"Eine florentinische Tragödie / Herzog Blaubarts Burg"
() - Am 19.09.2002 war die
Premiere am Ulmer Theater für die Doppelaufführung zu „Eine florentinische Tragödie / Herzog Blaubarts Burg“.
Zunächst zur Oper:
„Eine florentinische Tragödie“.
Dies war eine Oper in einem Aufzug mit einer Dichtung von Oscar Wilde. Die Deutsche Übersetzung ist von
Max Meyerfeld, die Musik von Alexander von Zemliensky (1872 – 1942). Die Uraufführung fand am 30. Januar 1917 in Stuttgart statt.
Figuren:
Simone, ein Kaufmann
KS Wilhelm Eyberg von
Wertenegg
Bianca, seine Frau
Vera Schoenenberg
Guido Bardi, Prinz von Florenz
KS
Hans-Günther Dotzauer
Inhalt:
Der florentinische Tuchkaufmann Simone überrascht nach einer Geschäftsreise zu Hause seine
Frau mit einem jungen Mann inflagranti, der sich als Sohn des Herzogs von Florenz vorstellt. Simone versucht die Situation zu überspielen
und bietet dem Prinzen seine Waren an. Der Prinz währt sich sicher und schäkert schamlos vor den Augen des Simone mit Bianca weiter, zumal
Bianca die Verachtung für ihren Mann offen zeigt. Guido Bardi verabredet sich ganz offen mit Bianca für den nächsten Tag. Nun ist es um die
Fassung des Kaufmanns geschehen und fordert den Prinzen zum Zweikampf heraus. Simone entwaffnet den Prinzen und erwürgt diesen. Bianca
fällt ihrem siegreichen Mann in die Arme : „Warum hast du mir nicht gesagt, dass du so stark?“ – „Warum hast du mir nicht gesagt, dass du
so schön?“, entgegnet ihr Simone.
Fazit:
Das Stück wurde in die Moderne übertragen in Form einer
akkuraten, weißen Kulisse, die nur durch ein großes, sehr farbenfrohes Bild ein bisschen an Wärme gewinnt. Die ganze „sterile“ Umgebung
spiegelte die Verachtung der beiden Eheleute einander gegenüber. Bei diesem anspruchsvollen Stück sticht vor allem KS Wilhelm Eyberg von
Wertenegg heraus, der in seiner Rolle merklich aufgeht. Vera Schoenenberg macht eine gute Figur und trug als Kontrast zu ihrer begangenen
„Sünde“ ein weißes Nachthemd (weiß als Symbol von Reinheit und Unschuld). Einzig allein KS Hans-Günther Dotzauer trug einen beigen Anzug
was wir als „Fremdkörper“ interpretierten, da er in die scheinbar heile Welt der Eheleute eindringt. Leider übertönte das Orchester bei
dieser ersten Oper an dem Abend phasenweise den Gesang der Schauspieler, was aber nichts daran ändert, dass beide – Orchester sowie Akteure
glänzten.
Nach einer kurzen Pause: „Herzog Blaubarts Burg“
Dies war ebenfalls eine Oper in einem Akt mit
Dichtung Libretto von Béla Balázs, Deutsche Fassung von Wilhelm Ziegler und der Musik von Béla Bartók. Die Uraufführung dieses Werkes fand
am 24. Mai 1918 in Budapest statt.
Figuren:
Herzog Blaubart
KS Wilhelm Eyberg von
Wertenegg
Judith
Gisela Schubert
Inhalt:
Aus Faszination um den
sagenumwogenen Herzog Blaubart folgt die schöne Judith ihm in seine Burg. Dort muss sie allerdings feststellen, dass alles düster und
dunkel ist, genauso wie Herzog Blaubart selber. Trotz alledem versucht sie mit ihrer Liebe die Düsternis aus dem gebrochenen Blaubart zu
vertreiben und diesen für sich zu gewinnen. Ebenfalls hegt sie die Hoffung mit Hilfe ihrer Liebe das Dunkel der alten Gemäuer mit Sonne und
Licht durchbrechen zu können. Sie verlangt dafür, dass er sich ihr offenbart und die „sieben stummen Geheimnisse“ hinter den verschlossenen
Türen der Burg preisgibt. Judith erhofft sich dadurch den Herzog voll und ganz zu verstehen. Bei jeder Tür, dessen Schlüssel Blaubart
freigibt, dringt Judith immer tiefer in die seelischen Abgründe des Herzogs ein. Gleichzeitig wird ihr bewusst, dass sich ihre Hoffnung von
gegenseitigem Vertrauen und wahrer Liebe von Tür zu Tür schwindet. Sie sieht Grausamkeit, Eroberungslust und Beschützerrolle, Reichtum,
Besitz des Schönen, Grenzenlose Macht doch auch Trauer und Wissen um seine zerstörerische Existenz. Zu spät erkennt Judith, dass sie nie
eine Chance hatte und sie verloren ist.
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