Baden-Württembergische Theatertage - Don Carlos
() - Am Mittwoch den 14.05. konnten im Rahmen der Baden-Württembergischen Theatertage die Zuschauer des fast ausverkauften Ulmer
Theaters "Don Carlos, Infant von Spanien - Ein dramatisches Gedicht" sehen.
Kurz zum Geschehen: Don Carlos, der Kronprinz des
spanischen Weltreiches, liebt seine jugendliche Stiefmutter, die Königin Elisabeth. Verschlossen gegen seine Umgebung, enthüllt er sein
Geheimnis dem aus Brüssel zurückgekehrten Marquis von Posa, seinem Jugendfreund. Die Basis ihrer Freundschaft war das beiderseitige
Verlangen, den unter spanischer Herrschaft stehenden Niederlanden die Freiheit zu geben. Um so mehr ist Posa irritiert über das
Befinden von Don Carlos, den er melancholisch und ausgezehrt von der unglücklichen Liebe zur Königin antrifft. Für den Marquis ist
Carlos Verhalten unverständlich. Dennoch arrangiert er eine Unterredung zwischen Elisabeth und Carlos, in deren Verlauf der Prinz seine
Liebe zu ihr bekundet. Er wird allerdings von der Königin zurückgewiesen und auf seine politische Bestimmung aufmerksam gemacht, ein
neues Zeitalter in Spanien einzuläuten und die Grausamkeiten in den Niederlanden zu beenden: so appelliert sie an ihn:" Elisabeth war ihre
erste Liebe. Ihre zweite sei Spanien." Also verlangt Carlos von seinem Vater, anstelle des "Henkersknechtes" Herzog Alba das Kommando über
die in die Niederlande entsandten spanischen Truppen zu erhalten. Doch der König lehnt ab, denn der Aufruhr dort verlangt seines Erachtens
eine harte Reaktion, für die sein Sohn zu weich ist. Er hat kein Vertrauen zu Karlos und unterstellt ihm zudem Putsch bzw.
Mordpläne:" und zugleich mein bestes Kriegsheer deiner Herrschbegierde? Das Messer meinem Mörder?"
Der weitere Gang der Handlung
wird nun durch eine Intrige der Prinzessin Eboli, einer Hofdame der Königin, vorangetrieben. Sie ist heimlich in Don Carlos verliebt und
sendet ihm ein anonymes Schreiben zu , worin dieser wiederum eine geheime Nachricht der Königin erblickt. Eine Konfrontation zwischen
Carlos und der Prinzessin klärt das Missverständnis, aber die Prinzessin weiß nun auch um die Neigung des Kronprinzen für die Königin.
Carlos dafür erfährt, dass sein Vater zu den Verehren der Eboli zählt. Um ihre Schwäche zu rächen, weckt sie, in Verbindung mit Herzog
Alba und Domingo, dem königlichen Beichtvater, beim önig den Verdacht einer "blutschänderischen Umarmung"(=Verhältnis) zwischen Mutter
und Sohn. In der weiteren Entwicklung der Handlung gewinnt Posa eine zentrale Bedeutung. Er wird am Ende des dritten Aktes vom König
beauftragt, ihm Sicherheit über die Behauptungen der Eboli zu verschaffen. Posa enthüllt im Zusammentreffen mit dem König seine
republikanische Gesinnung und drängt ihn, die Niederlande von der spanischen Tyrannei zu befreien. Posa soll Carlos überwachen und will
natürlich die Unschuld seines Freundes beweisen. Zugleich verfolgt er hinter dem Rücken des Königs seine Rebellionspläne weiter. Der
Marquis will nämlich heimlich mit Carlos in die Niederlande reisen.Posa entlarvt die Intrige der Eboli und verschafft sich einen
Haftungsbefehl, um Carlos besser kontrollieren zu können, weiht diesen aber nicht in seine Vorhaben ein. Der Prinz vertraut sich erneut
der Eboli an und Posa kann die Situation nur noch klären indem er entweder die Prinzessin tötet, oder sich selbst opfert. Er entscheidet
für letzteres. Carlos wird vorübergehend vom Marquis verhaftet. Zugleich spielt er dem König ein Schreiben in die Hände, das ihn, Posa,
als Hochverräter ausweist, denn der Brief handelt von der angeblichen Liebe zwischen der Königin und dem Marquis. Carlos kommt frei,
und Posa kann ihm die wahren Hintergründe schildern. Er hat zugleich alles vorbereitet, dass der Prinz in die Niederlande flüchten kann.
Kurz darauf wird Marquis Posa als Hochverräter erschossen.
Auch die Königin ist nun in Carlos Vorhaben eingeweiht. Sie hat zur
Begünstigung seiner Flucht in Madrid einen Aufstand veranlasst. Doch Herzog Alba entdeckt die Pläne und der König übergibt seinem Sohn dem
Großinquisitor .Das Drama beschließt mit den Worten des Königs:" Kardinal! Ich habe das Meinige getan. Tun Sie das Ihre".
Die
Schauspieler des Ulmer Theaters bezogen die sehr schönen Kulissen mit einer Selbstverständlichkeit wie ich es noch nie gesehen hab mit in
die Handlung mit ein. Dieses Interagieren mit den Räumlichkeiten und einigen humoristischen Umsetzungen des dramatischen Stoffes Schillers
in den ersten Akten machten den ursprünglich recht trockenen Stoff auch Theater-Laien gut zugänglich. Man kann jetzt schon mit Recht
behaupten, dass die Baden-Württembergischen Theatertage ein voller Erfolg waren, auch wenn Schillers Don Carlos wenig mit dem echten Sohn
Phillips des II. gemeinsam hat.
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