"Aida" im Ulmer Theater
(redback) - Ägypten und Äthiopien sind seit langer Zeit miteinander verfeindet. Der Ausbruch eines neuen Krieges steht unmittelbar bevor. Bei einem früheren Vorstoß der Ägypter in Feindesland wurde Aida, die Tochter des äthiopischen Königs Amonasro verschleppt und lebt nun als Gefangene und Sklavin in Ägypten, wobei ihre eigentliche Identität unerkannt bleibt. Sie liebt Radames, der zum Feldherrn im Krieg gegen Äthiopien bestimmt worden ist. Die Tochter des Pharaos, Amneris, liebt Radames ebenfalls. Diese Liebe bringt sie in einen Gewissenskonflikt, weil ihr Geliebter gegen ihren eigenen Vater in den Krieg ziehen muss.
Als Radames siegreich aus Äthiopien zurückkehrt, darf er zur Belohnung einen Wunsch äußern. Er bittet um die Freilassung der äthiopischen Gefangenen, darunter Aidas Vater. Der Pharao gewährt ihm den Wunsch, behält jedoch Aida und ihren Vater als Geiseln. Als Belohnung für den Sieg soll Radames außerdem die Hand der Pharaonentochter erhalten.
In dieser ausweglosen Situation überredet Aida Radames zur Flucht mit ihr. Ein Gespräch der beiden, in dem Radames die nächsten Kriegspläne des Pharaos preisgibt, wird heimlich von Aidas Vater belauscht und Radames wird so ohne eigenes Wissen zum Verräter am ägyptischen Volk. Der unfreiwillige Verrat wird bekannt, er wird gefangen genommen und zum Tode verurteilt. Auch die Fürsprache der Pharaonentochter kann ihn nicht mehr retten. Doch er stirbt nicht allein, denn Aida hat sich unbemerkt zu ihm geschlichen und will nun, getreu bis in den Tod, das Los des Geliebten teilen.
Die Oper „Aida“ ist entstanden als Auftragswerk des Paschas von Kairo, um die Eröffnung des in erster Linie von England gebauten Suez-Kanals (1869) international zu feiern. … Verdi hat versucht, einen Stoff zu schaffen, der es möglich macht, europäische Musik mit einem ägyptisch-äthiopischen Thema zu verbinden. Gleichzeitig sollte das Europa bestimmende Thema Krieg den Inhalt prägen.
Der Intendant Ansgar Haag hat daher zum Einen Verdis Gegenwart bzw. Ägypten unter der damaligen britischen Besatzung als Zeit der Handlung gewählt. Zum Anderen als Umfeld der Handlung den Krieg zwischen Großbritannien und Äthiopien (1876), die Britische Besetzung Ägyptens (1882) und den darauf folgenden Aufstand des ägyptischen Sudan und Äthiopiens gegen die britische Herrschaft (1883). Laut Haag sei an einer „Aida“-Konzeption für ihn jedoch das entscheidende, dass sie politische aktuelle Bezüge suche, damit das Theater die Frage stellen könne: „Was tut der Westen in Afrika?“ Dies bringe Brücken zum heutigen Irak-Krieg. Was heute im Nahen Osten passiere, habe schon eine jahrhundertlange Geschichte. Der letzte Satz in der Oper „Werde dir Friede“ gelte der Region heute noch.
Chefdramaturg Dr. Klaus Rak meint, dass sich das Ulmer Theater hinter den großen Staatstheatern in München und Stuttgart nicht zu verstecken brauche. Das Theater setze solch große Werke wie dies mit Bravur um. Dies kann nur bestätigt werden. Das hauseigene Ensemble bietet mit Jorge Perdigón als einziger Gast in der Hauptrolle des Radames eine ausgezeichnete gesangliche und auch schauspielerische Leistung. Hinzu kommt ein sehr aufwändig gestaltetes Bühnenbild, das den positiven Gesamteindruck auch optisch abrundet – „…denn die Leute wollen wieder die Romantik im Theater sehen“, so Rak.
Das Stück spielt noch bis Mitte Februar 2006 im großen Haus des Ulmer Theaters.
Kartenvorbestellung: theater.ulm.de
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