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Zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht: „Die Ermittlung“

(Frohike) - „Wer das getan hat, der ist zu allem fähig“. Mit dieser Prognose - nach den Ereignissen der Reichspogromnacht 1938 - sollte der Schriftsteller und Journalist Ralph Giordano Recht behalten. Was mit den brennenden Synagogen und den zerstörten jüdischen Geschäften begann, erreichte seinen unvorstellbaren Höhepunkt im Vernichtungslager von Auschwitz.

Peter Weiss hat die Protokolle des Frankfurter Auschwitz-Prozesses von 1963 bis 1965 in seinem Dokumentarstück „Die Ermittlung - Oratorium in 11 Gesängen“ für das Theater verarbeitet. Das 1965 gleichzeitig an 14 deutschsprachigen Bühnen uraufgeführte Stück gilt als ein Markstein der Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Konfrontation von Zeugen und Angeklagten wird bei Weiss zu einem sachlichen Dokument des Schreckens. Indem der Autor die nicht darstellbaren Geschehnisse im Lager nüchtern und emotionslos wiedergibt, verlagert er die beabsichtigte Wirkung auf die Emotion des Zuschauers.

Zum 70jährigen Jahrestag der Reichspogromnacht stellt das Theater Ulm am Sonntag, 9. November, um 17 Uhr "Die Ermittlung" in einer szenischen Lesung (Textfassung: Volkmar Clauß, Leitung: Andreas von Studnitz) im Großen Haus vor. An der Lesung sind neben dem Schauspielensemble auch weitere Mitglieder aus verschiedenen Sparten des Theaters Ulm beteiligt. Der Erlös der Veranstaltung (EUR 5,- auf allen Plätzen) wird für den Neubau der Ulmer Synagoge zur Verfügung gestellt. Nach der Veranstaltung ist das Publikum eingeladen, mit den Mitarbeitern des Theaters zur nachfolgenden Gedenkversammlung auf den Weinhof zu gehen.

Der Autor

Peter Weiss wurde 1916 in der Nähe Berlins geboren. Seine Familie war vom Judentum zum Christentum konvertiert. Sie musste 1935 vor den Nationalsozialisten nach England fliehen. Auf Anraten von Hermann Hesse, einem Freund des Vaters, studierte Peter Weiss von 1937 bis 1938 an der Kunstakademie Prag. Ab 1939 lebte er in Schweden und nahm die schwedische Staatsbürgerschaft an. Große Bekanntheit erlangte Peter Weiss mit seinen Erzählungen „Der Schatten des Körpers des Kutschers“ und „Abschied von den Eltern“, mit seinem Hauptwerk „Die Ästhetik des Widerstands“ und seinen politischen Bühnentexten „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspieltruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade“ und mit DIE ERMITTLUNG. Er starb 1982 in Stockholm.

Der Anlass

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Deutschland zahlreiche Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen in Brand gesteckt und zerstört. Etwa 400 Menschen wurden in dieser Nacht ermordet oder in den Tod getrieben. Am 10. November wurden etwa 30.000 jüdische Mitbürger inhaftiert und in Konzentrationslager verbracht. Die Pogrome des November 1938 markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden zur Verfolgung, die im Holocaust in den Folgejahren ihren Höhepunkt fand.
Auch die Ulmer Synagoge am Weinhof wurde in dieser Nacht zerstört. Sie wurde von SA-Leuten in Zivil an mehreren Stellen gleichzeitig angezündet und im Innern schwer beschädigt. Noch im gleichen Jahr wurde die Ruine abgerissen.

Die Ermittlung
Oratorium in 11 Gesängen von Peter Weiss
Szenische Lesung : 09.11.2008, 17 Uhr, Großes Haus
Mit dem Schauspielensemble und Mitgliedern des Theaters Ulm aus verschiedensten Abteilungen
Leitung: Andreas von Studnitz
Dramaturgie/Textfassung: Volkmar Clauß

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