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Festlich und pompös: Das 5. Philharmonische Konzert

(Frohike) - Festlich, pompös und bis ins kleinste Detail außergewöhnlich sorgfältig gearbeitet sind die drei Werke des 5. Philharmonischen Konzertes: Georg Friedrich Händels "Wassermusik", Suite Nr. 1, F-Dur, HWV 348, Wolfgang Amadeus Mozarts 35. Sinfonie, D-Dur, KV 385 „Haffner“ und Joseph Haydns 104. Sinfonie, D-Dur, „London". Obwohl alle drei Werke als Gebrauchsmusik gelten können, sind sie doch Ausdruck der individuellen Persönlichkeit des jeweiligen Komponisten. Mit großem Instrumentarium warten sowohl die brocke Wassermusik von Händel wie auch die beiden klassischen Sinfonien von Mozart und Haydn auf. Die trotz dieser reichen Instrumentierung transparente Klanglichkeit der Werke, ihre klare Struktur und ihre doch so unterschiedlichen Klangfarben und Stimmungen machen diese Kompositionen zu einem leichten und doch anrührenden Genuss.

Georg Friedrich Händel: Wassermusik, Suite Nr. 1

Händels „Water Music“ besteht aus drei Suiten mit insgesamt 22 Sätzen, die zu unter­schiedlichen Zeiten komponiert wurden. Die Entstehungszeit lässt sich nicht genau be­stimmen, da fast alle Autografe verschollen sind. Insgesamt kennt die Händel-Literatur drei „königliche Wasserfahrten“, zu denen Händel eine musikalische Begleitung geliefert hat oder jedenfalls geliefert haben könnte.
Von der ersten Fahrt von König George I. auf der Themse am 22. August 1715 von Whitehall nach Limehouse berichtete John Mainwaring im Jahr 1760: „Man schlug dem Könige eine Lustfahrt zu Wasser vor. Händel bekam Wind davon und wurde Rats, eine geschickte Musik zu dem Ende anzustellen. Er selbst vollzog und führte sie auf, ohne dass es der König wusste, der sich auch darüber sowohl verwunderte als ergetzte.“

Wolfgang Amadeus Mozart: 35. Sinfonie „Haffner“

„Ich werde so viel möglich geschwind arbeiten – und so viel es die Eile zulässt – gut schreiben.“ Mozarts Brief an seinen Vater vom 20. Juli 1782 deutet bereits die Hast an, in der das ursprünglich als Serenade für die Nobilitierung Sigmund Haffners (nicht zu ver­wechseln mit der „Haffner-Serenade“ KV 250 von 1776) komponierte Auftragswerk ent­stand. Im Februar 1783 erhielt er die Partitur zurück, strich den einleitenden Marsch und ein zweites Menuett, fügte Klarinetten und Flöten hinzu und hatte so eine viersätzige Sinfonie. Interessant ist, dass Mozart so eine hektisch hingeworfene Musik offenbar sofort vergessen hatte – „ich wusste kein Wort mehr davon“ – und nun angenehm angetan war von der Gelegenheitskomposition: „Die muss gewiss guten Effekt machen.“
Mozarts Überraschung kann unmittelbar einleuchten: Denn in der D-Dur-Sinfonie ist ihm, eine neue Qualität sinfonischen Denkens gelungen. Die Wiener Atmosphäre, der künstlerische Austausch mit dem Freund Joseph Haydn, das Hochgefühl der Freiheit und selbständigen Lebensführung – das alles findet Niederschlag in dem Werk, das man als Mozarts erste „klassische“ Sinfonie bezeichnen kann.
Dass dabei große sinfonische Gedankenführung und idyllischer Serenadengeist sich unvermittelt gegenüber stehen, kann an der Geschlossenheit der Konzeption nichts ändern – die beiden musi­kalischen Welten, aus denen sich die Sinfonie zusammensetzt, ergänzen sich auf selbstver­ständliche Weise. Serenadenhaft sind vor allem die beiden Mittelsätze, das Andante mit seiner schlichten regelmäßigen Periodik. Die Rahmensätze haben dagegen ganz anderes Format. Der Kopfsatz wird völlig beherrscht von dem zerklüfteten Thema, es erscheint in klanglichen und harmonischen Verwandlungen und wird kontrapunktisch, sogar in Umkehrung, verarbeitet. Solch „monothematisches“ Kompo­nieren war Mozart bislang fremd gewesen und bedeutet bei seinem Überschuss an melodischer Erfindung eine enorme Disziplinierung des kompositorischen Prozesses. Im Finale, einem „perpetuum mobile“ in wirbelnder Achtelbewegung – Mozart wünschte es sich „so geschwind als es möglich ist“ –, fällt neben dem Osmin-Thema aus der „Entführung“ die komplizierte Verquickung von Rondo und Sonatenform auf, die Mozart später noch öfter verwenden wird und die den Hörer mit einer Scheinreprise narrt.
Die Aufführung der viersätzigen sinfonischen Fassung am 23. März 1783 ist bemerkenswert. Es war dies nämlich die erste selbständige Akademie Mozarts in Wien, also ein wichtiger Abend, bei dem es ebenso um finanzielle Einnahmen wie um öffentliche Präsentation ging. Sogar Kaiser Joseph war anwesend und spendete, wie Mozart berichtet, „lauten Beifall“.

Joseph Haydn: 104. Sinfonie

Die zwölf in den Jahren 1791 bis 1794 für den in London lebenden Geiger und Konzertunter­nehmer Johann Peter Salomon komponierten Sinfonien bilden nicht nur Abschluss und Krönung des sinfonischen Schaffens von Haydn, sie bezeichnen einen Gipfel der klassischen Sinfonik überhaupt. Die hier erreichte Synthese von Mannigfaltigkeit und Geschlossenheit in geist- und kunstvoller Struktur hat auch Beethoven nicht übertroffen.
Keine andere Sinfonie Haydns beginnt mit einem derartig „beethovenschen“ Unisono wie die „Salomon-Sinfonie“. Der erste Satz ist monothematisch gebaut, ein Themenkontrast erübrigt sich, alles ist aus dem Hauptgedanken entwickelt. Die Logik der Konstruktion drängt sich jedoch nie auf, die Musik scheint frei zu fließen. Das Prinzip der Einheit in der Mannigfaltigkeit ist hier zur Deckung gebracht. Das Hauptthema des Andante ist melodisch aus dem Kopfsatzthema abge­leitet, wenn auch als rhythmisch umgestaltete Variante. Der Satz trägt freien Variationen­charakter; der Mittelteil als Mollvariante bringt Steigerungen und Verdichtungen. Selbst das Menuett zeigt motivische Verwandtschaft mit dem Kopfsatz-Thema.
Beethovens Dynamisierung und Monumentalisierung der Sinfonie hat dem 19. Jahrhundert den Blick für die Qualitäten und die geistige Höhe von Haydns reifer Sinfonik verstellt. Schumanns berühmtes Wort von dem „vertrauten Hausfreund“, der zwar jederzeit willkommen sei, aber „für die Jetztzeit nichts Neues mehr zu sagen“ habe, ist bezeichnend für diese Einschätzung, die übersah, dass die Sinfonik Beethovens ohne die späten Sinfonien Haydns nicht denkbar ist. Das im 19. Jahrhundert aufgekommene Schlagwort vom „Papa Haydn“, das in dessen Musik Zopfig­keit sah, ist einer der größten Irrtümer der neueren Musikgeschichte.


5. Philharmonisches Konzert am 08.07.2008 im CCU
Soirée: 06.07.08, 16 Uhr, Foyer / Offene Hauptprobe für Schüler: 07.07.2008, 18 Uhr, CCU / Termin: 08.07.2008, 20 Uhr, CCU

Georg Friedrich Händel (1685 – 1759): Wassermusik, Suite Nr. 1, F-Dur, HWV 348
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791): 35. Sinfonie, D-Dur, KV 385 „Haffner“
Joseph Haydn (1732 – 1809): 104. Sinfonie, D-Dur, „London“

Philharmonisches Orchester der Stadt Ulm
Dirigent: GMD James Allen Gähres

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