Theater Ulm - Rigoletto
(redback) - Oper in drei Aufzügen von Giuseppe Verdi
Bin ich ein Narr geworden?
Narrenfreiheit ist gefährlich. Ein Doppelleben zu führen, ist gefährlicher. Zusammen aber ist es hochexplosiv. Rigoletto, der als Hofnarr und Berufszyniker sich vor allen Risiken geschützt wähnt, führt ein Doppelleben als überängstlicher Vater einer erwachenden Tochter. Virtuos tauscht er seine Masken und Kostüme, bis die Bombe platzt: Die behütete Tochter wird zur Gespielin des liebestollen Fürsten, dessen Gefolge den Hofnarren selber zum Gespött machen. In blinder Wut begeht Rigoletto Fehler um Fehler - zuletzt bleiben ihm nur noch Tränen an der Leiche seiner Tochter ...
1.Akt:
Keine schöne Frau ist vor den erotischen Übergriffen des Herzogs von Mantua sicher. Sein neuestes Opfer ist die Gräfin Ceprano, die er bei einem Festgelage vor den Augen ihres Gatten verführt. Da erscheint Graf Monterone und klagt den Herzog an, seine Tochter geschändet zu haben. Rigoletto verhöhnt den leidenden Vater. Monterone verflucht den Herzog und seinen Narren.
Monterones Fluch verfolgt Rigoletto in seinen Gedanken. Als ihm der Auftragsmörder Sparafucile seine Dienste anbietet, ahnt er noch nicht, wie bald er diese in Anspruch nehmen wird.
Rigoletto führt ein Doppelleben. Mit spitzzüngiger Schonungslosigkeit verhöhnt er die Leidenden und verbirgt als liebender Vater seine Tochter Gilda vor der Welt.
Von ängstlichen Vorahnungen gequält ermahnt er sie wiederholt, das Haus nur zum Kirchgang zu verlassen. Was er nicht weiß: Gilda hat sich in einen jungen Mann verliebt, dessen Identität sie nicht kennt. Was sie nicht weiß: Der junge Mann ist in Wirklichkeit der Herzog. Nachdem Rigoletto gegangen ist, verschafft die Hausdame Giovanna dem Herzog Zutritt, der Gilda seine Liebe gesteht - er sei Student und sein Name sei Gualtier Maldè!
Vor dem Haus versammeln sich die Höflinge unter der Führung von Marullo. Sie wollen Rigolettos vermeintliche Geliebte entführen. Als Opfer einer Täuschung erkennt Rigoletto zu spät den Ernst der Situation. Erst Gildas Hilferufe aus der Ferne lassen ihn begreifen: Monterones Fluch zeigt seine Wirkung.
Pause
2.Akt:
Der ahnungslose Herzog ist wütend, weil er Gilda nicht mehr finden kann. Den noch unbekannten Entführern schwört er Rache. Als er erfährt, dass sie sich im Palast aufhält, eilt er zu ihr.
Rigoletto erscheint und sucht lauernd nach einem Beweis für Gildas Anwesenheit. Die Höflinge verspotten den Narren. Rigolettos Verdacht wird jedoch bestätigt, als Gilda völlig aufgelöst in den Raum stürzt. Weinend schildert sie ihrem Vater das Geschehen der letzten Nacht. Monterone, der zur Hinrichtung geführt wird, nimmt seinen Fluch vom Herzog zurück. Rigolettos Durst nach Rache wird fanatisch.
3.Akt:
Sparafucile lebt abseits mit seiner Schwester Maddalena, die dem Mörder als schöner Lockvogel dient. Rigoletto will Gilda die wahre Natur des Herzogs vor Augen führen, der Maddalena für ihre Liebesdienste bezahlt. Schließlich schickt er seine entsetzte Tochter fort, mit dem Befehl, sofort nach Verona abzureisen. Er selbst bleibt zurück und sichert sich Sparafuciles Dienste, den Herzog noch in dieser Nacht zu ermorden.
Im nächtlichen Gewittersturm geschieht es: Maddalena bittet ihren Bruder, den jungen Mann nicht zu töten, sondern ein anderes Opfer zu finden. Die heimlich zurückgekehrte Gilda hat das Gespräch belauscht und opfert sich für den noch immer Geliebten.
Rigoletto findet den Sack mit dem verhassten Opfer. Während er triumphiert, erklingt in der Ferne die Stimme des Herzogs. Zu spät erkennt Rigoletto, dass der Tod ihm die Tochter aus den Händen reißt. Monterones Fluch hat sich erfüllt.
Giuseppe Verdi zeigt sich als ein kluger musikalischer Sprengmeister solch hochexplosiven Theaterdynamits, das er in Victor Hugos Drama "Le roi s'amuse" findet. Mit "Rigoletto" tritt 1851 vollends die auskomponierte musikalische Szene an die Stelle der konventionellen Arien-Reihung. Neben Panoramen der dekadenten Macht steht die differenzierte Studie eines brechenden Charakters. "Rigoletto" kombiniert die Dynamik praller Italianitá mit der Präzision moderner Psychologie. "Rigoletto" ist Oper und Musiktheater zugleich.
Die Ulmer Neuinszenierung von Guiseppe Verdis "Rigoletto" feierte am 18.01.2007 in einem, trotz "stürmischer" Laune der Natur, gut gefüllten Großen Haus ihre Premiere. Neben dem aufwändig gestalteten Bühnenbild überzeugten vor allem die authentischen Darsteller in Stimme und Schauspiel. "Rigoletto" ist eine Oper, die nicht zuletzt wegen ihrer bekannten Arie "La Donna e mobile" sehens- und hörenswert ist. Die Spielzeit für Januar und Februar (soweit bekannt), der Sitzplan, Preise und Reservierungen können unter www.theater.ulm.de eingesehen werden.
Musikalische Leitung: GMD James Allen Gähres
Inszenierung: Matthias Kaiser
Bühne: Detlev Beaujean
Kostüme: Angela C. Schuett
Fotos: Jochen Klenk
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