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Fiesko im Tüllrock...

(cheergirly) - ...und Doria in Schlangenleder: Schillers „Verschwörung des Fiesko zu Genua“ im Ulmer Theater

Genua, 16. Jahrhundert. Die Handelsmetropole ist von Intrigen umsponnen. Der zügellose Gianettino von Doria schreckt vor nichts zurück um an die Macht zu gelangen, und bereitet nicht nur die Entmachtung seines alternden Onkels – des Dogen von Genua – vor, sondern plant gleich die Ermordung des gesamten Senats, damit es keine Hindernisse auf dem Wege zur Alleinherrschaft gibt.
Gleichzeitig bereiten unzufriedene Republikaner den Sturz der Dorias vor. Angeführt wird der Putsch von Verrina, der in seinem Kampf für einen gerechteren Staat bereit ist, über Leichen zu gehen. Den Anlass zu der Verschwörung gibt Gianettio selbst, indem er Verrinas Tochter Bertha vergewaltigt.
Calcagno, Sacco und Bourgognino, der Bräutigam des geschändeten Mädchens, schwören Rache.

Der Kopf der Verschwörung, Fiesco, Graf von Lavagna, scheint nicht an einem Umsturz interessiert. Verliebt in die verdorbene Schwester von Gianettino, Julia, scheint er jeglichen politischen Ehrgeiz verloren zu haben. Geblendet von seiner Leidenschaft bemerkt er auch nicht die Leiden seiner Gattin, die sich dieser Liaison bewusst ist und sich in Lebensgefahr befindet… Allein Verrina lässt sich nicht von Fieskos gleichgültiger Miene täuschen. Zurecht vermutet er einen auf nach Macht durstenden Verschwörer hinter der Maske eines liebestollen Clowns.
Für ihn steht fest, er kann den Mord an Doria nicht verantworten, solange Fiesko am Leben bleibt …
Ein eiskaltes Spiel beginnt, in dem die Beteiligten nur Marionetten sind. Doch wer zieht die Fäden?

Den Meistertitel in Spannung und kunstvollen Versen kann Schiller keiner aberkennen. Dies beweist „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua“ zum wiederholen Male. Die Inszenierung ist jedoch nicht jedermanns Sache. Man ist sich nicht sicher, ob diese eine provokant-moderne Interpretation des Stückes ist oder eher eine Mockerie auf das ursprüngliche Werk. Fiesko ist mit einem Rock aus Tüll und einer Clownnase bekleidet, der ungehorsame Verrina muss, auf Fiescos Befehl einem Erstklässler gleich die Schultafel mit „Subordination“ bemalen, und das Hauptgeschehen findet in einem Badezimmer statt.
Bei der Premiere war sich das Publikum unschlüssig, ob es nach dem ersten Akt klatschen oder gehen sollte. Die meisten klatschten dennoch.

Fazit: Geschmackssache. Wer Schiller mag, wird dieses Stück nicht notwendigerweise lieben. Einen Versuch ist es aber auf jeden Fall wert. Schiller zuliebe.

Link: Ulmer Theater

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