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Jugendclub spielt „Die schöne Helena“

(Frohike) - Paris raubt Helena und der Trojanische Krieg bricht aus. Klingt einfach, ist aber kompliziert. Man nehme einen überdurchschnittlich begabten Trojaner und die schönste Frau der Welt und konfrontiere sie mit einem senilen König, seinem mächtigen Bruder, einer intriganten Oberpriesterin, dem schizophrenen Ajax, dem Mann-mit-der-Ferse, dem schwulen Orest und seiner elektrisierten Schwester. Ergebnis: Die rasantesten 90 Minuten der Antike, die Sie ab dem 24. Mai 2008 um 19.30 Uhr im Podium mit der Premiere von Benjamin Künzels Neubearbeitung von Jacques Offenbachs Operette Die schöne Helena, gespielt und gesungen von Jugendclub und Jugendorchester des Theaters Ulm, erleben können.

Die neue Herauforderung für den Jugendclub, eine Operette einzustudieren, stieß bei den Jugendlichen zunächst auf große Augen, offene Münder und bedenkliches Stirnrunzeln. Einige hatten zwar schon ein bis zwei der Operetten-Workshops von Dramaturg Benjamin Künzel besucht, aber über einen längeren Zeitraum hinweg gesungen hatte bis dato so gut wie keiner der Mitwirkenden – die Begeisterung für das unbekannte Genre hielt sich also erst einmal in Grenzen. Zu Beginn der Spielzeit 2007/2008 traten Dramaturg und Regisseur Benjamin Künzel und Chorsänger Girard Rhoden als neue Leiter des Jugendclubs an. Sie kannten die Jugendlichen noch nicht, die Jugendlichen kannten sie nicht, und dass neue Mitglieder dem Jugendclub beitraten, stellte sich anfangs ebenfalls als Hürde heraus.

Doch Jacques Offenbachs Operette eignet sich besonders gut für die Arbeit mit Laien-Darstellern – nicht weil sie nicht anspruchsvoll wäre, das Gegenteil ist der Fall! – denn Offenbachs Melodien gehen aufgrund ihrer einfachen Struktur und taumelnder Dauer-Reprisen leicht ins Ohr und die besondere Betonung des Rhythmischen bietet einen festen Halt für musikalische Laien. Selbstverständlich gibt es auch Passagen, die für die Jugendlichen zu kompliziert sind, um sie in dem doch recht knappen Zeitraum bewältigen zu können. Hier greift Künzels Bearbeitung, die über musikalische Hürden knapp und schmerzlos hinweg hilft und das musikalische Geschehen auf eine zu bewältigende Struktur rafft. Im Vordergrund der Operette steht der Ensemble-Gesang, es gibt nur wenige große Solo-Rollen, die meisten solistischen Einwürfe sind in große Ensemble-Szenen gebettet. So kann jeder seine Stimme auch mal alleine erklingen lassen, ohne minutenlang auf verlorenem Posten vokal überleben zu müssen.

Für alle mitwirkenden Jugendliche war spätestens mit dem szenischen Probenbeginn klar, wie schwierig es ist, Gesang, Text und Aktion auf der Bühne zu koordinieren. Sprechen und eine Aktion dabei ausführen gehört zum gewohnten Repertoire, nebenbei aber auch noch auf ein Klavier oder ein Orchester zu hören, Tonarten abzunehmen, im Takt zu bleiben und Töne zu treffen, war eine echte Herausforderung. Bis in den Januar hinein wurde eigentlich nur gesungen, die eigene Stimme entdeckt. Unter Anleitung von Girard Rhoden stand einmal die Woche zwei Stunden mit Gesangs- und Atemübungen auf dem Plan. Dabei kamen die unglaublichsten Resultate zum Vorschein: Bei manchen, die im Oktober noch keinen Ton herausgebracht hatten, kam plötzlich ein voller, schöner Klang zum Vorschein. Auch Chor-Gesang war schweißtreibendes Training: Text und Töne müssen synchron miteinander kommen, singen heißt auch, den anderen zuhören.

Klar war aber immer, dass hier kein purer Schöngesang oder eine Opern-Imitation herauskommen soll, sondern der Spaß an der eigenen Stimme, am Miteinander-Singen im Vordergrund stehen soll. Innerhalb einer Spielzeit wird niemand zum betörenden Opernsänger. Grundsatz ist vielmehr: „Sing einfach los! Ohne Hemmungen, ohne die Angst, es könnte nicht schön oder cool klingen. Deine Stimme klingt wie sie eben klingt, und wem es nicht gefällt, dem kannst du nicht helfen! – Die Töne zu treffen ist ein erklärtes Ziel, aber mit Herz und Charme falsch zu singen, ist auch ok!“

Die Jugendlichen singen mittlerweile gerne und fast ununterbrochen. Auf den Fluren des Theaters klingt einem täglich Offenbach entgegen, trifft man sich zufällig in der Stadt, formiert sich spontan eine kleine vokale Kostprobe. Offenbach scheint da in irgendeiner unerklärlichen Weise nah am Alltag der Jugendlichen zu sein. Operette für und mit jungen Menschen, die sich einfach trauen – lebendiger kann Operette kaum sein!

Die schöne Helena
Operette in drei Akten von Jacques Offenbach
Neubearbeitung von Benjamin Künzel
Jugendclub und Jugendorchester des Theaters Ulm

Premiere: Samstag, 24. Mai 2008, 19.30 Uhr, Theater Ulm, Podium
Weitere Vorstellungen: 28.05., 20.15 Uhr / 30.05., 20.15 Uhr / 31.05., 19.30 Uhr / 07.06., 19.30 Uhr / 09.07., 19.30 Uhr

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