aber so richtig kapieren werde ich das wahrscheinlich erst, wenn ich in einem halben Jahr die Videos anschaue, die ich ständig drehe.
TU: Na dann wünschen wir dir auch weiter eine gute Zeit bei den restlichen Spielen!
Mario: Danke, die werde ich auf jeden Fall haben!
TU: Vielen Dank für das Interview.
<<< zurück
|