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Schwörrede 2003

() -

Bürgerinnen und Bürger,
sehr verehrte Frau Ehrenbürgerin,
sehr geehrter Herr

Ehrenbürger,
sehr geehrter Herr Minister,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete
des Bundestages und der Landtage


verehrte Gäste aus Nah und Fern,
 
 Vor 200 Jahren wurde erstmals nach Jahrhunderte langer Tradition kein Schwörmontag

gefeiert. Die Reichsfreiheit und damit die Selbständigkeit der Stadt endete am 29. November 1802. Aus freien Ulmer Bürgern wurden

Untertanen von Landesherren, ein gewaltiger Einschnitt in der langen Geschichte unserer Stadt. Daran haben wir erinnert mit der Ausstellung

"Kronenwechsel – das Ende der Reichsstädtischen Freiheit 1802", um der heutigen Bürgerschaft diesen bedeutenden geschichtlichen Vorgang

bewusst zu machen.


Im Jahre 2003 feiern wir selbstbewusst und mit bürgerschaftlichem Stolz zum 55. Mal seit dem Ende des 2.

Weltkrieges unser Verfassungsfest in der jetzigen Form. Getreu der Verfassungsurkunde von 1397 ist es guter Brauch, die Ulmer Bürgerschaft

über die Lage der Stadt zu informieren und vom Oberbürgermeister das Gelöbnis zu verlangen, auch in der heutigen Zeit im Geiste des noch

immer zeitgemäßen Schwörbriefes zu wirken. Wir huldigen damit keiner erstarrten Tradition, im Gegenteil: die Rückblende auf die damaligen

Vorgänge, der die Stadt ihre große Blütezeit im Mittelalter verdankte, soll als Aufforderung aufgefasst werden, immer das Gemeinsame und

nicht das Trennende in den Vordergrund zu stellen.


In den Städten wird unverzichtbare Integrationsarbeit geleistet, wird

Demokratie und der Respekt vor unterschiedlichen Meinungen und Gesinnungen, religiösen Einstellungen und kulturellen Gewohnheiten

praktiziert. Das demokratische Leben in den Städten und Gemeinden stellt das Fundament der gesamten Demokratie dar, deshalb: die große

Einheit Europa gewinnt an Gewicht, aber die kleine Einheit, die kommunale Ebene, gewinnt an Bedeutung.


Deshalb haben wir die

alten Verbindungen zu den Städten entlang der Donau neu belebt. Das Internationale Donaufest Ulm/Neu-Ulm wird auch im nächsten Jahr

gefeiert; das Donaubüro, gemeinsam getragen von der IHK Ulm und der Stadt, unterstützt mit großzügiger Hilfe der Landesstiftung

Baden-Württemberg, hat seine Arbeit erfolgreich begonnen und setzt sie fort.


Mit den Donau-Städten Bratislava, Budapest und Novi

Sad wurden Vereinbarungen zur weiteren Zusammenarbeit geschlossen. Die Kontakte zwischen den Städten, den Kommunalparlamenten, den

Verwaltungen, den Schulen und der Wirtschaft sollen insbesondere den jungen Menschen nützen.


Bei den Begegnungen mit unseren

Partnern aus den Donaustädten ist uns immer wieder klargeworden, dass die Probleme der Bürgerinnen und Bürger in unseren Städten sehr

ähnlich sind, dass die kommunale Ebene in allen Ländern oft als Last- und Packesel benutzt wird. Aber von unseren Gästen haben wir auch

immer wieder gehört: eure Sorgen möchten wir haben!


Das verkleinert nicht unsere Sorgen, aber es relativiert vieles und sollte

uns gleichzeitig nachdenklich stimmen darüber, welche Sorgen die Menschen umtreiben, die oft nur ein paar Flugstunden von uns entfernt

leben. Die Menschen dort sind noch weit weg von Rechtstaatlichkeit, von Sicherheit, von geordnetem Zusammenleben, oft fehlt es an den

notwendigsten Infrastrukturen. Aber: viele Menschen aus Ulm, viele zivile und private Organisationen, aber auch unsere Bundeswehr helfen

den Menschen auf dem Balkan. Neben dem Einsatz der Bundeswehr auf dem Balkan kommt jetzt auch der Einsatz in Afghanistan dazu, vor wenigen

Tagen haben wir 200 Soldatinnen und Soldaten aus Ulm dorthin verabschiedet. Auch dort herrscht alles andere als Frieden und Wohlstand,

Sicherheit und Rechtstaatlichkeit und dennoch: auch wir sind gefordert, Beiträge zum Wiederaufbau zu leisten, im Auftrage der

internationalen Staatengemeinschaft. Den Soldatinnen und Soldaten gilt unser großer Dank, den wir verbinden mit dem Wunsch, dass sie gesund

und unversehrt wieder zurückkehren werden.


Die Einsätze der Bundeswehr sind gefährlich und oft verbunden mit hohem Risiko für

Leib und Leben, wie wir gerade auch in den letzten Wochen erfahren mussten. Im Bundeswehr-Krankenhaus Ulm wurde den verletzten Menschen aus

den Krisengebieten geholfen. Dem ärztlichen Personal und dem Pflegepersonal des Bundeswehr-Krankenhauses Ulm gilt unserer besonderer Dank

und Anerkennung dafür, dass sie den Verletzten helfen und für ihre Genesung gut sorgen.


Viele Bürgerinnen und Bürger auch in Ulm

haben in den letzten Monaten mit friedlichen Mitteln und eindrucksvoll ihre Meinung öffentlich kund getan, dass gegen Diktaturen, politisch

wie religiös geprägten Extremismus, gegen den weltweiten Terror nur die Weltgemeinschaft zusammen und abgestimmt Einhalt gebieten kann. Für

den Kampf gegen den Terrorismus und für den Aufbau friedlicher, dauerhafter Strukturen benötigen wir die Hilfe aller und deswegen gilt mein

Dank allen, die mit finanziellen, materiellen und persönlichen Beiträgen ihren konkreten Friedensbeitrag leisten.


Die friedliche

Auseinandersetzung und die friedliche Bewältigung von Konflikten, das war und ist die Botschaft des Schwörbriefes von 1397, die Wahrung des

städtischen Friedens ist und bleibt oberstes Gebot. In der Schwörrede soll deshalb berichtet werden, was im vergangenen Stadtjahr uns

gemeinsam bewegt hat und es ist zu formulieren, welche zukünftigen Aufgaben auf die gesamte Bürgerschaft zukommen werden.


Ein

solcher Bericht muss mit dem Blick auf die finanzielle Ausstattung der Stadt beginnen. Der Stadthaushalt 2002 war geprägt durch dramatische

Einnahmeverluste, allein die Gewerbesteuer ging gegenüber dem Vorjahr um 13 Mio Euro zurück; gleichzeitig stiegen die Sozialausgaben, also

die Ausgaben für die Sozial- und Jugendhilfe und die Umlage an den Landeswohlfahrtsverband, um 5 Mio Euro. Der Gemeinderat und die

Verwaltung reagierten mit entsprechenden Budgetkürzungen und Eingriffen in den Haushalt 2002. Mit Hilfe einer einmaligen Steuererstattung

und einer zusätzlichen Gewinnausschüttung der Stadtwerke konnte der Haushalt 2002 ausgeglichen werden, aber die gesetzliche

Mindestzuführungsrate vom Verwaltungshaushalt in den Vermögenshaushalt konnte nicht vollständig erwirtschaftet werden. Bei all diesen

Schwierigkeiten war dann letztendlich erfreulich, dass im Jahre 2002 keine neue Schulden aufgenommen werden mussten, gleichwohl ist der

Schuldenstand von rund 188 Mio Euro auf Dauer zu hoch.


Im laufenden Haushaltsjahr 2003 setzt sich der Einnahmeverlust bei der

Gewerbesteuer fort und gleichzeitig steigen die Sozialausgaben. Aus heutiger Sicht werden wir im Haushaltsjahr 2003 keine Zuführungsrate

vom Verwaltungshaushalt zum Vermögenshaushalt erwirtschaften, im Gegenteil: aus dem Vermögenshaushalt müssen 3 Mio Euro in den

Verwaltungshaushalt zugeführt werden, das heißt, die Stadt muss Vermögen zur Bezahlung der laufenden Ausgaben veräußern. Wir stehen also im

wahrsten Sinne des Wortes finanziell mit dem Rücken zur Wand. Der Gemeinderat und die Verwaltung haben auf diese katastrophale

Haushaltslage wiederum sofort reagiert und weitere Sparmaßnahmen im Verwaltungshaushalt in Höhe von 5,7 Mio Euro beschlossen, aber weitere

Einsparmaßnahmen in Höhe von 10 Mio Euro sind nötig. Auch deshalb war es notwendig, dass die Stadt nach langer erfolgreicher Zeit ihren

Anteil am Rehabilitationskrankenhaus Ulm an das Universitätsklinikum Ulm übertragen hat und sich mit dieser Maßnahme vollständig aus dem

Krankenhauswesen der Stadt zurückgezogen hat.


Noch ist das Jahr 2003 nicht vorbei, da richten sich die bangen Blicke schon auf

die Finanzsituation im Haushaltsjahr 2004. Nach den heutigen Prognosen werden sich die Finanzen im Jahr 2004 noch einmal verschlechtern.

Ein Haushaltsloch für das nächste Haushaltsjahr 2004 in Höhe von 10 Mio Euro müssen wir nach heutigem Kenntnisstand befürchten. In

Anbetracht all dieser Entwicklungen haben wir keine Wahl, wir müssen weitere Kosten reduzieren, Budgets und Zuschüsse noch einmal in einer

Größenordnung von mindestens 10 % kürzen, freiwerdende Stellen bei der Verwaltung nicht besetzen und Aufgaben den verbleibenden

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusätzlich übertragen. Das heißt aber, dass die Dienstleistungen der Stadt weiter abgebaut und

eingeschränkt werden müssen.


Angesichts dieser katastrophalen finanziellen Situation müssen sich alle Städte und Gemeinden gegen

Zuweisungen und Belastungen und Übertragung von weiteren Aufgaben des Bundes und der Länder zur Wehr setzen. Eine kurzfristige Entlastung

der Städte und Gemeinden durch die Rücknahme der Gewerbesteuerumlage ist dringend geboten. Eine umfassende Gemeindefinanzreform zum 1.

Januar 2004 ist dringend notwendig. Die Städte und Gemeinden müssen wieder eine berechenbare Finanzausstattung erhalten. Ich appelliere

deshalb an alle Verantwortlichen im Bund, aber auch beim Land, das die Interessen der Kommunen wahrnehmen soll, an den Bundestag und

Bundesrat, die übereinstimmenden Vorschläge der gesamten kommunalen Familie zur Reform der Gemeindefinanzen umzusetzen und nicht

parteipolitisch zu taktieren oder zu blockieren.


Es ist Übereinstimmung aller Städte und Gemeinden, dass die Gewerbesteuer nicht

abgeschafft werden darf. Die kommunale Selbstverwaltung ist nicht vorstellbar ohne ein Mindestmaß an Einnahmeautonomie. Gerade die

Gewerbesteuer ist das Band zwischen der Stadt und der örtlichen Wirtschaft, es hält die örtliche Gemeinschaft im wahrsten Sinne des Wortes

zusammen. Dieses Band ist auch Ausdruck der Mitverantwortung der Wirtschaft für die Stadt. Diese erweiterte Gewerbesteuer in Form einer

kommunalen Betriebssteuer soll alle Gewerbetreibenden, Handwerker, Industriebetriebe und Selbständige an die Stadt binden. Die

Gewerbesteuer kann auf die persönliche Einkommensteuer angerechnet werden, deswegen entsteht in den meisten Fällen keine zusätzliche

Belastung, vor allem nicht für die mittelständischen und kleinen Betriebe. Aber ein Teil der Gesamtsteuer geht somit gesichert an die

Städte und Gemeinden, und dies ist bitter notwendig! Und es ist auch ein Gebot der Steuergerechtigkeit, nicht nur die Arbeitnehmerinnen und

Arbeitnehmer über die Lohn- und Einkommensteuer zu Finanzierung der städtischen Aufgaben heranzuziehen, auch große Konzerne und Unternehmen

müssen sich an der Finanzierung der Infrastruktur beteiligen - auch ein Gebot der Steuergerechtigkeit!


Angesichts dieser

schwierigen finanziellen Situation war und ist es Aufgabe des Gemeinderates und der Stadtverwaltung, Prioritäten zu setzen. Oberste

Priorität in den letzten Jahren hatten der Wohnungsbau und insbesondere die Investitionen im Kindergartenbereich, 10 Mio Euro wurden in den

letzten Jahren in den Bau von Kindertagesstätten ausgegeben, der jährliche Zuschussbedarf für den Betrieb der Kindergärten erhöhte sich um

5 Mio auf 12,8 Mio Euro jährlich; nach acht Jahren ohne Gebührenerhöhung ist die jetzt beschlossene Gebührenerhöhung notwendig gewesen.


Trotz schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen sind im Haushaltsjahr 2003 für Baumaßnahmen und Investitionszuschüsse 33,5 Mio

Euro vorgesehen. 11 Mio Euro davon werden für die Maßnahmen aus dem Zukunftsprogramm 2005 ausgegeben, das der Gemeinderat im Jahre 1997

beschlossen hat zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes, zur Verbesserung der Innenstadtqualität, zum Ausbau der Wissenschaftsstadt, für

Naherholungsmaßnahmen und zur Verbesserung der ökologischen Rahmenbedingungen.


10 Mio Euro stehen in diesem Jahr für die

Bildungsoffensive bereit, dem zweiten und gleich wichtigen Schwerpunkt, den der Ulmer Gemeinderat gesetzt hat. Damit geben wir auch Impulse

für die örtliche und regionale Wirtschaft und für den Arbeitsmarkt, 75 % der städtischen Investitionen und Aufträge gehen in die örtliche

und regionale Wirtschaft.


Eine wettbewerbsfähige Wirtschaft, eine produktive Industrie, ein hochqualifiziertes Handwerk und neue

Dienstleistungen, das alles macht einen attraktiven Wirtschaftsstandort in der Summe aus. 8.100 Betriebe sorgen in Ulm für fast 80.000

Arbeitsplätze. Darüber hinaus sind die Chancen für den Start neuer Unternehmen und für Existenzgründungen in unserer Stadt gut. Die

Initiativen der Innovationsregion Ulm und des Vereins "BioRegio Ulm", unsere Technologie-Förderunternehmen, der Stadtentwicklungsverband

Ulm/Neu-Ulm und unsere städtische Projektentwicklungsgesellschaft Ulm, all dies zusammen bietet gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft

und für den Start von Existenzgründern.


Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist weiterhin schwierig, über 4.000 Menschen sind in Ulm

arbeitslos registriert. Die Zahl der Arbeitslosen hat erfreulicherweise in den letzten Wochen, wenn auch bescheiden, abgenommen. Eine

deutliche Wende auf dem Arbeitsmarkt steht aber noch aus. die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist trotz des Rückgangs insgesamt angestiegen,

25 % der arbeitslos gemeldeten Menschen sind ein Jahr und länger ohne Arbeit; die Hälfte aller Langzeitarbeitslosen sind 50 Jahre und

älter. Weitsichtige Unternehmen bauen dem Rückgang der Schulabgänger ab 2007 durch eine vernünftige Mischung aus erfahrenen und jungen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor. Dies gilt auch für den Lehrstellenmarkt, kluge Unternehmen bilden jetzt zusätzlich und über Bedarf

aus, weil sie wissen, ab 2007 setzt der Rückgang von Schulabgängern ein und ein neues Problem entsteht: zu wenig Schulabgänger für zu viele

Ausbildungsplätze. Allen Verantwortlichen bei der Wirtschaft und im Handwerk, den verantwortlichen Betriebsrätinnen und Betriebsräten danke

ich ausdrücklich, dass sie ihre Verantwortung zur Schaffung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen in den Unternehmen und Betrieben gerecht

werden. Die Stadt Ulm, einer der großen Arbeitgeber unserer Stadt, wird ihre Ausbildungsplätze um 10 % erhöhen, ich würde mir sehr

wünschen, dass viele Unternehmen diesem Beispiel folgen werden.


Zu unserem attraktiven Wirtschaftsstandort Ulm tragen auch die

Hochschulen bei und die Wissenschaftsstadt Ulm wird weiter ausgebaut. Für den Neubau des Lebenswissenschaftlichen-Forschungszentrums stehen

30 Mio Euro der Landesstiftung zur Verfügung. Die Kinderklinik auf dem Michelsberg wird saniert und der Neubau ist beschlossene Sache. Die

Räume der Fachhochschule werden saniert, allerdings: der Neubau der Chirurgischen Klinik wird sich erneut verzögern. Das Land ist

sicherlich aufgerufen, neue Finanzierungswege zu suchen, um diese für Ulm und die ganze Region so wichtige Investitionsmaßnahme doch noch

zu realisieren.


Die stärkere Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft ist wichtiger denn je. Der 1997 gegründete Science Park

II, an der Nahtstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, ist ein Erfolgsmodell. Die städtische Projektentwicklungsgesellschaft Ulm hat

35 Mio Euro in Gebäude investiert, in diesen Gebäuden haben die Unternehmen 2.300 neue Arbeitsplätze geschaffen. Vorausschauend ist der

Science Park III mit 40 ha ausgewiesen, ein neuer attraktiver Standort für neue Unternehmensansiedlungen.


Aber auch die positive

Entscheidung der Deutschen Bahn AG, unmittelbar angrenzend an unser Gewerbegebiet Ulm-Nord, einen Container-Terminal zu bauen, ist für den

Wirtschaftsstandort und für die ganze Region wichtig. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2004 angekündigt. Im kommenden Jahr wird die Stadt

Ulm mit dem Bau der Nordtangente beginnen, damit werden die Gewerbegebiete im Ulmer Norden und die Wissenschaftsstadt noch besser

erreichbar werden.


Diese dynamische Entwicklung in Ulm zu Beginn des 21. Jahrhunderts hält uns vor Augen, wie groß immer wieder

die Herausforderungen in den verschiedenen Phasen der langen Geschichte unserer Stadt waren und sind. Bedingt durch den Bau der Eisenbahn

im 19. Jahrhundert war Ulm stark gewachsen. In der Ulmer Weststadt begann der Aufbruch der Stadt in das 20. Jahrhundert mit der Phase der

Industrialisierung. 1903 waren die Gräben und Wälle der Bundesfestung abgetragen, es schlug die Geburtsstunde der Weststadt. Nach 100

Jahren ist inzwischen die Weststadt ein Sanierungsgebiet. Die Sanierungsmaßnahmen sind gut angelaufen, es gibt eine sehr große Bereitschaft

der Bürgerschaft zur Neugestaltung und Modernisierung ihres Stadtteiles, Modernisierungsmaßnahmen in Höhe von 12 Mio Euro sind angemeldet.

Alle Sanierungsgebiete, ob in der Stadtmitte, in Söflingen, in Wiblingen oder nun auch in der Weststadt sind gutwirkende

Konjunkturprogramme. Die städtische Wohnungsgesellschaft hält insgesamt 6 Mio Euro zur Modernisierung und Sanierung der Wohnungen gerade in

der Weststadt bereit. Entlang der Römerstraße entstehen neue Wohngebiete, auf dem Areal einer ehemaligen Brauerei, im zukünftigen

"Brauerviertel" wird ein neues, attraktives Wohnquartier entstehen.


Schon heute sichtbar sind die Veränderungen im Bereich der

Blaubeurer Straße. In den letzten Jahren und auch in den letzten Monaten haben neue Handelshäuser für neue Einkaufsmöglichkeiten gesorgt,

aber auch die verbesserte Infrastruktur durch Straßen, Radwege und die Neugestaltung des Blauufers dokumentiert sichtbar die Veränderung.

Ganz besonders deutlich wird dies durch die 685 Meter lange und 33 Millionen teure Brücke über das Blautal. Im Westen der Stadt und

entsteht eine neue Handels-, Einkaufs- und Dienstleistungslandschaft, die neue Kunden aus einem großen Einzugsgebiet um Ulm herum anziehen.

Neue Kunden finden den Weg nach Ulm, wovon auch der Innenstadthandel profitiert.


In die Gestaltung und den Umbau der Innenstadt

wurde in den letzten Jahren viel investiert. Im Rahmen unseres Zukunftsprogramms 2005 wurden viele Plätze und Straßen, der öffentliche Raum

in der Innenstadt neu gestaltet. Bis zu den Zerstörungen im 2. Weltkrieg war gerade die Neue Straße dicht bebaut. Im Zuge des Wiederaufbaus

nach 1945 wurde hier – im Sinne einer autogerechten Stadt – eine mehrspurige Durchgangsstraße in Ost-West-Richtung mitten durch die

mittelalterliche Stadtstruktur gebrochen. Das Stadtzentrum wurde in zwei Hälften zerschnitten. Das mittelalterliche Ulm bildete immer

wieder räumliche Schwerpunkte aus. Diese waren auch Spiegelbild der Machtverhältnisse innerhalb der damaligen Bürgerschaft sowie zwischen

der Bürgerschaft und den übergeordneten Autoritäten:


die ehemalige Kaiserpfalz hier am Weinhof,


das Münster mit dem

Münsterplatz,


das Rathaus mit dem Marktplatz.


Diese drei Zentren spiegeln die verschiedenen Phasen der Entwicklung

unserer Stadt wieder, sie werden nun durch die Umgestaltung der Neuen Straße wieder zusammengeführt. Eine Tiefgarage wird unter der Neuen

Straße entstehen, auf dieser Tiefgarage werden Neubauten von höchster städtebaulicher und architektonischer Qualität von privaten

Investoren errichtet. Dieses große städtebauliche Projekt im Zentrum unserer Stadt trägt zur Stärkung der City und der Innenstadt insgesamt

bei.


Hinzu kommt der Bahnhofsbereich. Ein neues Kino wird von einem mittelständischen Familienunternehmen bis Ende des Jahres

realisiert. Weitere Investitionsabsichten von privaten Unternehmen am Bahnhof sind ein gutes Indiz für die Attraktivität unserer Stadt.

Private Investoren, die Ulm als lohnenden Investitionsstandort ansehen, sind keine unwillkommenen Wettbewerber sondern beleben den

Wirtschaftsstandort und werten ihn auf.


Die Stadt selbst wird im kommenden Jahr mit der Neugestaltung des Zentralen

Omnibusbahnhofes und dem Bau eines Fahrradparkhauses sowie völligen Neugestaltung des Fußgängersteges über die Bahnareale beginnen. Und so

schließt sich wieder der Bogen zwischen der sich neuordnenden Weststadt und der neu gestalteten Innenstadt.


Wichtig ist aber,

dass die ICE-Schnellbahnverbindung zwischen Stuttgart und Ulm realisiert wird, ein für uns, aber auch für ganz Baden-Württemberg

bedeutendes Zukunftsprojekt.


Diese Maßnahme hat auch Auswirkungen auf den Ausstellungs- und Messestandort Ulm. Mit dem Bau eines

Tagungsgebäudes im Bereich der Ulm-Messe ist begonnen. Ein zweiter Eingangsbereich mit einer Verbindung zwischen den Hallen 2 und 4 ist

planerisch vorbereitet und wird ein weiterer Baustein in unserem Messeprogramm sein.


Zum Wirtschaftsstandort Ulm gehört auch der

Tourismus, einer der bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren, der jährlich mehr als 200 Mio Euro an Umsätzen in unserer Stadt generiert. Eine

Rekordzahl von 400.000 Stadttouristen bedeutet Umsätze in den Geschäften, der Gastronomie und den Hotels.


Zu einem attraktiven

Wirtschaftsstandort gehört – auch wenn es altmodisch klingen mag – die kommunale Daseinsvorsorge. Die Stadt mit ihren Einrichtungen und

städtischen Gesellschaften versorgt die Einwohner und die Wirtschaft mit Wasser, mit Strom, Gas und ist besorgt um die umweltgerechte

Beseitigung und Abwasserreinigung. Gerade in diesem Bereich sind hohe Investitionen laufend nötig und es hat sich als legales und legitimes

Mittel erwiesen, den Vorteil, den Barwertvorteil, von 8,2 Millionen Euro aus dem Abschluss der Cross-Boarder-Transaktion durch die

Verwendung dieses Geldes im Abwasserbereich durch stabile Gebühren den Bürgerinnen und Bürgern wieder zurückzugeben.


Die

europäischen Wettbewerbsvorschriften werden alle Bereiche der Daseinsvorsorge herausfordern. Die Stadtwerke haben sich auf diese geänderten

Rahmenbedingungen gut eingestellt und werden mit neuen Partnern den Veränderungsprozess meistern.


Im vergangenen Jahr haben die

Stadtwerke einen Überschuss von 21,5 Mio Euro erwirtschaftet. Damit konnte der Verlust aus dem Betrieb des Nahverkehrs in Höhe von 15 Mio

Euro ausgeglichen werden, die Konzessionsabgaben an die Städte Ulm und Neu-Ulm bezahlt werden und ein zusätzlicher Gewinn an die

Gesellschafter ausbezahlt werden.


Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm haben aber auch kräftig investiert. Der 43 Mio Euro teure Neubau des

Verkehrsbetriebshofes ist abgeschlossen. Für 16 Mio Euro wurden neue Straßenbahnfahrzeuge angeschafft. Ab heute fährt die gesamte neue

Straßenbahnflotte – ein Gewinn für alle unsere Fahrgäste.


Die Straßenbahnlinie 1 soll von der Donauhalle bis nach Böfingen

verlängert werden, die Förderfähigkeit dieses Projektes ist aus unserer Sicht gegeben. Bei der Realisierung bitten wir um die Unterstützung

des Landes, wissen wir doch, dass wir im Land einen guten Partner bei der Förderung des Nahverkehrs haben.


Seit Beginn dieses

Jahres hat die Donau-Iller-Nahverkehrsgesellschaft und der Biberacher Nahverkehrsverbund fusioniert, am Ende dieses Jahres wird die

stärkere Kooperation mit dem Heidenheimer Nahverkehrsverbund aufgenommen. Im Industriegebiet Donautal ist, eine fast unendliche Geschichte,

endlich der Bahnhaltepunkt gebaut worden. Beim öffentlichen Personennahverkehr arbeiten die Stadt und die Region eng zusammen, alles gemäß

dem Motto: gemeinsam besser fahren!


Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung, die Orientierung an sozialen, ökonomischen und

ökologischen Gesichtspunkten, dies nehmen wir besonders ernst bei der verstärkten Gewinnung von Strom aus regenerativen Energiequellen. Ulm

ist Spitzenreiter in der Solarbundesliga und hat für die gesamten Solaraktivitäten den Solarpreis 2002 erhalten. Dazu tragen die

Aktivitäten des Zentrums für Solar- und Wasserstoff-Technologie und der Fachhochschule Ulm, ebenso wie die bundesweit einmalige

Solarstiftung Ulm/Neu-Ulm bei.


Ulm ist auch Spitzenreiter bei der Herstellung von Strom aus Wasserkraft und mit dem Ausstieg aus

der Beteiligung am Kernkraftwerk Obrigheim haben wir ein Zeichen gesetzt.


Die Fernwärme Ulm baut das modernste

Biomasse-Kraftwerk, ab der Inbetriebnahme Ende des Jahres werden jährlich 110.000 Tonnen Luftschadstoffe eingespart, ein beispielhafter

Beitrag zur CO²-Minderung durch die Stadt Ulm.


Immer wieder neue Impulse und neue Initiativen haben wir im Rahmen unserer

Bildungsoffensive Ulm gestartet. Ein attraktiver Wirtschaftsstandort muss auch ein attraktiver Bildungsstandort sein. Die junge Generation

weiß, dass in ihrem zukünftigen Berufsleben ein häufiger Berufswechsel eher die Regel sein wird. Deshalb ist die Bereitschaft zum

lebenslangen Lernen unabdingbare Voraussetzung für jede persönliche Zukunftsgestaltung. Es ist beschämend: in keiner anderen

Industrienation der Welt ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg so ausgeprägt wie in Deutschland. Die soziale

Herkunft darf aber nicht über die Zukunft der Kinder entscheiden. Deshalb setzen wir auf gezielte Förderung zur Sprachkompetenz von

benachteiligten Kindern, aber auch auf Förderung von Begabten, wir setzen auf das Erlernen von sozialer Kompetenz, genauso wichtig wie die

verbesserte Lesekompetenz und das Verständnis mathematischer und naturwissenschaftlicher Zusammenhänge.


Es gilt für deutsche wie

für nichtdeutsche Schülerinnen und Schüler, die Startchancengleichheit und die allgemeine Zugänglichkeit für alle Bildungseinrichtungen

sicherzustellen. Dank der großen Hilfe des Landes sind inzwischen sieben von zehn Hauptschulen Ganztagesschulen. Die Schulen können nicht

die Reparaturbetriede der Gesellschaft sein, aber Schulen und Bildungseinrichtungen werden zukünftig noch mehr geprägt durch erweiterte

Lern-, Betreuungs- und Förderangebote. Und hier ist die Initiative der Bundesregierung zur Stärkung der Ganztages-Betreuungsangebote, das

Investitionsprogramm "Zukunft, Bildung und Betreuung", sehr hilfreich. Im Rahmen dieses Programmes werden Finanzhilfen für Investitionen

zum Ausbau neuer Ganztagesschulen und zum Ausbau bestehender Schulen um ergänzende Ganztagesangebote gefördert. Die Stadt Ulm hat hierzu

ein umfangreiches Investitionsprogramm angemeldet, die Stadt selbst wird die notwendigen Eigenmittel im Rahmen dieses Programmes zur

Verfügung stellen. Für die Erweiterung, den Neubau und die Sanierung von Schulen wurden im vergangenen Stadtjahr 5,5 Mio Euro

bereitgestellt. In diesem Jahr werden Schulen mit einem Aufwand von 10 Mio Euro erweitert, saniert und modernisiert. Schulbaumaßnahmen für

die nächsten Jahre werden in einer Größenordnung von 12 Mio Euro vorbereitet. Bis einschließlich 2002 wurden im Rahmen der

Bildungsoffensive bereits Mittel in Höhe von 25 Mio Euro bereitgestellt, für die kommenden Jahre bis 2010 werden es weitere 35 Mio Euro

sein.


Nach den guten Erfahrungen werden wir zu Beginn des Jahres 2004 zusammen mit der IHK Ulm die zweite Ulmer Bildungsmesse

durchführen. Naturwissenschaftliche Berufe sowie Pflegeberufe sollten bei der Berufswahl der jungen Menschen verstärkt im Vordergrund

stehen, deswegen stehen diese beiden Themen im Mittelpunkt der nächsten Bildungsmesse. Die Bildungsoffensive Ulm hat auch in den nächsten

Jahren Priorität in der Kommunalpolitik. Das besondere Engagement vieler Elternvertreter, Fördervereine und Unterstützer von Schulen und

Bildungseinrichtungen, das Engagement vieler einzelner Bürgerinnen und Bürger in und für Schulen prägt auch die Bildungsoffensive Ulm.

Beispielhaft steht dafür der neugegründete Verein "Jung und Alt zusammen", kurz JAZZ genannt. Berufserfahrene ältere Menschen helfen

Jüngeren und bringen ihre Erfahrungen in den Dialog der Generationen ein; sie sind gleichzeitig aufgeschlossen und offen für die

Lebensverhältnisse und Vorstellungen der heutigen Jugend. Gerade dieses, wie viele andere Beispiele zeigen, dass der Generationendialog,

dass die Neudefinition der Solidarität zwischen den Generationen, ein besonderes Zukunftsthema sein wird. Der Veränderungsprozess im

Altersaufbau der Menschen in unserer Gesellschaft, das längere Leben vieler Menschen, die deutlich zurückgehenden Geburtenzahlen, die

teilweise großen Binnenwanderungen innerhalb der Bundesrepublik, all das stellt neue Herausforderungen dar, die neue Lösungen

generationsübergreifend notwendig machen. In den Städten werden neue Formen des Zusammenlebens der Generationen entwickelt werden. Diese

Städte stehen aber in einem Wettbewerb mit dem Umland und mit anderen städtischen Zentren, die Attraktivität der Städte ist deshalb

entscheidend bei der Zuwanderung von außen aber noch mehr angesichts der großen Binnenwanderung im eigenen Lande. Deswegen müssen wir immer

wieder überprüfen, ob wir attraktiv als Standort sind, auch weil die vielen öffentlichen Einrichtungen und die öffentlichen

Dienstleistungsangebote ausgelastet sein müssen. Die mehrfache Nutzung der öffentlichen Einrichtungen, die Einstellung der Wirtschaft auf

die sich veränderten Kundeninteressen, neue städtebauliche und architektonische Herausforderungen und vieles mehr beinhaltet dieses neue

große Zukunftsthema, das in Wahrheit ein altes Thema ist, aber sich nunmehr verstärkt in den Vordergrund drängt. Auf der Tagesordnung des

im nächsten Jahr zu wählenden Gemeinderates wird deshalb das Thema: "der veränderte Altersaufbau der Bevölkerung und die Auswirkungen auf

die Stadt" ganz oben stehen.


Erste Weichenstellungen werden schon heute gestellt, insbesondere im Sozialbereich. Die Betrachtung

von Stadtteilen als sozial zusammengehörende Räume wird beispielhaft umgesetzt in der Weststadt und fortgesetzt in vier weiteren

Sozialräumen. Die städtischen und die Angebote der freien sozialen Träger und Organisationen, müssen stärker miteinander verknüpft werden,

mit dem Ziel, Mehrfachangebote abzubauen, gezielter auf die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger einzugehen und für Lösungen und Hilfen zu

sorgen. Dies soll und muss auch Kosten einsparen, soziale Dienstleistungen effizienter und effektiver machen.


Insgesamt gibt die

Stadt für den Sozial- und Jugendhilfebereich 24 Mio jährlich aus. Damit ist ein Viertel der Finanzmasse, die für Aufgaben der Stadt zur

Verfügung stehen, gebunden. Dieser Betrag ist aber nicht nur eine Zahl, dahinter steht auch das Engagement und der Einsatz vieler

Organisationen gerade im Sozialbereich, die Partner der Stadt sind. Durch den veränderten Altersaufbau sind weitere Angebote, besonders für

pflegebedürftige Menschen, nötig. Das städtische Alten- und Pflegeheim in Wiblingen sowie die anderen Pflegeheime in unserer Stadt sorgen

für die auf Pflege angewiesenen Bürgerinnen und Bürger. In der Weststadt werden ein neues Pflegeheim gebaut und weitere Pflegeeinrichtungen

angeboten. Das Altenzentrum am Clarissenhof wird mit finanzieller Unterstützung der Stadt saniert. In den Stadtteilen Böfingen und am

Eselsberg sind weitere Pflegeeinrichtungen notwendig, die Standorte und die Träger für diese Einrichtungen werden in der nächsten Zeit

ausgesucht und ausgewählt.


Neben all diesen stationären Einrichtungen gibt es eine große Anzahl von mobilen sozialen Diensten,

der Nachbarschaftshilfe, der Behindertenhilfe sowie der individuellen Schwerstbehindertenbetreuung.


Aber nicht nur die Alten in

unserer Gesellschaft sondern auch die Jugendlichen, die Hilfe brauchen, bekommen die notwendige Unterstützung. Dabei hilft die gute

Kooperation der städtischen Stellen mit den freien und kirchlichen Trägern und Organisationen. Der Stadtjugendring, als Dachverband von

über 50 Jugendorganisationen, ist Teil unserer Sozialraumorientierung und leistet hervorragend Jugendarbeit. Die Stadt hat im Bereich der

Oberen Donaubastion unter Einsatz vieler öffentlichen Gelder einen neuen Schwerpunkt für Jugendinitiativen und Jugendorganisationen, für

Jugendhilfeeinrichtungen und für Jugendkulturaktivitäten ermöglicht. Der neugegründete Jugendfonds Ulm ist ein vorbildliches Beispiel für

Eigeninitiative und Einwerbung von Geldern, die wieder der Arbeit in den Jugendorganisationen zufließen.


In allen Stadtteilen

wurden Bürger- und Nachbarschaftszentren errichtet und eingerichtet. Im vergangenen Stadtjahr sind solche Zentren am Eichberg und in der

Neustadt mit einem Mittelaufwand in Höhe von 800.000 Euro hinzugekommen. Die Stadt bietet damit Räume und Begegnungsmöglichkeiten, die von

der Bürgerschaft genutzt werden können.


Die Stadt hat das Übernachtungsheim mit 400.000 Euro saniert und umgebaut, damit wird

auch wohnungslosen Frauen und Männern eine neue Tagesstätte und Genesungsplätze für wohnungslose Kranke ein Stück Hilfe und Heimat geboten.

Auch dies darf in einer Schwörrede nicht vergessen werden.


Gleichwohl steigen die Sozialausgaben Jahr für Jahr und eine

wesentliche Ursache dafür ist auch die schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt und der soziale wie demographische Wandel. Die kommunalen

Haushalte werden durch vorgegebene Standards belastet, die Bund und Land vorgeben und die Stadt erledigen muss. Eine deutliche Entlastung

erwartet die Stadt von der Zusammenlegung der Sozialhilfe und der Arbeitslosenhilfe. Die Finanzierung der Langzeitarbeitslosigkeit ist

Bundesangelegenheit und keine kommunale Aufgabe, diese Aufgabe ist deshalb auch mit Bundesmitteln zu finanzieren und nicht weiter auf die

Kassen der Städte abzuwälzen.


Auch in diesem Bereich gilt das Prinzip des Förderns und des Forderns, eine längst gängige Praxis

in den Städten und Gemeinden. Starke können Schwache noch mehr unterstützen mit dem Ziel, dass aus den Schwachen wieder Stärkere werden,

die dann das zurückgeben, was sie von der Gemeinschaft bekommen. So funktioniert das Solidarprinzip als Grundlage unseres

Sozialstaates.


Wenn die Bevölkerung weiterhin schrumpft, der demographische Wandel sich weiter fortsetzt, dann wird dies auch

Auswirkungen auf die Stadtkultur haben.


Kulturelle Angebote in einer Stadt sind mehr als nur ein Markenzeichen oder eine

Marketingaktion. Die städtische Kultur spiegelt das städtische Selbstbewusstsein mit seinen vielfältigen Facetten wieder.


Das

städtische Museum hat nach dem Erweiterungsbau für die moderne Kunst nun die Abteilung "Alte Kunst" ausgebaut. Die Freunde des Ulmer

Museums unterstützen seit 20 Jahren großzügig unser städtisches Museum.


Die städtische Bibliothek hat mit 78.000 Entleihungen

und 270.000 Besucher/innen und Besuchern im vergangen Stadtjahr ihre große Attraktivität unter Beweis gestellt. Die Arbeiten am 13 Mio Euro

teuren Neubau der Zentralbibliothek gehen weiter. Im kommenden Jahr wird die neue Bibliothek eröffnet, rechtzeitig zu unserem besonderen

Stadtjubiläum wird alles fertig sein.


Mit dem Auszug der Bibliothek aus dem Schwörhaus wird neuer Raum und neue Möglichkeiten

für die Präsentation des Ulmer Stadtarchives geschaffen. Das Stadtarchiv öffnet sich für alle gesellschaftlichen Gruppen, der Arbeitskreis

"Schule und Archiv", der seit 25 Jahren besteht, hat Interesse an geschichtlichen Vorgängen geweckt und zeigt den Nutzen des Archivs auch

für die heutige und zukünftige Generation auf.


Das Ulmer Theater hat in der letzten Spielzeit mit über 248.000 Zuschauern einen

Besucherrekord aufstellen können. Ein besonders aktiver Förderverein unterstützt Jahr für Jahr in großzügiger Weise die Arbeit des

Theaters. Zum drittenmal wurden die Baden-Württembergischen Theatertage in Ulm durchgeführt, ein weit über unsere Stadtgrenzen hinaus

bedeutsames Kultur- und Theaterereignis. Allen am Ulmer Theater, die mit ihrem großen Einsatz zu dem großen Erfolg beigetragen haben, sei

hier herzlich gedankt.


Vor 10 Jahren wurde das Stadthaus am Münsterplatz eröffnet, ein Haus, das zu einem neuen markanten

Stadtzeichen geworden ist, ein Haus mit herausragendem Stellenwert. Dankbar sind wir für die vielen Unterstützer der Aktivitäten im

Stadthaus.


Drei Jahre nach der Eröffnung ist das Donauschwäbische Zentralmuseum, die besondere Gemeinschaftsinitiative von Bund,

Land, Stadt und landsmannschaftlichen Organisationen, ein fester Bestandteil im Ulmer Kulturleben geworden.


Dies gilt schon seit

vielen Jahren für das Museum, das nunmehr einen neuen Namen trägt: das "Museum der Brotkultur".


Die neue Jugendmusikschule bietet

ideale Möglichkeiten, generationsübergreifend Kultur selbst zu praktizieren. Die Ensembles der Ulmer Knabenmusik und der "Ulmer

Spatzen"-Chor sind besondere Botschafter unserer Stadt.


Das "Ulmer Zelt" hat eine besonders erfolgreiche Saison abgeschlossen,

das "Roxy" in der Donaubastion ist und bleibt unverzichtbarer Kultur- und Veranstaltungsort.


Ein ganz besonderer Lernort und Ort

der geistigen Auseinandersetzung wurde durch die Gründung der Hochschule für Gestaltung (HfG) vor 50 Jahren in Ulm geschaffen.
1953

nahm die Schule ihren Unterricht auf, sich ausdrücklich in der Tradition des Bauhauses sehend und innerhalb kürzester Zeit eigenes Profil

bildend. Dauerhafte Güter, worin schon damals der ökologische Gedanke formuliert war, wurden hier entworfen, gestaltet und zur

Anwendungsreife gebracht. "ulmer modelle" wurden dank der HfG weltweit verbreitet. Die begleitende Ausstellung zu diesem besonderen

Jubiläum soll noch einmal die Ideen und die Anregungen aus dieser Schule für unser heutiges Wirken, Gestalten, Entwerfen und Entwickeln neu

beleben.


Viele Bürgerinnen und Bürger engagieren sich in besonderer Weise im Sport, übernehmen Verantwortung in den Vereinen und

leisten großartige Jugendarbeit. 66 Sportvereine mit 42.000 Mitgliedern erhalten eine verlässliche Unterstützung ihrer Aktivitäten durch

die Stadt. Die Sportförderung besteht aus eigenen Investitionen in Sportstätten, aus Investitions- und Sanierungszuschüssen für die Vereine

und aus der laufenden Sportförderung Jahr für Jahr in Höhe von fast 2 Mio Euro. Der Bau der Sporthalle im Ulmer Norden ist ein weiterer

Baustein in der Sportförderung mit einem Investitionsaufwand von 6,7 Mio Euro, wobei sich die Universität Ulm finanziell beteiligt, da

diese Sporthalle auch zur Förderung des Sports für die Universitätsangehörigen und die Studierenden dienen soll.


Die große

Sportbegeisterung in unserer Stadt ist auch deutlich geworden bei der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaft im Ulmer Stadion. Zur

Sanierung des Stadions haben wir 930.000 Euro ausgegeben, eine Maßnahme die jetzt auch den Sportvereinen und den Schulen insbesondere

zugute kommen wird. Die Meisterschaften waren eine besondere Sportveranstaltung, die durch die gute Stimmung und durch die Begeisterung zu

einem besonderen Sportereignis geworden ist. Allen, die dabei mitgeholfen haben, sei noch einmal herzlich gedankt.


Ein

besonderer Höhepunkt war der Erfolg der Ulmer Volleyball-Damenmannschaft. Der Pokalsieg und die Deutsche Meisterschaft in einem Jahr waren

der gerechte Lohn für eine großartige Mannschaftsleistung eines besonders sympathischen Teams. Herzlichen Glückwunsch den Volleyball-Damen

zu diesem doppelten sportlichen Erfolg.


Ausdauer, Trainingsfleiß, Spielwitz und viele andere sportliche Eigenschaften haben auch

im vergangenen Stadtjahr die Mitglieder des Ulmer Gemeinderates und die Ortschaftsräte unter Beweis gestellt. Sie repräsentieren die

Bürgerschaft und nehmen die Interessen der über 115.000 Bürgerinnen und Bürger, auch der 19.000 nichtdeutschen, mit großem Arbeitseinsatz

und viel Zeitaufwand wahr. Die Bürgerinnen und Bürger sollen und werden verstärkt in die Geschicke und in die Entwicklung der Stadt aktiv

einbezogen, in unserer repräsentativen Demokratie gilt aber, dass die vom Volk gewählten die Entscheidungen treffen und dafür auch

verantwortlich sind. Und für die Wahrnehmung dieser Verantwortung und Aufgabe im vergangenen Stadtjahr gilt unser aller Respekt und unsere

Anerkennung und unser Dank allen gewählten Repräsentanten.


Demokratie zu praktizieren und einzuüben, das ist auch der Sinn des

Kinder- und Jugendparlaments, das nunmehr seit 10 Jahren existiert und immer wieder Kinder und Jugendliche neu motiviert und integriert in

unser demokratisches Gemeinwesen. Den Jungparlamentariern gebührt ebenso unser Dank und unsere Anerkennung.


In gleicher Weise

gilt dieser Dank all den Bürgerinnen und Bürgern, die unser gesellschaftliches Leben durch ihr Engagement mitprägen, die aktiv sind in den

verschiedenen Vereinen und Organisationen, im Seniorenrat und im Altentreff Ulm/Neu-Ulm, die mitarbeiten in der Ulmer Vesperkirche, die

sich für unseren schönen botanischen Garten engagieren, mit unserem Naturkundlichen Bildungszentrum zusammenarbeiten, die sich aber vor

allem in der Lokalen Agenda Ulm 21 durch praktisches Handeln auszeichnen. Agenda, das heißt Terminkalender, Schreibtafel, Merk- oder

Notizbuch. Es wird damit Aufgaben, die noch zu erledigen sind und Obliegenheiten, die noch abzuarbeiten sind, beschrieben. Es kann aber

auch ganz einfach übersetzt werden mit dem Wort: Hausaufgaben.


Eine besondere Hausaufgabe ist der bessere Hochwasserschutz, vor

allem in Wiblingen. Die Planungen sind abgeschlossen, die Genehmigungen liegen vor, die Finanzmittel stehen zur Verfügung und die letzten

Grundstücksfragen werden geklärt, es kann mit dem Bau der Hochwasserschutz-Anlagen begonnen werden.


Katastrophen, Brände, Unfälle

oder andere Notlagen sind besondere Herausforderungen für alle, die für die Sicherheit in unserer Stadt sorgen. Die Frauen und Männer der

Polizei, der Bürgerdienste, den Katastrophen- und Rettungsorganisationen, alle die hauptamtlich und freiwillig bereit stehen, zu helfen und

in den Einsatz auszurücken, wenn Unfälle und Notfälle eintreten, all denen sei für diese Bereitschaft und für ihren Einsatz herzlich

gedankt.


Das gilt auch für die hauptamtlichen und freiwilligen Frauen und Männern der Ulmer Feuerwehr. Die Jubiläumsveranstaltung

150 Jahre Deutscher Feuerwehrverband war ein besonderes Ereignis. Aus ganz Deutschland, aus Europa und aus Übersee sind viele nach Ulm

gekommen, wo Conrad Dietrich Magirus und seine Nachfolger mit Traditionsbewusstsein und Innovationsfreude bis zum heutigen Tage das

Feuerwehrwesen in der ganzen Welt prägen. Allen Mitwirkenden, die dieses Feuerwehrfest zu einem ganz besonderen Jubiläumsfest gemacht

haben, sei herzlich gedankt.


Ein herzliches Wort des Dankes gilt aber auch den 2.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der

Stadtverwaltung Ulm. Die Verwaltungsreform geht weiter. Zu Beginn des Jahres wurde das Zentrale Gebäudemanagement eingerichtet. Weitere

Veränderungen stehen an und die Bereitschaft zum aktiven Mitwirken an diesen Veränderungen ist notwendig. Die Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter sehen ihre Arbeit als einen Dienst für die Bürgerschaft, beispielhaft möchte ich die Frauen und Männer nennen, die den

Winterdienst besorgen und tagtäglich für die Stadtreinigung sorgen, die vor allen Dingen den Dreck wegräumen, den viele von uns achtlos

einfach auf die Straße werfen. Die Beschwerden über die dreckige Stadt sind vor allem Beschwerden über das eigene Verhalten. Ein

verändertes Verhalten, ein bisschen mehr Sorgfalt mit öffentlichen Räumen und Gebäuden, all das würde zu aller erst den Stadtsäckel

entlasten und für eine saubere Stadt sorgen und dabei kann jeder aktiv mitwirken.


Viel verdanken wir den engagierten Bürgerinnen

und Bürgern, den Zivildienstleistenden, den jungen Menschen im Freiwilligen sozialen Jahr, den ehrenamtlich Tätigen und den

bürgerschaftlich Engagierten. Wir belassen diesen Dank und die Anerkennung aber nicht nur bei den Worten, wir haben inzwischen auch über

die Jahre hinweg eine besondere Anerkennungskultur entwickelt: Mit der FreiwilligenCard geben wir den besonders Engagierten ein Dankeschön

praktisch zurück, mit dem Ulmer Band zeichnet die Ulmer Bürgerstiftung besonders engagierte Bürgerinnen und Bürger aus. Die Ulmer

Bürgerstiftung, die seit ihrer Gründung im Jahre 1997 inzwischen 120 verschiedene Einzelprojekte mit einem Gesamtbetrag von über 1 Mio Euro

gefördert hat, setzen wir praktische Zeichen der Unterstützung und Anerkennung.


Neue Stiftungen sind entstanden, die segensreiche

Arbeit der Bürgergemeinschaft "pro ulma" wird nunmehr zusätzlich durch eine eigene "pro ulma-Stiftung" unterstützt.


Die "Stiftung

Erinnerung Ulm" wurde gegründet. Damit soll Mut gemacht werden zum Handeln für Demokratie und Rechtstaat, für Menschenwürde, für Toleranz

und Frieden. Die Stiftung wurde aus Anlass des 60. Todestages der Geschwister Scholl errichtet, die persönlich ein mutiges Zeichen gegen

Unrecht, Gewalt und Terror im Dritten Reich gesetzt haben, und wegen ihres Widerstandes vor 60 Jahren hingerichtet wurden.


Alle

Ereignisse in unserer Stadt in den letzten Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten hat das Ulmer Münster überdauert. Die Renovierung und

Sanierung, insbesondere die Erhaltung des südlichen Münsterturms, erfordern nach wie vor die große Spendenbereitschaft der gesamten

Bürgerschaft, besonderer Dank gilt dem besonderen Engagement der Mitglieder des Ulmer Münsterbauvereins.


Die Schwörglocke vom

Münster ruft die besondere Verantwortung von uns allen für unsere Stadt in Erinnerung. Die heutige Generation muss sich als Glied in der

Kette der Generationen in unserer Stadt verstehen. Im kommenden Jahr werden wir in besonderer Weise der Geschichte, der Persönlichkeiten

und der Ereignisse unserer Stadt gedenken. Im kommenden Jahr werden wir viele Menschen zum Donaufest, zum Deutschen Katholikentag, zum

Posaunentag, zum Fischerstechen und zu vielen anderen Gelegenheiten in unserer Stadt willkommen heißen. Wir wollen die Ereignisse im

nächsten Jahr auch dazu nutzen, uns als würdige Nachfahren in der langen Reihe der Ulmer Generationen optimistisch präsentieren. Auch dazu

ruft uns die Schwörglocke auf.


Der Klang der alten Glocke erinnert uns, wie alle unsere Vorfahren, daran, dass wir letztendlich

unvollkommen und oft schwache Menschen sind, das wir angewiesen sind auf die Hilfe und Gnade Gottes. Sie mahnt und erinnert uns aber auch

daran, dass wir uns alle bemühen müssen, dem alten Ulmer Schwur gerecht zu werden. Mit diesen Gedanken will ich den Schwur aus dem

Schwörbrief von 1397 erneuern:


"Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in den gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen

ohne allen Vorbehalt."

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