Erzähltheater inspiriert vom „Kleinen Prinzen“
(redback) - Inszenierung: Ann-Kathrin Schneider
Es spielt und erzählt: Jana Zöll
(Schauspielstudentin - 1. Integrativer Studiengang Darstellende Künste für Menschen mit Körperbehinderung)
Unter dem Arbeitstitel "Den Sternen so nah" entwickelte die angehende Theaterpädagogin Ann-Kathrin Schneider seit August 2005 gemeinsam mit der 21jährigen Schauspielstudentin und Erzählerin der Geschichte Jana Zöll ein Erzähltheater, das sich vom dem Buch "Der kleine Prinz" inspirieren ließ. Das Stück feierte am Dienstag, dem 08. November 2005 Premiere in den Kellergewölben der Akademie im Fort Unterer Kuhberg und ist allen gewidmet, die ihre Kindheit noch heimlich in sich tragen.
"Den großen Leuten muss immer alles erklärt werden. Sie wissen einfach gar nichts!..." In diesem Sinne beginnt die Geschichte vom kleinen Prinzen. Ein Märchen, das die Welt aus Kinderaugen beschreibt, um so auf radikale Weise dem Leser das phantasielose und materialistisch orientierte Leben der Erwachsenen vorzuhalten. Es ist ein philosophisches-, gesellschaftskritisches- und ein Märchen über Einsamkeit.
Wer sagt denn, dass Menschen unterschiedlicher Rassen, Religionen, Sprachen und Milieus ein unterschiedliches Herz haben? Antoine de Saint-Exupéry ist zu früh gestorben um mitzuerleben, dass sein kleiner Prinz zu Millionen Menschen sprechen sollte, die nach außen hin nichts gemein hatten. Aber da man nur mit dem Herzen gut sieht, hat die Botschaft des Kindes mit den goldenen Haaren, über alle "sichtbaren" Unterschiede hinweg, die Menschen auf der ganzen Welt berührt und bewegt.
Diese Botschaft griffen die Schauspielerin und die Theaterpädagogin auf und haben daraus gemeinsam ein eigenes Stück entwickelt, in dem die Erzählerin sehr frei ihre Version der Geschichte des Kleinen Prinzen erzählt. Inspiriert von dem 1944 unter mysteriösen Umständen verschollenen französischen Autor Antoine de Saint-Exupéry fließen Einblicke in die Entstehung des Buches und in die Biographie des Autors und Fliegers ein. Jana Zöll erzählt dessen Geschichte frei und persönlich nach und „(er)findet“ sie mit jedem Mal in unmittelbarem Kontakt zum Publikum wieder neu. Sie erzählt die Geschichte jedoch nicht als sie selbst, sondern in einer anderen Figur. Welcher? - Das bleibt der Entwicklung und dem Ausgang des Stückes überlassen.
Jana Zöll sitzt im Rollstuhl. Sie zählt wie auch der bekannte Autor und Schauspieler Dr. phil. Peter Radtke zu den 5000 OI-Betroffenen in Deutschland. Osteogenesis imperfecta wird im Volksmund oftmals auch als Glasknochen bezeichnet. Diese körperliche Beeinträchtigung und die daraus bedingten kleinen Körpermaße brachten Ann-Kathrin Schneider und Jana Zöll auf die Idee, in ihrer Projektarbeit an der Akademie die Geschichte des kleinen Prinzen als Erzähltheater umzusetzen.
Durch hohe Professionalität und Überzeugungskraft gelang es der Erzählerin, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Die Kernbotschaft des Stückes hallt noch lange in den Köpfen der Leute nach: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!"
Weitere geplante Vorstellungen im Akademietheater Ulm:
Do. 10.11.05 – 20:00
Fr. 11.11.05 – 20:00
Sa. 12.11.05 – 15:00
So. 13.11.05 – 15:00
Außerdem sind Aufführungen für Schulklassen o. ä. über das Informationsbüro der Akademie unter der Tel. 0731-38 75 31 buchbar.
Und wer mehr über die Akademie für darstellende Kunst in Ulm oder über den Integrativen Studiengang "Darstellende Künste für Menschen mit Körperbehinderung" wissen möchte, kann sich unter www.adk-ulm.de informieren.
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