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Wiederaufnahme von „Lola Blau“

(Frohike) - „Lola Blau“, das „Musical für eine Schauspielerin“ von Georg Kreisler, wurde in der Spiel­zeit 2003/2004, inszeniert von Sebastian C. Maier mit Sibylle Schleicher als Lola, musi­kalisch einstudiert und begleitet von Thomas Hannig, zu einem der „Theater­höhepunkte der letzten Jahre“ in Ulm. Am Samstag wird – auf vielfachen Wunsch des Publikums – „Lola Blau“ in einer Neueinstudierung des bewährten Teams im Podium endlich wieder auf­nommen.

„Wegen welchen politischen Ereignissen?“ fragt Lola Blau am 12. März 1938, dem Tag von Hitlers Ein­marsch in Österreich. „Ich kümmere mich überhaupt nicht um Politik!“ Diese aber verändert die Lebenspläne der jungen, naiven jüdischen Schauspielerin, die doch nichts will, „als ein bisschen tanzen und singen und ihrem Publikum Freude machen“ (Kreisler). Sie begreift nicht, warum Leo und ihr Onkel Paul Wien verlassen wollen, folgt aber deren Drängen und emigriert über die Schweiz, wo sie sich als Nachtclubsängerin über Wasser hält, nach Amerika, das sie zu einer Art sexy-dümmlichen Marilyn-Ikone im rosa Dirndl macht. Zwischen Alkohol und Wehmut wird Lola Blau zur Kabarettsängerin und kehrt 1945 nach Wien zurück. Durch den Krieg ist ihre jugendliche Naivität verflogen. Ohn­mächtig singt sie gegen die Gleich­gültigkeit derer an, die weitermachen, als sei nichts ge­schehen.

„Lola Blau ist im Grunde die Geschichte einer Ohnmacht“, so Georg Kreisler. „Lola steht dem Anti­semitismus ebenso ratlos ohnmächtig gegenüber wie dem eigenen Judentum. Sie ist ohnmächtig gegen die sturen Schweizer, wütet ohnmächtig gegen die Sex-Karriere in Amerika, und am Schluß ist sie wieder ohnmächtig gegen die österreichischen Ewig-Gestrigen.“ Für Sibylle Schleicher, die Österreicherin mit jüdischen Vorfahren, ist die Lola Blau weit mehr als eine Bühnenfigur, und so fließt in die Neueinstudierung neben den Erfahrungen aus 15 gespielten Vorstellungen verstärkt ihre ganz persönliche Aus­einandersetzung und Erfahrung mit der deutsch-österreichischen Geschichte des 20. Jahrhunderts ein. Für Regisseur Sebastian C. Maier geht es darüber hinaus jetzt auch darum, zusammen mit Thomas Hannig, die musikalischen Übergänge fußend auf den gemachten Erfahrungen zu verändern und die Inszenierung an das neue Podiums-Konzept anzu­passen.

Gemeinsam mit Marianne Hollenstein, der neuen Ausstattungs­leiterin des Podiums, hat er die Symmetrien des Szenenraumes neu ausgerichtet, die Bühne gedreht, um dem Raum und seiner Szene mehr Kraft zu verleihen. Und natürlich ist er „sehr stolz darauf, der Regisseur der einzigen Wiederaufnahme aus der nun ver­gangenen Ära Ansgar Haag zu sein.“


LOLA BLAU
Musical für eine Schauspielerin von Georg Kreisler

Wiederaufnahme: Samstag, 30.09.2006, 19.30 Uhr im Podium
Weitere Termine: Mittwoch, 04.10.2006, 20.15 Uhr / Freitag, 13.10.2006, 20.15 Uhr / Donnerstag, 19.10.2006, 20.15

Eintritt: 11,00 Euro (ermäßigt 6,00 Euro)
Karten unter: 0731/1614444 oder theater.ulm.de

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