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Theater Ulm: Amphitryon

(redback) - Lustspiel in drei Akten nach Molière von Heinrich von Kleist (1777 - 1811)

Vor den Toren Thebens trifft Amphitryons Diener Sosias auf einen Fremden, der ihm mit Gewalt seinen Namen stehlen will. Tatsächlich ist es der Götterbote Merkur, der Sosias den Eingang zum Schloss seines Herrn verwehrt; denn darin verbringt Göttervater Jupiter in Amphitryons Gestalt mit dessen Ehefrau Alkmene die längste aller Liebesnächte. Nach siegreicher Schlacht kehrt eben dieser Amphityron zurück nach Hause und findet sich von Alkmene betrogen - mit "Amphitryon", der ihm nun sein Haus, sein Amt, seine Ehefrau und damit sein gesamtes Dasein streitig macht. Alkmene ist gezwungen, sich zwischen zwei Männern zu entscheiden, die sie nicht unterscheiden will und kann: ihrem lang vermissten Ehemann und dem göttlichen Liebhaber.

Die Götter greifen in das Leben der Menschen ein, treiben ihr Spiel mit ihnen und erschüttern sie in ihren Grundfesten. Gleichzeitig sind Jupiter und Merkur bei Kleist nicht anders als die irdischen Bewohner. Sie stehen vielmehr für den Menschen in seiner ganzen Verlorenheit. So gibt es keine höhere, göttliche Garantie jenseits der eigenen menschlichen Zweifel. Eine der philosophischsten und wunderbarsten deutschen Komödien, geschrieben 1806, über Treue, Untreue, die Liebe und die Fragen nach der eigenen Existenz.

In der Inszenierung von Stephan Suschke, die ihre Premiere am 03. Mai 2007 im Großen Haus des Ulmer Theaters feierte, wird eindrucksvoll die Zeit Kleists ernst genommen. So etwas wie eine erste Globalisierung. Durch den Beginn der Industrialisierung lösten sich die familiären Beziehungen auf. Die Menschen wurden ihrer selbst entfremdet. Hinzu kam für den Offizier Kleist die katastrophale Niederlage von Jena und Auerstedt, die bei den Deutschen eine tiefe Identitätskrise auslöste - sie wussten nicht mehr, wer sie sind. Das ist der Hintergrund, auf den Kleist seinen Amphitryon schreibt.

Das Stück ist voraussichtlich noch bis Ende Juni zu sehen. Weitere Infos, Preise und Reservierungen gibt es unter www.theater.ulm.de.

Fotos: Carola Hölting

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