|
Community
Szene & News
Locations
Impressum
|
Zum 100. Geburtstag von Herbert von Karajan
(Frohike) - Er zögerte so lange, bevor er sich an die schwierige und durch Beethoven so nachhaltig geprägte Gattung der Sinfonie wagte – Johannes Brahms ließ 43 Jahre auf seine erste Sinfonie warten und entgegen seinen Erwartungen gelang ihm sofort mit seinem Erstlingswerk ein großer Erfolg. Nachdem in der vergangenen Saison seine 3. Sinfonie zu hören war, spielt das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm unter dem Taktstock von GMD James Allen Gähres zur Konzertsaisoneröffnung am 30. September 2008 zwei weitere seiner insgesamt vier Sinfonien: Die 4. Sinfonie, e-moll, op. 98, und die 2. Sinfonie, D-Dur, op. 73.
Mit seiner eigenen Klangsprache, seiner formalen Anlage und seinen kaum enden wollenden Melodien prägte Brahms die Gattung der Sinfonie im 19. Jahrhundert so nachhaltig, wie er es sich selbst wohl nie erträumt hätte. Lyrische Melodik, ein grimmiges Scherzo und die taumelnde Coda reißen den Hörer immer wieder mit, weg von der logischen formalen Gestaltung, hin zur musikalischen Begeisterung.
4. Sinfonie, e-moll, op. 98Die vierte Sinfonie e-moll, op. 98 ist Gipfel und Endpunkt des orchestralen Œvres von Johannes Brahms. In ihr kulminieren und verbinden sich noch einmal jene beiden Kompositionsprinzipien, die charakteristisch für sein ganzes Schaffen sind: Brahms‘ Variationstechnik und seine Rückwendung zu alten Formen, in denen er Werke gleichsam verankerte.
Brahms‘ letzte Sinfonie entstand in den Sommermonaten der Jahre 1884 und 1885 in Mürzzuschlag am Semmering, wobei – einer Kalendernotiz zufolge – der Schlusssatz dem Scherzo vorausging. Die Uraufführung erfolgte am 25. Oktober 1885 durch das Meininger Hoforchester unter Brahms‘ eigener Leitung.
Wie bestürzend ungewohnt das über alle traditionellen Vorstellungen von Gestalt und Gestus einer Sinfonie radikal sich hinwegsetzende Werk für die Zeitgenossen geklungen haben muss, lässt sich aus der zurückhaltenden bis ratlosen Reaktion von Brahms‘ Freundeskreis ablesen. In der Tat sind die gedankliche Konzentration, die Verdichtung der motivisch-thematischen Arbeit, die konstruktive Verklammerung der Sätze untereinander in der 4. Sinfonie beispiellos und reichen an die Grenzen dessen, was dem späten 19. Jahrhundert möglich war. Was Arnold Schönberg später in Brahms einen „Fortschrittlichen“ erkennen ließ, die „entwickelnde Variation“ – in diesem Werk ist sie in reinster Form verwirklicht.
2. Sinfonie, D-Dur, op. 73Nach dem hart errungenen Durchbruch als Sinfoniker ganz eigener Qualität in der 1. Sinfonie schrieb Brahms im Sommer 1877 in Pörtschach am Wörthersee binnen kurzer Zeit die Partitur der 2. Sinfonie. Die Uraufführung im Musikvereinssaal zu Wien wurde zu einem der größten Triumphe in der Laufbahn des Komponisten. Man hat die 2. Sinfonie oft mit Beethovens „Pastorale“ verglichen, aber dieser Vergleich negiert die Unterschiede der kompositorischen Ausgangslage. Der Tonfall der Gelöstheit, die stellenweise liedhafte Melodik, die der Sinfonie eigen sind, täuschen nicht darüber hinweg, dass Brahms bereits in der 1. Sinfonie praktiziertes Prinzip des Wachsens sinfonischer Verläufe aus einem allgegenwärtigen Motivkern in der Zweiten womöglich noch konsequenter verwirklicht wird.
Die Exposition des ersten Allegros entfaltet eine Überfülle thematisch-motivischer Gedanken; angefangen vom gesangvollen Hauptthema, mit dem das Werk in den Hörnern anhebt, bis zum schwelgerischen Seitenthema, das von Bratschen und Celli angestimmt, von Flöten und Oboen aufgegriffen wird. Dennoch fungiert als konstruktives Gerüst ein unscheinbares Dreier-Motiv, das im ersten Takt dem Hauptthema vorausgeht. Es erscheint im Verlauf des Satzes immer wieder; vergrößert, verkleinert, in rhythmischen Veränderungen.
Auch in den folgenden Sätzen herrscht eine dichte motivische Einheit innerhalb der Sätze. Diese Einheit entspringt in den Mittelsätzen direkt der zu Grunde liegenden Form, einem dreiteiligen Liedsatz und einer variierten Liedform, ist im Finale aber wieder der kompositorischen Errungenschaft Brahms’ zuzuschreiben. Hier wird die thematische Einheit auch über die Satzgrenzen hinausgeführt und schließt so den Bogen zum ersten Satz. Das weit ausholende, von den Unisoni-Streichern piano eingeführte Hauptthema des Finales, entwickelt aus dem Dreiton-Motiv des Kopfsatzes, wird zum Auslöser eines sinfonischen Prozesses, der durch zahllose motivische Abspaltungen und Umformungen von geradezu rigoroser Dichte ist.
1.Philharmonisches Konzert am 30.09.2008 um 20 Uhr im CCU
Gedenkkonzert zum 100. Geburtstag von Herbert von Karajan:
Johannes Brahms (1833 – 1897):
4. Sinfonie, e-moll, op. 98
2. Sinfonie, D-Dur, op. 73
Matinée: 28.09.2008, 11 Uhr, Foyer / Offene Hauptprobe für Schüler: 29.09.2008, 18 Uhr, CCU / Termin: 30.09.2008, 20 Uhr, CCU
Philharmonisches Orchester der Stadt Ulm
Dirigent: GMD James Allen Gähres
Mit dem Konzert hat das zwar nichts zu tun, es sei aber an dieser Stelle auf das Befreiphone von Gerrit van Aaken hingewiesen. Nicht fragen, nur wundern ;)
<<< zurück
|