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Sonntag startet Kooperation von Theater Ulm und Mephisto-Kino
(Frohike) - Mit Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm-Klassiker „Faust – Eine deutsche Volkssage“ aus dem Jahr 1926 beginnt am Sonntag, 20.05.2007, um 18 Uhr im Mephisto-Kino Ulm eine Veranstaltungsreihe, mit der das Theater in Kooperation mit dem Mephisto einen cineastischen Bogen um den Faust schlägt, der die bekanntesten Verfilmungen des Stoffes als „Vorprogramm“ zu der Faust-Premiere auf der Wilhelmsburg unter dem Titel FAUST TRIFFT MEPHISTO präsentiert. Vom großen Stummfilm-Klassiker bis zum Hollywood-Blockbuster wird im Mephisto-Kino bis Juli gezeigt, was die Größen des internationalen Films aus der deutschen Volkssage gemacht haben. Vor Filmbeginn werden von Dramaturgen des Theaters Einführungen zu Entstehungsgeschichte und Hintergründen der jeweiligen Filme gegeben. Am Sonntag hält Volkmar Clauß, der Produktionsdramaturg des Faust, einen einführenden Vortrag zu Murnaus Verfilmung.
Basierend auf Motiven des Goethe-Klassikers, aber auch deutlich von der Vorlage abweichend, erzählt Murnaus „Faust“ die Geschichte des gleichnamigen Gelehrten, der von Mephisto in Versuchung geführt wird. Mephisto hatte in einem Streit mit dem Erzengel Gabriel behauptet, er könne jeden Menschen vom Weg Gottes abbringen. Um den alten Faust zu verführen, läßt Mephisto das Land von der Pest heimsuchen; da die sterbenden Menschen den Gelehrten um Hilfe anflehen und dieser trotz seiner Gebete keine Hilfe von Gott erhält, sucht er Rat beim Teufel. Um ihn für sich zu gewinnen, verspricht Mephisto Faust die ewige Jugend und alle Schätze dieser Welt. Faust läßt sich auf den Pakt ein und verschreibt damit seine Seele dem Teufel. Fortan muß Mephisto ihm alle Wünsche erfüllen. Als Mephisto und Faust eines Tages in dessen Heimatstadt zurückkehren, verliebt Faust sich in das unschuldig-reine Gretchen. Nachts steigt er in Gretchens Zimmer ein, um sie zu verführen, während Mephisto deren gerade aus dem Krieg heimgekehrten Bruder Valentin herausfordert und tötet. Gretchens Mutter entdeckt Faust im Zimmer ihrer Tochter, worüber sie aus Gram stirbt. Gretchen wird von ihrer Umwelt verstoßen. Als sie einsam und verlassen im Winter ein Kind zur Welt bringt und dieses in der Kälte stirbt, wird sie zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Faust erfährt von ihrem drohenden Schicksal, verflucht die ewige Jugend und macht sich auf den Weg, Gretchen um Verzeihung zu bitten. Er steigt zu ihr auf den lodernden Scheiterhaufen, und im Augenblick des Todes erkennt Gretchen in dem alten Mann ihren Geliebten, vereint gehen sie in den Tod. Mephisto glaubt sein Ziel erreicht zu haben. Doch Gabriel verwehrt dem Teufel diesen Triumph: Die reine, echte Liebe zwischen Faust und Gretchen hat Mephistos böses Vorhaben zunichte gemacht.
Als der Film „Faust – eine deutsche Volkssage“ am 14. Oktober 1926 uraufgeführt wurde, stand Friedrich Wilhelm Murnau auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Mit „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“ war ihm bereits 1922 einer der bedeutendsten Filme der Stummfilmära gelungen. Drei Jahre später begründete Der letzte Mann (1924) Murnaus internationale Karriere, was den Ruf nach Hollywood nach sich zog: Im Januar 1925 unterschrieb er bei seiner ersten Reise in die Vereinigten Staaten einen Vertrag mit dem Produzenten William Fox. Doch ehe Murnau endgültig nach Kalifornien übersiedelte, drehte er einen letzten Film in Deutschland - den Faust mit Emil Jannings als Hauptdarsteller, der bereits in „Der letzte Mann“ die Hauptrolle gespielt hatte. Murnaus „Faust“ verwebt Motive aus dem Volksbuch Historia von Doktor Johann Fausten – dem weitbeschreyten Zauberer und Schwarzkünstler (1587) mit Elementen aus den Dramatisierungen dieses Stoffes durch Christopher Marlowe und J. W. Goethe: Die Suche des alten Faust nach Weisheit, das Angebot Mephistos, dem greisen Gelehrten mittels eines mit Blut besiegelten Pakts ein Leben in ewiger Jugend zu verschaffen, sowie Fausts Begegnung mit Gretchen mit den Episoden Verführung, Duell mit Gretchens Bruder Valentin, Pranger, Scheiterhaufen und Erlösung durch die Liebe. Und dies alles eingerahmt von den Streitgesprächen zwischen dem Erzengel und dem Herrn der Finsternis. Bereits das "Vorspiel im Himmel" zeigt einen Hauptcharakterzug von Murnaus Faust: seine ausgeklügelte Kamera- und Tricktechnik, die ihm eine außerordentliche visuelle Kraft verleiht. Murnau lotet im Faust die Grenzen beim Einsatz filmischer Möglichkeiten, insbesondere bei den visuellen Effekten - etwa Doppelbelichtungen - aus. Das Bühnenbild hält die Balance zwischen dem Expressionismus, der seit „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (Robert Wiene, 1920) den deutschen Film bestimmt, und - vor allem bei den Landschaftsaufnahmen - der romantischen Malerei, etwa von Caspar David Friedrich und Lovis Corinth.
Die cineastischen Leckerbissen im Mephisto werden übrigens zum ermäßigten Eintrittspreis serviert. Gegen Vorlage einer aktuellen Eintrittskarte aus dem Theater Ulm bekommt man Kino-Tickets im Mephisto und in der Lichtburg für 4 Euro. Gegen Vorlage eines aktuellen Tickets aus Mephisto oder Lichtburg gibt es im Theater Ulm im Podium eine Eintrittskarte zum ermäßigten Preis und im Großen Haus eine Ermäßigung von 5,00 Euro auf alle Schauspielproduktionen (außer Premieren und Werk-Abo-Vorstellungen). Der Aktionszeitraum läuft vom 20. Mai bis zum 15. Juli 2007.
Die Filme im Überblick:
So, 20. Mai, 18 Uhr, Mephisto Kino
FAUST - EINE DEUTSCHE VOLKSSAGE (R: Friedrich Wilhelm Murnau, Stummfilm, D 1926)
So, 03. Juni, 18 Uhr, Mephisto Kino
DOCTOR FAUSTUS (R: Richard Burton, Nevill Coghill, Verfilmung nach Christopher Marlowe, im Englischen Original, GB 1967)
So, 17. Juni, 18 Uhr, Mephisto Kino
IM AUFTRAG DES TEUFELS (R: Taylor Hackford, Hollywood-Adaption mit Al Pacino, Keanu Reeves, USA 1997)
So, 1. Juli, 18 Uhr, Mephisto Kino
FAUST (R: Jan Švankmajer, im tschechischen Original mit englischen Untertiteln, CZ/F/GB 1994)
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