4.48 Psychose, Sarah Kane, Podium
(Tinitoon) - Das Schauspiel von Sarah Kane zeigt, wie eine junge Frau mit ihren Depressionen zu kämpfen hat, die sie allmählich in den Wahnsinn treiben. Ihre Behandlung in der Psychiatrie nützt ihr nichts und ist nur ein kräfteraubender Kampf gegen die Ärzte. Diese wollen ihr gar nicht zuhören, sie stattdessen mit Medikamenten vollpumpen und sinnlose Therapiemethoden an ihr ausprobieren. Die einzige Person, der sich die Patientin anvertraut, ist eine Ärztin. Sie schaffte es mit direkten und "ehrlichen" Methoden zu ihr durchzudringen, verlässt die Frau aber und hinterlässt ein großes Loch.
Genau um 4:48 Uhr beschließt die Patientin, sich umzubringen. Niemand kann sie daran hindern, denn die Ärzteschaft hat sie schon längst aufgegeben, so dass sie ihren einzigen Ausweg nehmen muss.
Während des ganzen Stückes hat sich das Publikum wohl gefragt, wer denn nun hier verrückt ist. Die Patientin (Dagmar Geppert), oder die verzweifelten Ärzte, die von nur einer Person (Stefan Lehnen) gespielt wurden. Die schlichte Bühne mit ihren verschiebbaren, transparenten Wänden sorgte für eine sehr kühle Atmosphäre, was auch die Aufmerksamkeit auf die beiden Darsteller lenkte.
Mit viel schwarzem Humor und Selbstgesprächen, die Gedanken von Hass und Verzweiflung zum Ausdruck brachten und die Zuschauer zum Nachdenken anregten, überzeugte Dagmar Geppert.
Auch die Darstellung der Ärzte in der Person von Stefan Lehnen war beeindruckend. Lehnen zeigte sehr gut die Ignoranz, Überheblichkeit und sogar Hilflosigkeit, die mancher Arzt seinen Patienten gegenüber seiner Patienten an den Tag legt.
Ein gelungenes und absolut sehenswertes Stück, das jede einzelne Sekunde des langanhaltenden Schlussapplauses verdient hat.
Weitere Vorstellungen sind am 06.05/07.05/18.05/19.05/29.05/02.06/03.06/04.06/11.06/12.06
Jeweils um 19.30 Uhr im Podium
<<< zurück
|